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Lou Reed 2026: Warum Gen Z ihn plötzlich wieder feiert

11.02.2026 - 12:36:16

Lou Reed erlebt 2026 ein Comeback im Netz – von TikTok bis Vinyl. Warum sein Sound wieder überall ist und was das für Fans in Deutschland heißt.

Lou Reed ist seit 2013 tot – aber 2026 fühlt es sich an, als wäre er überall. Auf TikTok läuft "Walk on the Wild Side" unter Retro-Ästhetik-Clips, Gen Z entdeckt "Perfect Day" über traurige Edit-Videos, und in deutschen Plattenläden stapeln sich wieder Velvet-Underground-Reissues. Parallel dazu pushen Streaming-Dienste neue Remaster, Dokus und kuratierte Playlists, die den New-York-Icon mit frischem Fokus präsentieren. Kurz: Lou Reed ist plötzlich wieder Gesprächsthema – auch bei Leuten, die 20 Jahre nach "Transformer" geboren wurden.

Mehr über Lou Reed auf der offiziellen Website

Für deutsche Fans ist das mehr als nur Retro-Hype: Es geht um die Frage, wie man einen Künstler versteht, der Pop, Punk, Alternative und Indie gleichzeitig geprägt hat – und dessen Songs heute wieder in Playlists neben Phoebe Bridgers, Lana Del Rey oder The 1975 auftauchen.

Hintergründe: Die aktuellen News im Detail

Auch wenn Lou Reed selbst keine neuen Songs mehr schreiben kann, passiert im Hintergrund gerade extrem viel. Musikindustrie und Szene nutzen runde Jubiläen, unveröffentlichtes Material und Katalogrechte, um seine Kunst neu zu sortieren. Typisch Lou-Reed-Style: Es geht nie nur um Nostalgie, sondern immer auch um Reibung, Haltung und tatsächliche künstlerische Relevanz.

In den letzten Jahren wurden mehrere große Schritte eingeleitet: Reissues von "Transformer" und "Berlin" mit Bonusmaterial, eine umfassende Werkschau von The Velvet Underground, eine gefeierte Kinodoku über die Band (inszeniert von einem Oscar-prämierten Regisseur) und eine systematische Aufarbeitung von Live-Mitschnitten aus den 70ern und 80ern. Kuratiert wurde vieles von Laurie Anderson, Künstlerin, Komponistin und Lou Reeds Partnerin bis zu seinem Tod. Ihr geht es nicht darum, eine glattgebügelte Legende zu bauen, sondern die Kanten zu zeigen – Drogen, Streit, Brüche, aber auch Humor und Zärtlichkeit.

Parallel dazu haben Streaming-Plattformen ihren Algorithmus neu justiert: Lou-Reed- und Velvet-Underground-Tracks tauchen verstärkt in "Indie Classics"-, "Alt Rock Roots"- und "Sad Songs"-Playlists auf. Vor allem drei Songs dominieren die Statistiken aus dem deutschsprachigen Raum: "Walk on the Wild Side", "Perfect Day" und das Velvet-Stück "Sunday Morning". Dazu kommen Nischenlieblinge wie "Street Hassle" oder "Pale Blue Eyes", die in Bedroom-Pop- und Shoegaze-Circles als geheime Blaupause für modernen Emo-Indie gelten.

Was die klassischen News angeht, drehen sich viele Meldungen aktuell um Archivfunde, Rechte-Deals und Gedenkformate. Museen und Kulturhäuser in Europa – etwa in Paris, London und auch im deutschsprachigen Raum – planen laufend Ausstellungen und Listening-Sessions, bei denen Reeds Verbindung zu New York, Kunst-Avantgarde und Queer Culture im Fokus steht. Für Deutschland sind immer wieder Sondervorführungen und Themenabende angekündigt, etwa in Programmkinos, Off-Theatern oder Literaturhäusern, die sich seiner Spoken-Word-Seite widmen.

Hinzu kommen Tribute-Projekte: Von Indie-Labels in Berlin und Hamburg hört man immer wieder von geplanten Tribute-EPs, auf denen deutschsprachige Acts Lou-Reed-Songs neu interpretieren – teils mit übersetzten Texten, teils bewusst roh und live eingespielt, weit weg von perfekten Popproduktionen. Solche Projekte werden häufig via Crowdfunding oder kleine Förderprogramme finanziert und landen am Ende auf Vinyl in limitierten Pressungen.

Für deutsche Fans hat das mehrere Effekte: Erstens, es wird leichter, sich strukturiert in das Werk zu vertiefen, ohne sich durch wild sortierte Bootlegs kämpfen zu müssen. Zweitens, Lou Reed taucht wieder als Referenzfigur in Interviews mit jungen Acts auf – egal ob bei deutschsprachigem Indie, Post-Punk-Bands oder Rappern, die seine Storytelling-Technik feiern. Und drittens sorgt die neue Sichtbarkeit dafür, dass auch kontroverse Debatten (etwa um problematische Formulierungen oder damalige Pressekonflikte) neu verhandelt werden. Lou Reed wird nicht zum Heiligen erklärt, sondern als komplexe, manchmal widersprüchliche Figur lesbar gemacht – und genau das fasziniert eine Generation, die wenig mit glattpolierter Star-PR anfangen kann.

Die Setlist & Show: Was dich erwartet

Lou Reed wird nie wieder live auf einer Bühne stehen – aber sein Songkatalog lebt in Tribute-Shows, Festival-Specials und Theater-Formaten weiter. Gerade in Europa werden regelmäßig Abende angekündigt, in denen Bands oder wechselnde Gäste Lou-Reed-Sets spielen, oft Song für Song an legendäre Touren angelehnt.

Typische Setlist-Struktur solcher Tribute-Abende orientiert sich meist an drei Säulen: Velvet Underground, Solo-Klassiker und Deep Cuts. Ein denkbares Beispiel für einen Abend in einem mittelgroßen deutschen Club könnte so aussehen:

  • "I'll Be Your Mirror" (Velvet Underground)
  • "Sunday Morning"
  • "I'm Waiting for the Man"
  • "Sweet Jane"
  • "Pale Blue Eyes"
  • "Walk on the Wild Side"
  • "Perfect Day"
  • "Satellite of Love"
  • "Vicious"
  • "Berlin"
  • "Caroline Says II"
  • "Street Hassle"
  • "Dirty Blvd"
  • "Romeo Had Juliette"
  • "Heroin" (als dramatischer Abschluss)

Was erwartet dich bei so einer Show atmosphärisch? Kein glatt choreografiertes Pop-Feuerwerk, sondern eher eine dichte, fast intime Erfahrung. Die Musik von Lou Reed lebt von Texten und Haltung. Viele Tribute-Acts lassen bewusst Pausen, erzählen Hintergrundstories zu einzelnen Songs, zitieren alte Interviews oder lesen kurze Auszüge aus Reeds Texten. Wenn "Heroin" gespielt wird, geht es selten um Rockromantik, sondern eher um eine brutal ehrliche Auseinandersetzung mit Sucht und Kontrollverlust. "Perfect Day" wird in aktuellen Kontexten oft nicht als Kitsch-Ballade inszeniert, sondern als ambivalenter, leicht unheimlicher Song über Abhängigkeit – von Menschen oder Substanzen.

Gerade in Deutschland gibt es eine starke Szene von Musiker:innen, die Velvet-Underground-Ästhetik lieben: minimalistische Drums, monotone Bassläufe, Feedback-Gitarren, dazu sprechgesungene Vocals. Wer solche Acts live sieht, bekommt oft eine Art indirektes Lou-Reed-Erlebnis: neue Texte, aktuelle Themen, aber klar inspiriert von seinem Ansatz, Alltagsfiguren und Außenseiter direkt, ohne Filter, in Songs zu packen.

Spannend ist, wie unterschiedlich die Songs heute klingen können. "Walk on the Wild Side" wird teilweise entschleunigt und fast wie ein Ambient-Folk-Stück gespielt, um Distanz zu problematischen Zeilen zu schaffen und den Fokus auf das Porträt der queeren Figuren zu legen. "Sweet Jane" verwandelt sich in manchen Versionen in einen hymnischen Indie-Rock-Moment, bei dem die Crowd laut mitsingt. Und "Sunday Morning" taucht häufig in Dream-Pop- oder Shoegaze-Gewand auf, mit dicken Gitarrenschichten und Reverb ohne Ende.

Rein logistisch sind solche Abende für junge Fans oft besser erreichbar als große Legacy-Touren: Ticketpreise liegen meist im Bereich von 20 bis 40 Euro, Locations sind Clubs, Kulturzentren oder kleine Theater. Bei Festival-Specials kann ein Lou-Reed-Set in ein breiteres Programm eingebettet sein, zum Beispiel unter Mottos wie "New York Nights" oder "Icons of Alternative". Format-Experimente reichen von orchesterbegleiteten "Berlin"-Aufführungen bis zu minimalistischen Duo-Sets mit Gitarre und Stimme, bei denen die Texte im Vordergrund stehen.

Wenn du als Fan hingehst, lohnt es sich, vorher bewusst ein paar Alben ganz durchzuhören: "Transformer" (1972), "Berlin" (1973), "New York" (1989) und mindestens ein Velvet-Album, zum Beispiel "The Velvet Underground & Nico" oder "Loaded". So erkennst du die Struktur hinter der Setlist und merkst, wie clever viele Künstler:innen Songs miteinander verknüpfen – etwa, wenn von "I'm Waiting for the Man" direkt in "I Love You, Suzanne" übergeleitet wird, um die Spannweite von Reeds Schreiben zu zeigen.

Die Gerüchteküche: Was Fans vermuten

Auf Reddit, TikTok und in deutschen Musik-Discords läuft eine ganze Reihe an Theorien, Spekulationen und Mini-Debatten rund um Lou Reed. Einige drehen sich um Archivmaterial: Viele Fans sind überzeugt, dass es noch tonnenweise ungehörte Live-Mitschnitte aus Europa-Touren gibt, gerade aus den späten 70ern und frühen 80ern, die bisher nur als rauschige Bootlegs kursieren. Sobald irgendwo ein Label von "neu entdeckten Tapes" spricht, explodieren die Threads mit Spekulationen, ob darunter endlich komplette Shows aus Berlin, Hamburg, Köln oder München sind.

Ein weiterer, gern diskutierter Punkt: Wer ist heute der "wahre" Erbe von Lou Reed? In US-Foren werden Namen wie Julian Casablancas, Mitski, Phoebe Bridgers, The National oder sogar einige Rapper genannt, die seine Art von Storytelling in andere Genres übertragen. Im deutschsprachigen Raum fallen oft Referenzen zu Künstler:innen wie Isolation Berlin, Die Nerven oder Trümmer, dazu einzelne Rapper, die den rohen Erzählstil in urbane Milieustudien übertragen. Fans vergleichen Textzeilen, posten Screenshots aus Booklets und bauen ganze Meme-Threads daraus, wie Lou gewisse aktuelle Phänomene beschrieben hätte.

Viel diskutiert wird auch "Walk on the Wild Side"; vor allem die Frage, wie man den Song 2026 hören und aufführen sollte. Auf TikTok gibt es Clips, die problematische Begriffe im Text erklären, historische Kontexte liefern und klar machen, warum Teile der queeren Community sich mit bestimmten Lines unwohl fühlen. Andere Videos betonen, wie wichtig der Song damals war, weil er überhaupt offen über queere Figuren und Gendernonkonformität gesprochen hat – lange bevor Mainstream-Pop das Thema anfasste. Ergebnis: Keine einfache Cancel-oder-Feier-Debatte, sondern eine nuancierte Auseinandersetzung, die ziemlich gut zeigt, wie differenziert Gen Z mit älterer Kunst umgehen kann.

Ein wiederkehrender Diskussionspunkt unter deutschen User:innen: Wird es noch einmal ein großes, zentrales Lou-Reed-Projekt geben – eine umfassende Box, eine Netflix-Serie, ein fiktionaler Film? Viele halten ein Biopic für wahrscheinlich, andere verweisen darauf, dass Reed selbst Biografisierungen eher skeptisch sah und sein Leben lieber in Songs und Performance gefasst hat. Trotzdem kursieren Fan-Cast-Listen, wer ihn spielen könnte, und sogar Fan-Poster mit Berliner Skylines und New-York-Bildern, um eine fiktive Filmästhetik zu entwerfen.

Kontroversen gibt es auch um Ticketpreise von Tribute-Touren. Sobald jemand ein Screenshot von 60-Euro-plus-Gebühren für einen mittelgroßen Clubpostet, geht die Diskussion los: "Würde Lou Reed das feiern?" Die meisten einigen sich darauf, dass es auf Transparenz und Respekt ankommt – also faire Bezahlung für Musiker:innen, aber keine Ausbeutung des Nachlasses als reines Cashgrab. Gerade in linken und alternativen Szenen in Berlin, Hamburg oder Leipzig ist das Thema präsent, und es wird genau hingeschaut, welche Veranstalter:innen eher Fan-getrieben arbeiten und welche nur vom Brand "Lou Reed" profitieren wollen.

Parallel dazu schwappt eine eher zärtliche, nostalgische Welle durch TikTok: User:innen posten "first time hearing Lou Reed"-Clips, in denen sie auf "Perfect Day" oder "Heroin" reagieren. Besonders spannend ist, wie viele junge Hörer:innen sofort auf die Story-Ebene anspringen: Kommentare drehen sich um Figuren, um Bilder, um Sätze, die hängen bleiben, nicht um Studio-Tricks. Viele entdecken über diese Videos dann das Velvet-Universum – und landen irgendwann bei obskuren Songs wie "Candy Says" oder "Lisa Says", die in Foren als geheime Schlüsselstücke für Reeds Empathie gefeiert werden.

Alle Daten auf einen Blick

Die folgende Übersicht bündelt wichtige Fakten zu Lou Reed – von Schlüsselalben bis zu historisch relevanten Momenten, die auch für deutsche Fans spannend sind:

Jahr Event / Release Details Deutschland-Bezug
1942 Geburt Lou Reed wird am 2. März in Brooklyn, New York, geboren. Später prägt sein New-York-Image auch deutsche Indie- und Punk-Szenen.
1965–1967 The Velvet Underground & Nico Aufnahmen und Release des legendären Debütalbums mit Nico. Die deutsche Sängerin Nico wird zur Brücke zwischen Velvet Underground und Europa.
1972 "Transformer" Soloalbum mit Hits wie "Walk on the Wild Side" und "Perfect Day". Chart-Erfolge in Europa; bis heute eines der meistverkauften Reed-Alben in Deutschland.
1973 "Berlin" Konzeptalbum über eine zerstörerische Beziehung, teils in Deutschland verortet. Kultstatus im deutschsprachigen Raum, häufig Thema in Feuilletons und Uniseminaren.
1970er–1990er Diverse Tourneen Mehrere Europa- und Deutschlandtouren, u. a. in Berlin, Hamburg, Köln, München. Viele deutsche Live-Mitschnitte kursieren als Bootlegs und Fanaufnahmen.
1989 "New York" Politisches Rockalbum über urbane Realität und US-Politik. Wird in der deutschen Musikpresse als Meisterwerk gefeiert.
2000er Späte Kollaborationen Kooperationen mit Laurie Anderson, Metallica ("Lulu") u. a. "Lulu" löst auch in Deutschland heftige Diskurse zwischen Metal- und Art-Rock-Fans aus.
2013 Tod Lou Reed stirbt am 27. Oktober 2013. Große Nachrufe in deutschen Medien; Wiederentdeckung seiner Backkataloge.
2020er Reissues & Dokus Neuauflagen, Boxsets, Dokumentarfilme, kuratierte Archive. Starke Präsenz auf deutschen Streaming-Plattformen und in Feuilletons.

Häufige Fragen zu Lou Reed

Um Lou Reed wirklich zu greifen, reicht es nicht, die Hits zu kennen. Hier findest du ausführliche Antworten auf Fragen, die Fans aktuell immer wieder stellen – von Einstiegsalben bis hin zu sensiblen Themen rund um Sprache und Legacy.

Wer war Lou Reed in einem Satz – und warum reden alle noch über ihn?

Lou Reed war Sänger, Gitarrist und Songwriter aus New York, der mit The Velvet Underground und als Solokünstler den Sound von Alternative, Punk, Indie und Art-Rock entscheidend geprägt hat. Man redet 2026 immer noch über ihn, weil seine Songs konsequent Menschen in Randzonen zeigen: Drogenszenen, queere Communities, toxische Beziehungen, urbane Einsamkeit. Statt Pop-Fantasien zu liefern, hielt er der Gesellschaft einen Spiegel hin – manchmal brutal, manchmal poetisch, oft beides gleichzeitig. Genau diese Mischung aus unangepasster Attitüde und verletzlicher Ehrlichkeit macht ihn für nachfolgende Generationen immer noch relevant.

Mit welchem Album sollte ich als Neueinsteiger:in anfangen?

Das hängt davon ab, was du sonst so hörst:

  • Du magst Indie, Alternative, Singer-Songwriter? Starte mit "Transformer" (1972). Darauf findest du eingängige, aber scharf beobachtete Songs wie "Walk on the Wild Side", "Perfect Day", "Satellite of Love" und "Vicious". Das Album klingt bis heute modern genug, um neben aktuellen Indie-Produktionen zu bestehen.
  • Du stehst auf düstere Konzeptalben und Emo-Vibes? Dann ist "Berlin" (1973) dein Einstieg: eine tragische Story in Albumform, mit Momenten, die emotional ähnlich hart treffen wie heutige Heartbreak-Playlists – nur ohne Autotune.
  • Du feierst politisch-kritische Texte und Großstadt-Realismus? Check "New York" (1989). Das Album ist quasi eine dichterische Bestandsaufnahme der Stadt und ihrer Widersprüche – etwas, das auch Berlin-, Hamburg- oder Ruhrpott-Fans nachvollziehen können.
  • Du willst die Wurzeln von allem hören? Dann musst du zu The Velvet Underground: "The Velvet Underground & Nico", "White Light/White Heat" und "Loaded" sind Pflicht, wenn du verstehen willst, warum heute von Noise-Pop bis Post-Punk so viel klingt, wie es klingt.

Tipp: Hör mindestens ein Album komplett durch, ohne zu skippen. Lou-Reed-Platten sind oft als Ganzes gedacht – mit Spannungsbögen, Bruchstellen, wiederkehrenden Motiven.

Warum gilt Lou Reed als so einflussreich für moderne Acts?

Lou Reed hat Dinge gemacht, die damals radikal waren und heute Standard wirken:

  • Erzählende Texte: Seine Songs funktionieren oft wie Kurzgeschichten. Figuren wie Candy, Holly oder Romeo aus "Romeo Had Juliette" sind so plastisch, dass man sie sich sofort vorstellen kann. Rap, Indie und Emo greifen genau dieses Storytelling-Prinzip auf.
  • Mut zur Monotonie: Velvet-Underground-Songs wie "Heroin" oder "Sister Ray" arbeiten mit Wiederholung, endlosen Grooves, Steigerungen. Ohne diesen Ansatz hätten später Noise-Rock, Krautrock, Post-Punk oder Techno anders geklungen.
  • Queere und marginalisierte Perspektiven: Zu einer Zeit, als Mainstream-Rock fast nur über hetero-Männlichkeitsfantasien sprach, schrieb Reed über Dragqueens, Sexarbeiter:innen, Süchtige, queere Figuren – oft mit Empathie, manchmal hart, aber nie glatt.
  • Genre-Grenzen ignorieren: Von folkigen Balladen über fast poppige Singles bis hin zu Noise-Experimenten wie "Metal Machine Music" hat Reed alles probiert. Diese Furchtlosigkeit ist Blaupause für experimentelle Künstler:innen der Gegenwart.

Wenn moderne Acts in Interviews von "Realness", "Unfiltered Lyrics" oder "Radical Honesty" reden, steckt darin oft ein Stück Lou Reed, ob bewusst oder unbewusst.

Wie sollte man problematische Textstellen heute einordnen?

Das ist einer der sensibelsten Punkte in der aktuellen Lou-Reed-Debatte. In Songs wie "Walk on the Wild Side" benutzt Reed Bezeichnungen und Formulierungen, die heute klar als beleidigend oder zumindest unangemessen gelten. Gleichzeitig war der Song seinerzeit einer der wenigen Hits, die überhaupt offen queere und trans Figuren sichtbar machten.

2026 gehen viele verantwortungsvolle Fans so damit um:

  • Kontext klar benennen: Man feiert nicht unreflektiert jeden Satz, sondern spricht offen darüber, warum manche Begriffe heute nicht mehr gehen und wie sich Sprache verändert hat.
  • Queere Stimmen priorisieren: Wer selbst nicht zur betroffenen Community gehört, hört zu, statt Debatten zu dominieren. Viele queere Musikschaffende sehen Lou Reed trotz problematischer Wörter als wichtigen Verbündeten einer bestimmten Ära, kritisieren aber gleichzeitig die Begriffe.
  • Aktuelle Cover-Versionen anpassen: Einige moderne Artists ändern Zeilen oder lassen sie weg, wenn sie "Walk on the Wild Side" interpretieren – ein bewusster Umgang mit einem historischen Stück, ohne dessen Bedeutung komplett zu negieren.

So entsteht ein Spannungsfeld, das nicht mit einem simplen "ist okay" oder "ist gecancelt" aufzulösen ist. Genau diese Grauzone zu akzeptieren, ist Teil eines erwachsenen Umgangs mit älterer Kunst.

Warum reden so viele über das Album "Berlin" – gerade in Deutschland?

"Berlin" ist ein Konzeptalbum über eine zerstörerische Beziehung, Drogen, Gewalt und emotionale Verwüstung – angesiedelt in einer Version der Stadt, die irgendwo zwischen Realität und Projektionsfläche liegt. Für viele deutsche Hörer:innen ist spannend, wie ein New Yorker auf Deutschland blickt, ohne Postkartenromantik, eher als düstere Bühne für Absturzgeschichten.

Kritiker:innen hassten das Album bei Erscheinen teilweise, Fans machten es später zum Kultklassiker. In Deutschland passte es hervorragend zu einer Tradition von Großstadtliteratur und Theater, die sich nicht vor hässlichen Wahrheiten drückt. Kein Wunder, dass "Berlin" heute oft in Seminaren zu Popkultur, Literaturwissenschaft oder Urban Studies vorkommt. Live-Aufführungen des Albums – etwa mit Orchester oder als Bühnenshow – tauchen immer wieder in europäischen Spielplänen auf und sprechen ein Publikum an, das sonst eher im Theater oder in der Oper sitzt.

Stimmt es, dass Lou Reed mürrisch und schwierig war?

Der Medienmythos "Lou Reed, der schlecht gelaunte Interview-Albtraum" kommt nicht von ungefähr: Es gibt legendäre Clips, in denen er Journalist:innen eiskalt abserviert, Fragen zurückweist oder sarkastisch zerlegt. Gleichzeitig berichten viele Menschen aus seinem Umfeld von Loyalität, Humor und überraschender Wärme.

Spannend ist, wie stark sich sein Image von aktuellen Erwartungshaltungen an Artists unterscheidet. Heute verlangen Fans oft permanente Nahbarkeit und Social-Media-Transparenz. Reed verweigerte genau das: Er wollte über Songs sprechen, nicht über Privatleben, Gossip oder Interpretationsschablonen. Für viele junge Musiker:innen ist diese konsequente Grenzziehung inzwischen wieder Vorbild – gerade in einer Zeit, in der alles Content werden soll.

Wie kann ich Lou Reed 2026 am besten entdecken, ohne von der Masse an Material erschlagen zu werden?

Ein möglicher Fahrplan für dich:

  1. Starte mit einer gut kuratierten Playlist, die Velvet und Solo mischt: "Sunday Morning", "I'm Waiting for the Man", "Sweet Jane", "Walk on the Wild Side", "Perfect Day", "Pale Blue Eyes", "Heroin", "Romeo Had Juliette", "Dirty Blvd".
  2. Such dir danach ein Album, das dich vom Vibe her am meisten anspricht, und hör es komplett durch – am besten am Stück, ohne Ablenkung. Notiere dir Zeilen, die hängenbleiben.
  3. Lies parallel Lyrics. Viele Feinheiten erschließen sich erst, wenn du die Texte vor Augen hast – Ironie, Figurenwechsel, subtile Beobachtungen.
  4. Check ein Live-Album oder YouTube-Clips. Lou Reed war kein klassischer Stimmvirtuose, aber genau darin liegt der Reiz: sein Sprechen, Nuscheln, Knurren, seine Pausen.
  5. Tauche in Fanforen oder Subreddits ein, um Background-Stories zu bestimmten Songs zu entdecken – aber lass dich nicht von puristischem Gatekeeping abschrecken. Deine Perspektive als neuer Fan ist genauso legitim.

So baust du dir Stück für Stück einen eigenen Zugang auf, statt nur eine kanonisierte Best-of-Version nachzubeten.


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