Lohnsteuer: Mindestpauschale fällt, Nettoeinkommen sinkt
31.01.2026 - 20:30:12Eine digitale Steuerreform sorgt seit Jahresbeginn für weniger Netto auf den Konten vieler Arbeitnehmer. Der Grund: Die Abschaffung der Mindestvorsorgepauschale macht die Lohnsteuerberechnung präziser – und teurer für bestimmte Gruppen.
Bisher garantierte die Mindestvorsorgepauschale privat Krankenversicherten eine steuerliche Untergrenze. Sie betrug pauschal 12 Prozent des Bruttolohns, gedeckelt auf bis zu 1.900 Euro jährlich. Seit dem 1. Januar 2026 ist diese Pauschale Geschichte. Jetzt zählt nur noch der tatsächliche, individuell gemeldete Versicherungsbeitrag. Für alle, deren Beiträge bisher unter der Pauschale lagen, steigt damit die monatliche Lohnsteuer – das Nettoeinkommen schrumpft.
Digitaler Datenaustausch macht es möglich
Treiber der Reform ist die Digitalisierung der Finanzverwaltung. Ein neues, automatisiertes Meldeverfahren ist nun vollständig aktiv. Private Krankenkassen übermitteln die Beitragshöhe elektronisch an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt). Die Arbeitgeber rufen diese Daten dann für die Lohnabrechnung ab. Das Ziel: mehr Transparenz und eine exaktere Abbildung der realen Lebenshaltungskosten. Die technische Umsetzung dieser gesetzlich längst beschlossenen Regelung wurde bewusst auf 2026 verschoben.
Wer verliert, wer könnte gewinnen?
Die Neuregelung trifft nicht alle gleich. Besonders betroffen sind:
* Privatversicherte mit günstigen Basistarifen.
* Beamte und Soldaten, die oft nur niedrige Beiträge für Anwartschaftsversicherungen zahlen.
Für sie bedeutet die präzisere Berechnung einen spürbaren monatlichen Nettoverlust. Auf der anderen Seite könnten Arbeitnehmer mit überdurchschnittlich hohen Krankenversicherungsbeiträgen profitieren. Ihre reale Belastung wird nun monatlich genauer berücksichtigt, was die Lohnsteuer senken kann.
Arbeitgeber stehen jetzt vor technischen und rechtlichen Knackpunkten: Die neuen elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM) müssen fehlerfrei in Abrechnungssysteme integriert werden – und das oft per Software‑Update. Unser kostenloses E‑Book erklärt Schritt für Schritt, wie Sie Arbeitszeit‑ und Abrechnungssysteme gesetzeskonform umstellen, typische Integrationsfehler vermeiden und geprüfte Vorlagen für die Dokumentation nutzen. So schützen Sie Ihre Firma vor Nachzahlungen und Bußgeldern. Jetzt kostenlosen Arbeitszeiterfassungs‑Guide sichern
Wichtig ist der Blick aufs Gesamtjahr: Die Jahressteuerschuld ändert sich durch die Reform nicht. In der Steuererklärung wurden die tatsächlichen Aufwendungen schon immer angesetzt. Es geht also primär um die monatliche Liquidität, nicht um die Gesamtsteuerlast.
Vereinfachung mit finanziellen Nebenwirkungen
Das Finanzministerium sieht in der Abschaffung einen konsequenten Schritt zu einem moderneren Steuersystem. Die Umstellung von Pauschalwerten auf Echt-Daten reduziert den Verwaltungsaufwand und erhöht die Genauigkeit. Die Kehrseite ist der Wegfall einer bisherigen Begünstigung. Für die Betroffenen heißt das: Die persönliche Finanzplanung muss angepasst werden.
Was Arbeitgeber und Arbeitnehmer jetzt tun sollten
Für Unternehmen ist eine fehlerfreie Integration der neuen elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM) in ihre Abrechnungssysteme entscheidend. Software-Updates sind oft notwendig. Arbeitnehmer sollten ihre Gehaltsabrechnungen der ersten Monate 2026 besonders sorgfältig prüfen. Zeigt sich ein geringeres Netto, ist eine zeitnahe Anpassung der monatlichen Budgetplanung ratsam, um Zahlungsengpässe zu vermeiden.


