Lindt, Sprüngli

Lindt & Sprüngli Aktie: 20 Prozent Preissenkung

28.06.2026 - 22:36:25 | boerse-global.de

Lindt senkt Preise in der Schweiz um bis zu 20 Prozent, was den Margendruck nach einem Absatzeinbruch verstärkt. Zudem belasten Rückrufe und Zölle das US-Geschäft.

Lindt & Sprüngli: Preissenkung in der Schweiz belastet die Marge
Lindt - Abstrakte Darstellung der Schokoladenindustrie, die Wert und Erschwinglichkeit in einem leicht negativen Marktumfeld symbolisiert. 28.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Lindt & Sprüngli dreht an einer Stellschraube, die das Unternehmen jahrzehntelang nicht angerührt hat. Preissenkungen von bis zu 20 Prozent in der Schweiz — das ist ein echter Kurswechsel. Und er kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Absatzeinbruch zwingt zum Umdenken

Der Auslöser ist klar. Im vergangenen Jahr erhöhte Lindt die Preise um 19 Prozent. Das Absatzvolumen brach daraufhin weltweit um 6,6 Prozent ein — in Deutschland sogar um mehr als 15 Prozent. Selbst eine Rabattaktion von 25 Prozent zu Ostern, gemeinsam mit Edeka finanziert, bewegte kaum etwas.

Das Dilemma: Lindt hat seinen Kakaobedarf für 2026 bereits vollständig abgesichert. Die gesunkenen Kakaopreise nach guten Ernten in Westafrika entlasten die Kostenbasis dieses Jahr kaum. Der Konzern gibt also Preisspielraum frei, bevor die Kostenseite nachzieht. Margendruck ist die zwangsläufige Folge.

US-Geschäft unter doppeltem Druck

Parallel läuft das US-Geschäft nicht rund. Die Tochter Ghirardelli rief Ende April bestimmte Getränkepulver-Mischungen zurück — wegen einer Salmonellen-Kontamination in einem Milchpulver des Lieferanten California Dairies Inc. Erkrankungen wurden laut FDA bisher keine gemeldet. Der Reputationsschaden bleibt dennoch ein Risiko für einen Wachstumsmarkt, der für Lindt zentral ist.

Hinzu kommen mögliche Importzölle von 39 Prozent. Lindt erwägt deshalb, die Produktion der Goldhasen in die USA zu verlagern. Beide Faktoren trüben die Aussichten für das nordamerikanische Segment in der zweiten Jahreshälfte.

Rückkaufprogramm als Gegengewicht

Das Management hat im Mai ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu eine Milliarde Franken gestartet. Die erworbenen Papiere werden vernichtet. Das erhöht den Gewinn je verbleibender Aktie und soll den Kurs stützen.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Vorstand organisches Umsatzwachstum von 4 bis 6 Prozent sowie eine Margenverbesserung von 20 bis 40 Basispunkten. Im ersten Halbjahr rechnet das Management noch mit leicht negativem Volumen. Ab der zweiten Jahreshälfte soll das Wachstum zurückkehren — das schwache Weihnachtsgeschäft 2025 liefert dafür eine günstige Vergleichsbasis.

Halbjahreszahlen als Prüfstein

Der Partizipationsschein schloss die Woche bei 10.370 Euro — ein Wochenminus von 1,43 Prozent am Freitag, auf Sieben-Tage-Sicht aber noch ein Plus von knapp 6 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 17,3 Prozent zu Buche. Der Schein notiert knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von rund 10.230 Euro, zum 200-Tage-Durchschnitt klafft eine Lücke von fast 15 Prozent.

Der Halbjahresbericht wird zeigen, ob die Mengenstabilisierung greift und die EBIT-Marge das 2025er Niveau von 16,4 Prozent hält. Enttäuschen die Volumendaten oder hinterlässt die Preissenkungsstrategie sichtbare Spuren in der Marge, rückt das 52-Wochen-Tief von 9.720 Euro wieder in Reichweite.

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