Länder-Tarifabschluss, Streikwelle

Länder-Tarifabschluss beendet Streikwelle

15.02.2026 - 07:30:12 | boerse-global.de

Nach wochenlangen Warnstreiks einigten sich Gewerkschaften und Arbeitgeber auf gestaffelte Lohnerhöhungen von 5,8 Prozent über 27 Monate im öffentlichen Dienst.

Länder-Tarifabschluss beendet die Streikwelle im öffentlichen Dienst.

Der Abschluss kam nach wochenlangen Warnstreiks zu einem Kompromiss, der auch Berlin Planungssicherheit gibt. Er sorgt für spürbare Lohnerhöhungen über 27 Monate und könnte Vorbild für ähnliche Verhandlungen in der Kommunalebene sein.

Der Tarifabschluss wurde am späten Freitagabend, dem 14. Februar 2026, in Potsdam erzielt und beendet eine Eskalation, die Berlin, Brandenburg und andere Länder stark belastet hat. Verdi und der dbb Beamtenbund hatten zuvor mit massiven Kampagnen Druck gemacht, zuletzt mit einem ganztägigen Streik am 11. Februar, der Kitas, Schulen, Bürgerämter und Hochschulen traf. Die Gewerkschaften begründen den Abschluss damit, dass eine verlässliche Bezahlung notwendig sei – auch vor dem Hintergrund steigender Lebenshaltungskosten.

Details des neuen Tarifvertrags

  • Gehaltserhöhung: Die Einkommen steigen gestaffelt um insgesamt 5,8 Prozent über 27 Monate. Die Laufzeit beginnt rückwirkend zum 1. November 2025.
  • Erste Stufe: Ab dem 1. April 2026 erhöht sich das Gehalt um 2,8 Prozent, mindestens jedoch um 100 Euro monatlich.
  • Zweite Stufe: Zum 1. März 2027 folgt eine Erhöhung um weitere 2,0 Prozent.
  • Dritte Stufe: Ab dem 1. Januar 2028 steigt die Entlohnung um 1,0 Prozent.
  • Nachwuchs: Ausbildungsentgelte wachsen insgesamt um 150 Euro.
  • Zusatzleistungen: Deutliche Anhebung von Schicht- und Wechselschichtzulagen – besonders relevant für Personal in Krankenhäusern und bei der Feuerwehr.
  • Ost-West-Ausgleich: Kündigungsschutzregelungen werden harmonisiert, um Unterschiede zwischen den Tarifgebieten Ost und West abzubauen.
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Der Weg zum Kompromiss: Warnstreiks als entscheidendes Druckmittel

Vor dem Abschluss hatten die Gewerkschaften mit einer Forderung von sieben Prozent mehr Lohn, mindestens 300 Euro monatlich, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten aufgestellt. Die Arbeitgeberseite nannte dies finanziell nicht tragbar. Die zweite Verhandlungsrunde im Januar brachte kein Angebot, weshalb die Warnstreiks ausgeweitet wurden. Der Höhepunkt war der Streik am 11. Februar in Berlin, der Kitas, Schulen und Verwaltungsdienste zeitweise lahmlegte. Die Entschlossenheit der Beschäftigten ebnete letztlich den Weg für die dritte Verhandlungsrunde in Potsdam.

Einordnung und Reaktionen auf den Abschluss

Gewerkschaften bewerten den Kompromiss als tragfähig, auch wenn nicht alle ursprünglichen Forderungen umgesetzt wurden. Entscheidend sei, dass der Abschluss die Beschäftigten angemessen würdigt und Planungssicherheit für die kommenden Jahre schafft. Arbeitgeber sehen den Deal als belastbar, zugleich aber als Grenze der finanziellen Belastbarkeit der Länderhaushalte. Er soll die Attraktivität des öffentlichen Dienstes erhalten und die gestiegenen Lebenshaltungskosten ausgleichen.

Ausblick: Übertragung auf Beamte und weitere Tarifkonflikte

Mit der Tarifeinigung dürfte das Ergebnis zeit- und wirkungsgleich auf die Landesbeamten in Berlin übertragen werden, sofern ein formaler politischer Beschluss folgt. Gleichzeitig bleiben weitere Streitigkeiten im Berliner Landesdienst nicht ausgeschlossen: In Vivantes, dem landeseigenen Klinikkonzern, scheiterte eine Verhandlungsrunde am 11. Februar; eine Einigung ist hier offen. Die Gewerkschaften kündigen weitere Arbeitskampfmaßnahmen an, falls das Angebot als unzureichend bewertet wird. Auch bei BVG-Verhandlungen zum Manteltarifvertrag steht eine Sitzung am 18. Februar an, nachdem der Bus- und U-Bahn-Verkehr Anfang des Monats zeitweise stillgelegt war. Wie sich die nächsten Wochen auf die Arbeitskämpfe auswirken, bleibt abzuwarten.

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