Krebskongress, Integration

Krebskongress fordert Integration komplementärer Medizin

20.02.2026 - 15:31:11 | boerse-global.de

Der 37. Deutsche Krebskongress fordert, wissenschaftlich fundierte Ergänzungen wie Ernährung und Bewegung als Standard in der Krebstherapie zu etablieren, um ein Versorgungsloch zu schließen.

Berlin. Der 37. Deutsche Krebskongress in Berlin macht die Integration komplementärer Therapien in Kliniken zum zentralen Thema. Bis zu 70 Prozent der Krebspatienten nutzen solche Angebote – doch die Spitäter sind kaum darauf vorbereitet.

Experten warnen vor einem gefährlichen Versorgungsloch. Denn die meisten Patienten suchen sich komplementäre Behandlungen ohne ärztliche Begleitung. Das birgt Risiken, etwa gefährliche Wechselwirkungen mit der Krebstherapie.

Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Die Zahlen sind eindeutig, die Realität in den Kliniken jedoch oft ernüchternd. Während je nach Krebsart 50 bis 70 Prozent der Patienten komplementäre Medizin nutzen, fehlt es in Krankenhäusern an qualitätsgesicherten, evidenzbasierten Angeboten.

„Es geht nicht um Alternativmedizin, sondern um wissenschaftlich fundierte Ergänzungen“, betonen Fachleute auf dem Kongress. Im Fokus stehen drei Säulen: Ernährungstherapie, körperliche Aktivität und Psychoonkologie. Diese können Nebenwirkungen der Haupttherapie lindern und so die Behandlungserfolge steigern.

Mangelernährung und Bewegung als Therapie

Zwei Bereiche stehen besonders im Fokus der Diskussion.

Die stille Krise: Mangelernährung

Viele Krebspatienten leiden bereits bei der Diagnose unter Gewichts- und Muskelverlust. Das verschlechtert ihre Prognose erheblich. Dennoch gilt Ernährungstherapie in vielen Kliniken noch als Randthema statt als medizinische Notwendigkeit.

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Experten fordern: Die frühe Ernährungsintervention muss zum verbindlichen Qualitätsmerkmal zertifizierter Krebszentren werden.

Bewegung auf Rezept

Körperliche Aktivität ist mehr als Lifestyle-Rat – sie wirkt therapeutisch. Neue Konzepte für „Bewegung auf Rezept“ sollen direkt im Krankenhaus umgesetzt werden. Die Forderung: Strukturierte Bewegungsprogramme müssen abrechenbarer Standard werden, statt von Projektgeldern abzuhängen.

Krankenhausreform als Chance und Risiko

Die aktuelle Krankenhausreform mit ihren neuen „Leistungsgruppen“ bietet eine historische Gelegenheit. Befürworter drängen darauf, komplementäre Leistungen als Qualitätskriterien zu verankern.

Doch die wirtschaftlichen Zwänge sind hoch. Ohne klare Finanzierung im neuen System drohen integrative Angebote den Sparmaßnahmen zum Opfer zu fallen. Juristische Unsicherheiten verschärfen das Problem: Ein Sozialgericht in Nordrhein-Westfalen verweigerte kürzlich die Abrechnung unterstützender Therapien, was Kliniken verunsichert.

Was kommt auf Patienten zu?

Die Botschaft des Kongresses ist klar: Komplementärmedizin muss vom „Kann“- zum „Muss“-Angebot werden. Fachgesellschaften arbeiten an neuen Standards, die künftig in der Krankenhausreform verankert werden sollen.

Für Patienten könnte dies den Zugang zu sicheren, qualitätsgeprüften Therapien erleichtern – direkt in der behandelnden Klinik. Der Weg zu einer ganzheitlicheren, patientenzentrierten Onkologie in Deutschland ist damit vorgezeichnet.

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