Krebsberatung in Apotheken: Nische mit großem Potenzial
18.04.2026 - 04:01:45 | boerse-global.deExperten fordern eine breitere Umsetzung.
Pharmazeutische Leistungen boomen – Onkologie bleibt Nische
Die Apotheken in Deutschland setzen zunehmend auf beratende Dienstleistungen. Im dritten Quartal 2025 führten rund 8.800 der 16.600 öffentlichen Apotheken mindestens eine der fünf abrechenbaren pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) durch. Mit etwa 216.000 Leistungen wurde ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahresquartal verzeichnet.
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Doch die Verteilung zeigt ein klares Bild: Während Schulungen zur Inhalationstechnik mit über 91.000 Fällen an der Spitze liegen und Beratungen bei Polymedikation fast 79.000 Mal stattfanden, ist die spezielle Betreuung für Patienten mit oraler Krebstherapie (OAT) ein Schattendasein. Zusammen mit der Beratung für Organtransplantierte kam dieser Service bundesweit auf lediglich etwa 1.250 Fälle.
„Die pharmazeutischen Dienstleistungen beschleunigen sich insgesamt und verbessern die Patientenversorgung“, sagt ABDA-Präsident Thomas Preis. „Die spezielle Onkologie-Beratung bleibt jedoch eine Nische, die stärker in den Apothekenalltag integriert werden muss.“
Wissenschaft belegt klaren Nutzen für Patienten
Der Ruf nach mehr Beratung ist wissenschaftlich fundiert. Eine systematische Übersichtsarbeit vom Januar 2026 identifizierte messbare Verbesserungen bei zehn Kriterien für Krebspatienten, die eine pharmazeutische Beratung erhielten. Das Wissen der Patienten, ihre Zufriedenheit mit der Therapie und die Zuverlässigkeit der Medikamenteneinnahme stiegen signifikant.
Konkrete Zahlen liefert die AMBORA-Studie. Bei Patienten, die orale Tumortherapeutika für Hautkrebs einnahmen, fanden Forscher im Schnitt 1,6 Medikationsfehler pro Person. Die pharmazeutische Intervention konnte fast 90 Prozent dieser Fehler beheben. Zudem lag die Therapietreue der betreuten Patienten bei bemerkenswerten 95 Prozent.
Die Beratung schließt auch eine Wissenslücke. Daten zur Gesundheitskompetenz zeigen, dass drei von vier Erwachsenen Schwierigkeiten haben, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen und anzuwenden. Für Krebspatienten ist der Übergang von der intensiven Klinikbetreuung zur selbstverantwortlichen Therapie zu Hause oft überwältigend.
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Hohe Hürden im Apothekenalltag
Um die „Pharmazeutische Betreuung bei oraler Antitumortherapie“ anbieten zu können, müssen Apotheker eine spezielle Fortbildung der Bundesapothekerkammer absolvieren. Der Service umfasst eine Erstberatung, für die die Apotheke 90 Euro (netto) abrechnen kann, und eine strukturierte Folgeberatung nach zwei bis sechs Monaten für 17,55 Euro.
Doch der Aufwand ist hoch: Die Beratung erfordert eine detaillierte Analyse des gesamten Medikationsplans, eine Risikobewertung für Wechselwirkungen und eine enge Abstimmung mit dem behandelnden Arzt. In kleineren Apotheken fehlt oft schlicht die Zeit und personelle Kapazität für diese Spezialleistung.
Hinzu kommt der wirtschaftliche Druck. Laut dem ABDA-Statistikjahrbuch 2025 sank die Zahl der Apotheken in Deutschland bis Ende 2024 auf 17.041 – den niedrigsten Stand seit den späten 1970er Jahren. Etwa ein Viertel der Apotheken erzielte einen Jahresgewinn unter 75.000 Euro.
Ausblick: Vom Nischen- zum Standardangebot
Die Befürworter der speziellen Krebsberatung geben nicht auf. Mit dem geplanten Gesetz zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung (ApoVWG) sollen weitere pharmazeutische Dienstleistungen etabliert werden, um die Therapietreue zu erhöhen.
Angesichts immer teurerer oraler Krebstherapien wird die Rolle des Apothekers als Sicherheitskoordinator immer wichtiger. Das Ziel für 2026 und darüber hinaus ist klar: Die spezielle Betreuung muss aus ihrer Nische heraus und zu einem Standard in der onkologischen Versorgung werden. Nur so können die hohen Investitionen in innovative Medikamente durch Anwendungsfehler oder mangelnde Patientenbetreuung nicht verspielt werden.
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