KOSPI: Bärenmarkt nach 27,33 % Minus
Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 13:37 Uhr | Redaktion boerse-global.de
820,60 Punkten. Damit weitete sich der Abstand zum 52-Wochen-Hoch auf -27,33 % aus, womit der Markt technisch gesehen in einen Bärenmarkt eingetreten ist. Auslöser für die jüngste Verkaufswelle war ein Zusammenspiel aus einer restriktiveren Geldpolitik der Bank of Korea, neuen regulatorischen Hürden für gehebelte Finanzprodukte und einem massiven Deleveraging bei Privatanlegern.
Regulierungsstoß gegen gehebelte ETFs
Die südkoreanische Finanzdienstleistungskommission (FSC) hat weitreichende Maßnahmen angekündigt, um die Spekulation in gehebelten börsengehandelten Fonds (ETFs) auf Einzelaktien einzudämmen. Ab dem 5. August wird die erforderliche Basiseinlage für den Handel dieser Produkte von 10 Millionen auf 30 Millionen Won verdreifacht. Zudem wird ab dem 19. August ausschließlich Bargeld als Sicherheit akzeptiert, während Wertpapiere nicht mehr als Ersatz dienen können. Im November soll zudem die Mindesthandelseinheit von einer auf 20 Aktien erhöht werden.
Diese Schritte folgen auf eine Phase extremer Konzentration: Über 50 % des KOSPI entfallen auf die Schwergewichte Samsung Electronics und SK Hynix. Zuletzt flossen innerhalb eines Monats netto rund 7,34 Billionen Won in 16 gehebelte Produkte auf diese Einzelwerte. Die Regulierungsbehörden reagieren damit auf eine Verdopplung der täglichen Kursschwankungen im KOSPI, die laut Marktanalysen direkt mit den Absicherungsgeschäften dieser Hebelprodukte korreliert.
Zinswende und der Feedback-Loop am Aktienmarkt
Parallel zur regulatorischen Verschärfung erhöhte die Bank of Korea (BOK) am 16. Juli den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,75 %. Dies war die erste Zinserhöhung seit dreieinhalb Jahren und erfolgte vor dem Hintergrund einer Inflationsrate, die im Juni mit 3,2 % den zweiten Monat in Folge über der Zielmarke lag. Der damit verbundene Liquiditätsentzug traf einen Markt, der durch sogenannte „Feedback-Loops“ bereits unter Druck stand.
Die Volatilität im KOSPI, gemessen durch den VKOSPI, erreichte Ende Juni ein Rekordhoch von 97,99. Analysten zufolge verstärken gehebelte ETFs bestehende Trends: Sinkende Kurse zwingen die Emittenten zu Verkäufen, was den Abwärtstrend beschleunigt. In der Folge wurden im laufenden Jahr bereits 37 Mal „Sidecars“ (Handelsunterbrechungen bei hoher Volatilität) und sieben Mal „Circuit Breaker“ ausgelöst – mehr als die Hälfte aller Unterbrechungen in der gesamten Historie des Index entfallen damit auf die letzten sechs Monate.
Massive Zwangsliquidationen bei Privatanlegern
Die Heftigkeit der Korrektur führte zu erheblichen Verlusten im Privatsektor. Laut Daten von Goldman Sachs kam es in der Woche bis zum 16. Juli zu über 1,2 Millionen Margin Calls. Schätzungsweise 320.000 bis 360.000 Handelskonten wurden zwangsliquidiert. Besonders betroffen ist die jüngere Generation: Rund 62 % der Verluste entfielen auf Anleger im Alter zwischen 20 und 30 Jahren.
Trotz der aktuellen Turbulenzen weist der Index seit Jahresanfang (YTD) immer noch ein Plus von 61,85 % auf. Während ausländische und institutionelle Investoren zuletzt als Nettoverkäufer auftraten, nutzten Privatanleger die Kursstürze teilweise für Zukäufe in Milliardenhöhe. Die Analysten von UBS halten derweil an einem 12-Monats-Kursziel für den KOSPI von 9.200 Punkten fest, warnen jedoch vor anhaltend hoher Volatilität durch den laufenden Deleveraging-Prozess. Als nächste kritische Termine gelten die Quartalszahlen der US-Technologiekonzerne Ende Juli, die maßgebliche Impulse für den für Seoul so wichtigen Halbleitersektor liefern dürften.
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