KNDS hält Börsengang 2026 trotz Aussetzung weiter für möglich
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 06:21 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSKNDS-Chef Jean-Paul Alary hält trotz der im Sommer ausgesetzten Pläne an einem Börsengang des Rüstungskonzerns fest. Ein Start im Jahr 2026 sei weiterhin möglich, sofern die Marktbedingungen den Erwartungen der Aktionäre entsprächen.
Börsengang bleibt vorbereitet
Der Verwaltungsrat hatte die Entscheidung Ende Juni wegen der Marktbedingungen getroffen. Die derzeit erzielbare Bewertung liege noch unter den Erwartungen der Aktionäre, sagte Alary dem „Handelsblatt“.
Das Management solle sich dennoch bereithalten, damit der Börsengang jederzeit beginnen könne. Nach dem bisherigen Modell sollen 20 Prozent des Unternehmens an die Börse gehen, während Frankreich und Deutschland jeweils 40 Prozent halten würden.
Privatanleger sollen einbezogen werden
Neu ist laut Alary, dass neben institutionellen Investoren auch Privatanleger Aktien zeichnen können. An der Bewertungsfrage ändere diese Öffnung jedoch nichts. Ein späterer Börsengang im Jahr 2027 sei ebenfalls denkbar, könnte aber durch den französischen Präsidentschaftswahlkampf erschwert werden.
KNDS plant Ausbau der Produktion
Parallel will KNDS die Produktion in Deutschland in den kommenden zwei bis drei Jahren deutlich hochfahren. Dafür sucht der Konzern zwei weitere Industriepartner; bei mindestens einem Partner könnte noch vor Jahresende eine Ankündigung erfolgen.
Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 37 Prozent, der Auftragseingang nahm um 38 Prozent zu. Für das Gesamtjahr erwartet KNDS rund 30 Prozent Umsatzwachstum.
1,5 Milliarden Euro für Kapazitäten
Für den Ausbau will KNDS in den Jahren 2026 und 2027 rund 1,5 Milliarden Euro investieren. Das Geld soll in die Bereiche Systeme in Frankreich, Systeme in Deutschland und Munition fließen.
In Frankreich plant der Konzern eine zweite Anlage zum Befüllen von 155-Millimeter-Artilleriegeschossen. Dort soll künftig die fünffache Menge im Vergleich zu 2022 verarbeitet werden. Im früheren Alstom-Werk in Görlitz sind nach der Übernahme bereits 40 bis 50 Prozent der vorgesehenen Industrieflächen für die Produktion erschlossen.
KNDS verbindet mit dem geplanten Börsengang zwei Ziele: Der Konzern soll zusätzliches Kapital für den Ausbau erhalten, zugleich würde sich die Eigentümerstruktur teilweise verändern. Nach dem vorgesehenen Modell blieben Frankreich und Deutschland mit jeweils 40 Prozent beteiligt, während 20 Prozent der Anteile frei handelbar wären. Die Öffnung für Privatanleger erweitert den möglichen Investorenkreis, ändert aber nichts an der zentralen Frage der Unternehmensbewertung.
Der Hintergrund ist eine deutlich wachsende Nachfrage nach Rüstungsgütern in Europa. Höhere Verteidigungsausgaben und der Bedarf an Munition, Artilleriesystemen und Landfahrzeugen erhöhen den Druck auf Hersteller, ihre Produktionskapazitäten schneller auszubauen. Für KNDS bedeutet das zugleich höhere Investitionen und organisatorische Anforderungen, weil neue Anlagen, Zulieferer und qualifizierte Beschäftigte zeitnah verfügbar sein müssen.
Ausbau in Deutschland
Die geplanten 1,5 Milliarden Euro für 2026 und 2027 verteilen sich auf Systeme in Frankreich, Systeme in Deutschland und den Munitionsbereich. Die Suche nach zwei weiteren deutschen Industriepartnern zeigt, dass KNDS den Ausbau nicht allein über bestehende Werke stemmen will. Eine mögliche Ankündigung noch vor Jahresende könnte deshalb für die regionale Industrie und die Lieferketten von Bedeutung sein.
Der Börsenzeitplan bleibt an die Marktbedingungen gekoppelt. Ein Start im Jahr 2026 würde die Kapitalaufnahme mit dem aktuellen Wachstum verbinden; eine Verschiebung auf 2027 könnte wegen des französischen Präsidentschaftswahlkampfs zusätzliche politische Unsicherheit schaffen. Für Anleger bleibt damit neben den Geschäftszahlen vor allem die erwartete Bewertung der entscheidende Faktor.
