Kita-Insolvenz, Karlsruhe

Kita-Insolvenz in Karlsruhe: Gehälter für 600 Mitarbeiter gesichert

13.02.2026 - 18:23:11

Die rund 600 Beschäftigten der insolventen Karlsruher Kita-Träger erhalten ihre ausstehenden Gehälter. Das Insolvenzgeld sichert die Löhne für drei Monate, während ein Sanierungsverfahren läuft.

Die rund 600 Beschäftigten der insolventen Kita-Träger Pro-Liberis und Lenitas in Karlsruhe erhalten endlich ihr Geld. Die Auszahlung des Insolvenzgeldes für die ausstehenden Januar-Gehälter hat begonnen. Das bringt eine erste Erleichterung für die Mitarbeiter, die seit der Insolvenzantragstellung Anfang Februar in finanzieller Unsicherheit ausharrten.

Plötzliche Insolvenz stürzt Kitas in die Krise

Am 5. Februar 2026 stellten die Pro-Liberis gGmbH und die Lenitas gGmbH, zwei große Träger von Kinderbetreuung und Jugendhilfe, Anträge auf Insolvenz beim Amtsgericht Karlsruhe. Der überraschende Schritt ließ etwa 600 Mitarbeiter auf ihren Januar-Löhnen sitzen. Trotz der eigenen finanziellen Not versorgen sie weiterhin rund 1.350 Kinder in der Region. Über 20 Kitas und Jugendhilfeeinrichtungen in Karlsruhe und Umgebung sind betroffen. Die Gewerkschaft ver.di schlug sofort Alarm und verwies auf die existenzielle Not der Beschäftigten.

Die Insolvenz trifft einen erheblichen Teil der Karlsruher Kita-Landschaft. Pro-Liberis betreibt 20 Kitas mit über 900 genehmigten Plätzen. Lenitas führt neun Einrichtungen mit 452 Plätzen und bietet zudem Jugendhilfe an. Die mögliche Unterbrechung der Betreuung für fast 1.350 Kinder, davon etwa 900 innerhalb der Stadtgrenzen, löste bei den betroffenen Familien große Besorgnis aus.

Insolvenzgeld bringt Planungssicherheit

In einer entscheidenden Wendung bestätigten die vorläufigen Insolvenzverwalter am 13. Februar, dass die Zahlungen an die Mitarbeiter begonnen haben. Die Gehälter sind für drei Monate gesichert – für den ausstehenden Januar sowie für Februar und März. Die Grundlage bildet das Insolvenzgeld der deutschen Sozialversicherung. Diese schnelle organisatorische Weichenstellung gibt den Beschäftigten dringend benötigte Planungssicherheit.

Die Geschäfte führen vorläufige Insolvenzverwalter der Kanzlei Schultze & Braun. Dr. Jürgen Erbe ist für Pro-Liberis zuständig, Holger Blümle für Lenitas. Beide betonen, das primäre Ziel sei die Stabilisierung des Betriebs. Alle Einrichtungen seien voll arbeitsfähig und die Betreuungsqualität bleibe während des Sanierungsverfahrens gewahrt.

Ver.di und Stadt reagieren auf den Notfall

Die Gewerkschaft ver.di fordert von Unternehmensleitung, Insolvenzverwaltung und Stadt Karlsruhe einen klaren Krisenplan. Sie verlangt die sofortige und unbürokratische Auszahlung aller ausstehenden Löhne. Ver.di sieht in dem Fall zudem ein strukturelles Problem: Die chronische Unterfinanzierung der Kommunen setze freie Träger unter enormen Druck und könne zu solchen Insolvenzen führen.

Die Stadt Karlsruhe ist eng mit den Insolvenzverwaltern im Kontakt, um den Betrieb der Kitas aufrechtzuerhalten. Für besorgte Eltern hat die Stadt eine Sonder-Hotline (0721 133-3333) eingerichtet. Die Stadtverwaltung betont ihr Engagement für den Erhalt der Betreuungsplätze, kann aber die Insolvenz eines privatrechtlichen Trägers nicht verhindern.

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Expansionskurs und steigende Kosten als Ursache

Die finanziellen Schwierigkeiten von Pro-Liberis und Lenitas werden auf mehrere Faktoren zurückgeführt. Ein starkes Wachstum, darunter die Übernahme mehrerer Kitas von öffentlichen Trägern auf Wunsch der Kommunen, belastete die Finanzen. Gleichzeitig stiegen die Betriebskosten für Energie und Material stark an, während die Einnahmen nicht im gleichen Maße wuchsen. Diese Konstellation zeigt die prekäre Lage vieler sozialer Dienstleister, die zwischen steigenden Ausgaben und festen öffentlichen Förderungen gefangen sind.

Sanierung als langfristiges Ziel

Nach der Sicherung der Gehälter rückt nun die langfristige Zukunft der Träger in den Fokus. Das Insolvenzverfahren wird voraussichtlich mehrere Monate dauern. Die Verwalter arbeiten an einem umfassenden Sanierungskonzept. Ziel ist der dauerhafte Erhalt der beiden gemeinnützigen Gesellschaften, ihrer Einrichtungen und möglichst vieler Arbeitsplätze.

Der Erfolg hängt maßgeblich von Verhandlungen mit den öffentlichen Zuschussgebern ab. Die Organisationen sollen auf eine solide finanzielle Basis gestellt werden, damit ab April 2026 die Gehälter wieder aus eigenen Betriebseinnahmen gezahlt werden können. Für Eltern, Kinder und Mitarbeiter in Karlsruhe sind die kommenden Monate entscheidend für die Zukunft eines bedeutenden Teils der lokalen Kinderbetreuung.

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