Kinderschutz, Netz

Kinderschutz im Netz: EU und Deutschland drängen auf schärfere Alterskontrollen

20.02.2026 - 20:22:12 | boerse-global.de

Die politische Debatte um verbindliche Altersgrenzen für soziale Medien gewinnt in der EU an Fahrt. Ein neues Expertengremium soll bis Sommer 2026 harmonisierte Vorschläge erarbeiten.

Die Debatte um schärfere Alterskontrollen für soziale Medien erreicht in Deutschland und Europa einen neuen Höhepunkt. Politische Vorstöße für verbindliche Regeln könnten das Ende der reinen Selbstregulierung bedeuten.

Die Diskussion wurde durch den CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz neu entfacht. Er forderte diese Woche eine stärkere staatliche Regulierung von Social Media für Jugendliche. Als Gründe nannte er die wachsende Sorge um die psychische Gesundheit junger Menschen und Risiken durch Desinformation oder KI-generierte Fälschungen. Dieser Vorstoß signalisiert einen politischen Kurswechsel: Weg von freiwilligen Maßnahmen der Plattformen, hin zu verbindlichem Schutz.

Europa sucht nach einheitlichen Lösungen

Deutschland steht mit dieser Forderung nicht allein da. Auf EU-Ebene hat die Debatte massiv an Fahrt aufgenommen. Portugal hat kürzlich einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der für die Nutzung sozialer Medien durch unter 16-Jährige die Zustimmung der Eltern vorschreibt. Solche nationalen Initiativen erhöhen den Druck auf Brüssel, eine einheitliche EU-Regelung zu schaffen.

Die EU-Kommission reagiert bereits. Im Rahmen eines Aktionsplans gegen Cybermobbing wurde ein neues Expertengremium eingesetzt. Es soll bis zum Sommer 2026 Empfehlungen für harmonisierte Altersgrenzen vorlegen. Parallel wird an der technischen Umsetzung gearbeitet. Ein datensparsames Verifikationssystem, kompatibel mit den für Ende 2026 erwarteten „EU Digital Identity Wallets“, ist in Entwicklung.

Anzeige

Während EU-Institutionen an Altersgrenzen und digitalen Identitäten arbeiten, sind viele Organisationen noch unzureichend gegen Cyberrisiken gerüstet. Ein kostenloses E-Book fasst aktuelle Cyber-Security-Trends zusammen, erklärt die Auswirkungen neuer KI-Regularien und zeigt praktische Schutzmaßnahmen für Plattformen, Schulen und Verwaltungen. Jetzt kostenlosen Cyber-Security-Guide herunterladen

Die Gretchenfrage: Wie lässt sich Schutz umsetzen?

Im Kern steht die schwierige Abwägung zwischen effektivem Jugendschutz und den Freiheitsrechten aller Nutzer. Eine verpflichtende Altersverifikation würde die Überprüfung der Nutzeridentität voraussetzen. Kritiker warnen vor einer digitale n Identitätspflicht, die Anonymität und Meinungsfreiheit im Netz aushöhlen könnte. Befürworter betonen dagegen den Schutzauftrag für Kinder als höheres Gut.

Auch Datenschützer melden sich zu Wort. Anlässlich des Safer Internet Day am 10. Februar 2026 forderte die Datenschutzkonferenz von Bund und Ländern (DSK) gesetzliche Nachbesserungen. In einem Zehn-Punkte-Papier schlägt sie Reformen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vor. Demnach sollen Kinder keine Einwilligung für die Verarbeitung hochsensibler Daten wie Gesundheitsinformationen mehr erteilen können.

Medienkompetenz bleibt unverzichtbar

Die aktuellen Vorstöße sind eine Reaktion auf die Erkenntnis, dass bestehende Gesetze wie der Digital Services Act (DSA) in der Praxis oft nicht ausreichen. Der DSA verpflichtet Plattformen zwar zu Risikobewertungen, definiert aber kein verbindliches Mindestalter oder konkrete Kontrollen.

Doch Experten warnen: Strenge Alterskontrollen allein sind keine Lösung. Sie können Risiken wie Cybermobbing reduzieren, ersetzen aber nicht die Förderung von Medienkompetenz. Initiativen wie „klicksafe“ betonen, dass Kinder den kritischen Umgang mit digitalen Inhalten erlernen müssen. Die Forderung nach einem Schulfach „Medienkompetenz“ zeigt den Bedarf an Unterstützung für Eltern und Schulen.

Die kommenden Monate werden die Weichen stellen. Die EU-Expertempfehlungen im Sommer und die Entwicklung der digitalen Identitätsbörse bestimmen die Zukunft des Kinderschutzes online. Für Plattformen wächst der Druck, nachweisbare Schutzmaßnahmen umzusetzen – nicht zuletzt wegen drohender hoher Strafen unter dem DSA.

Anzeige

Rätst du noch bei deiner Aktienauswahl oder investierst du schon nach einem profitablen System?

Ein Depot ohne klare Strategie ist im aktuellen Börsenumfeld ein unkalkulierbares Risiko. Überlass deine finanzielle Zukunft nicht länger dem Zufall oder einem vagen Bauchgefühl. Der Börsenbrief 'trading-notes' nimmt dir die komplexe Analysearbeit ab und liefert dir konkrete, überprüfte Top-Chancen. Mach Schluss mit dem Rätselraten und melde dich jetzt für 100% kostenloses Expertenwissen an.
100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Jetzt abonnieren.