KI und Jobs: Chefetagen und Mitarbeiter liegen völlig auseinander
23.02.2026 - 05:01:12 | boerse-global.deEine tiefe Kluft trennt Vorstände und Belegschaften in der Frage, wie Künstliche Intelligenz den Arbeitsmarkt verändert. Das zeigt eine neue, wegweisende Studie des US-amerikanischen National Bureau of Economic Research (NBER). Während Führungskräfte mit Stellenabbau rechnen, erwarten Angestellte mehr Jobs durch die Technologie. Diese gegensätzlichen Erwartungen offenbaren die enorme Verunsicherung inmitten einer der größten wirtschaftlichen Umwälzungen unserer Zeit.
Studie zeigt dramatischen Meinungsunterschied
Die NBER-Erhebung unter 6.000 Firmen in vier Ländern ergab: In den letzten drei Jahren sah über 80 Prozent der Manager keine spürbaren Auswirkungen von KI auf Beschäftigung oder Produktivität. Der Blick nach vorn fällt anders aus. Für die nächsten drei Jahre prognostizieren die Chefs einen Produktivitätsschub von 1,4 Prozent und mehr Output – doch um den Preis von 0,7 Prozent weniger Jobs. Die Mitarbeiter hingegen erwarten im gleichen Zeitraum ein Plus von 0,5 Prozent bei der Beschäftigung. Ein fundamentaler Dissens über die Zukunft der Arbeit.
Junge Beschäftigte als „Kanarienvogel in der Kohlemine“
Während die Debatte tobt, ist die Wirkung von KI in einigen Bereichen bereits Realität. Ein Bericht der irischen Regierung zeigte kürzlich: In stark betroffenen Branchen wie Technologie und Finanzdienstleistungen war das Jobwachstum zuletzt deutlich schwächer. Besonders traf es junge Arbeitnehmer.
In diesen Risikosektoren sank die Beschäftigung der 15- bis 29-Jährigen um ein Prozent, während sie bei den 30- bis 59-Jährigen um zwölf Prozent stieg. Ein internationaler Trend: Eine vielzitierte Stanford-Studie fand heraus, dass Berufseinsteiger in KI-exponierten Jobs einen relativen Beschäftigungsrückgang von 13 Prozent erlebten. Experten sehen in ihnen die ersten Opfer einer Systemverschiebung, bei der routinierte Einstiegsaufgaben zuerst automatisiert werden.
Konzerne setzen auf KI – und streichen Stellen
Die Sorgen der Manager aus der NBER-Studie sind nicht theoretisch. Sie schlagen sich in konkreter Unternehmensstrategie nieder. Immer mehr Großkonzerne führen Personalabbau direkt auf KI und Automatisierung zurück.
Das Fintech-Unternehmen Klarna setzt KI-Assistenten ein, die die Arbeit von 700 Vollzeitkräften übernehmen. Der Logistikriese UPS kündigte an, 2025 rund 20.000 Stellen zu streichen – sein CEO verwies direkt auf neue Technologien als Grund. Auch Duolingo, IBM und der britische Telekom-Konzern BT planen umfangreiche Umstrukturierungen. Sie wollen in den kommenden Jahren Tausende Stellen, besonders in Verwaltung und Kundenservice, durch KI-Systeme ersetzen. Für viele Firmen ist KI ein Werkzeug für mehr Effizienz – mit weniger Personal.
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Die Produktivitätsfrage: Investition in Qualifikation ist entscheidend
Eine andere, optimistischere Perspektive bietet eine umfassende Studie des Centre for Economic Policy Research (CEPR) unter 12.000 europäischen Firmen. Sie kam zu dem Ergebnis: Der Einsatz von KI steigerte die Arbeitsproduktivität im Schnitt um vier Prozent – ohne nachweisbaren Beschäftigungsrückgang.
Doch die Forscher machten eine entscheidende Einschränkung: Die Vorteile der KI stellen sich nicht automatisch ein. Die größten Produktivitätssprünge erzielten Unternehmen, die parallel in ihre Belegschaft und Infrastruktur investierten. Ein zusätzlicher Prozentpunkt, der in Mitarbeiterschulungen floss, verstärkte den KI-Produktivitätsgewinn um 5,9 Prozentpunkte. Das legt nahe: Der Jobverlust ist kein Naturgesetz. Die primäre Wirkung der KI könnte die Transformation von Jobs sein – vorausgesetzt, Firmen qualifizieren ihre Mitarbeiter um, damit sie mit den neuen Technologien zusammenarbeiten können.
Ausblick: Die Weichen werden jetzt gestellt
Die kommenden Jahre werden eine kritische Phase der Anpassung für den globalen Arbeitsmarkt. Die zentrale Herausforderung für Wirtschaft und Politik wird sein, den Übergang von automatisierungsgefährdeten zu neuen, KI-getriebenen Jobs zu managen. Das erfordert gewaltige Investitionen in Weiterbildung und Qualifizierung.
Regierungen handeln bereits. Großbritannien richtete eine „KI und Zukunft der Arbeit“-Einheit ein, um die Auswirkungen zu überwachen und politische Maßnahmen zu entwickeln. Auch die OECD drängt Staaten, aktiv KI-taugliche Belegschaften durch umfassende Trainingsprogramme aufzubauen. Ob KI zu massenhaftem Jobverlust oder einer neuen Ära gesteigerter Produktivität führt, hängt maßgeblich von diesen strategischen Investitionen in Humankapital ab. Die Debatte dreht sich nicht mehr darum, ob KI die Arbeit verändert – sondern wie sich die Gesellschaft auf den Wandel vorbereitet, der längst begonnen hat.
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