KI-Register der EU startet – doch Fristen wackeln
10.01.2026 - 11:51:12Die EU hat ihr Transparenzregister für Hochrisiko-KI-Systeme freigeschaltet. Doch parallel droht ein neues Gesetzespaket die Einführungsfristen zu verschieben und sorgt für Verwirrung.
Brüssel/Berlin – Die Europäische Union geht beim Schutz vor risikoreicher Künstlicher Intelligenz in die nächste Runde. Seit heute, dem 10. Januar 2026, ist die zentrale EU-Datenbank für Hochrisiko-KI-Systeme technisch geöffnet. Unternehmen müssen ihre Anwendungen für sensible Bereiche wie Personalauswahl oder Strafverfolgung dort nun registrieren. Doch der Startschuss fällt in eine Phase der Unsicherheit: Ein geplanter „Digital Omnibus“ könnte die verbindlichen Fristen um Jahre nach hinten verschieben.
Mit der Datenbank setzt die EU einen Kernpunkt ihrer KI-Verordnung (AI Act) um. Anbieter von Hochrisiko-KI, die in einem speziellen Anhang gelistet ist, müssen ihre Systeme hier eintragen, bevor sie sie in der EU auf den Markt bringen. Das Register soll Bürgern und Aufsichtsbehörden Einblick geben: Wer bietet welches System an? Welche Daten verarbeitet es und zu welchem Zweck?
Die EU-KI-Verordnung bringt verpflichtende Dokumentations- und Kennzeichnungspflichten – und Fristen wie der 2. August 2026 rücken näher. Unser kostenloser Umsetzungsleitfaden erklärt Schritt für Schritt, wie Sie Ihr System richtig klassifizieren, die technische Dokumentation aufbauen und die Registrierung im neuen EU-Transparenzregister vorbereiten. Praktische Checklisten und konkrete Handlungsanweisungen helfen, bürokratische Stolperfallen zu vermeiden und Bußgelder zu verhindern. Jetzt kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen
Der technische Start gilt als wichtiges Signal an die Wirtschaft. Die Infrastruktur für die Einhaltung des Gesetzes steht. Theoretisch bleibt Unternehmen nun Zeit bis zum 2. August 2026, um ihre KI-Systeme nachzurüsten und zu registrieren.
„Digital Omnibus“ droht Fristen zu verwässern
Doch parallel zum Start der Plattform sorgt ein anderer Brüsseler Vorstoß für Kopfzerbrechen. Der von der Kommission im November 2025 vorgeschlagene „Digital Omnibus“ könnte die gesamte Zeitplanung über den Haufen werfen. Dieses Gesetzespaket zur Entbürokratisierung digitaler Vorschriften sieht laut Analysen eine Verlängerung der Umsetzungsfrist für Hochrisiko-KI um bis zu 16 Monate vor – von August 2026 auf Ende 2027 oder sogar 2028.
Der Grund: Die harmonisierten technischen Standards, die Unternehmen für eine rechtssichere Zertifizierung brauchen, sind noch nicht fertig. Für die Wirtschaft entsteht ein paradoxes Bild: Das Werkzeug zur Registrierung ist da, aber der Stichtag könnte in letzter Minute verschwinden.
Verbraucherschützer schlagen Alarm
Die Pläne stoßen auf scharfe Kritik von Verbraucherschutzorganisationen. Sie warnen vor einer Aushöhlung des Verbraucherschutzes. Würden die Fristen verschoben, blieben Bürger fast zwei Jahre länger im Unklaren darüber, wo risikoreiche KI über sie entscheidet – bei Kreditanträgen, in Bewerbungsgesprächen oder durch biometrische Überwachung.
Experten befürchten, dass solch eine Verzögerung das Vertrauen in die europäische KI-Regulierung untergraben könnte, noch bevor sie richtig wirkt. Die Debatte offenbart den klassischen EU-Konflikt: Wirtschaftliche Praktikabilität gegen schnellen Verbraucherschutz.
Handlungsempfehlungen für Unternehmen
Trotz der Ungewissheit raten Compliance-Experten dringend zur Vorbereitung. Da der „Digital Omnibus“ noch durch das EU-Parlament muss, bleibt der 2. August 2026 vorerst das einzige verbindliche Datum. Unternehmen sollten jetzt handeln:
- Bestandsaufnahme: Prüfen, welche eigenen Systeme als Hochrisiko-KI eingestuft werden.
- Dokumentation: Die technische Dokumentation gemäß den Vorgaben zusammenstellen.
- Testlauf: Die nun offene Datenbank nutzen, um die Registrierung zu üben.
- Monitoring: Die politischen Verhandlungen in Brüssel engmaschig verfolgen.
Die Uhr tickt, auch wenn das genaue Ende des Countdowns unklar ist. Die nächsten Wochen in Brüssel werden zeigen, ob Europa beim KI-Schutz Tempo macht – oder ob sich die Regulierung in die Länge zieht.
PS: Unsicher, welche Ihrer Anwendungen als Hochrisiko-KI gilt? Der gleiche Gratis-Leitfaden enthält ein klares Prüfverfahren zur schnellen Bestandsaufnahme, Muster für die technische Dokumentation und Praxistipps, mit denen Sie die Registrierung souverän durchspielen können. So gehen Sie vorbereitet in Brüsseler Fristen und reduzieren regulatorische Risiken. Jetzt KI-Umsetzungsleitfaden sichern


