KI-Lobbyismus, Washington

KI-Lobbyismus in Washington erreicht Rekordniveau

24.02.2026 - 19:49:51 | boerse-global.de

Die Zahl der KI-Lobbyisten in Washington hat sich seit 2022 fast verdreifacht. Tech-Konzerne investieren Millionen, um einheitliche und industriefreundliche Bundesgesetze durchzusetzen.

Eine von vier Lobbyisten in Washington arbeitete 2025 an KI-Themen. Diese explosive Zunahme zeigt, wie Konzerne die Regulierung der Zukunftstechnologie massiv beeinflussen wollen.

Die Zahlen sind beeindruckend: Laut einem neuen Bericht der Watchdog-Organisation Public Citizen beschäftigten sich im vergangenen Jahr 3.570 Lobbyisten mit Künstlicher Intelligenz. Das entspricht einem Viertel aller registrierten Bundeslobbyisten. Gegenüber 2022 bedeutet das einen Anstieg um fast 170 Prozent. Die Tech-Branche mobilisiert damit auf nie dagewesenem Niveau, um die politischen Weichenstellungen in ihrer Frühphase zu prägen.

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Tech-Giganten führen Lobby-Offensive an

Die Daten zeigen eine klare Hierarchie der Einflussnahme. An der Spitze steht die U.S. Chamber of Commerce mit 91 für KI abgestellten Lobbyisten. Es folgen die Tech-Riesen: Microsoft (63), Meta (55), das Software-Unternehmen Intuit (51) und Amazon (48). Insgesamt stieg die Zahl der KI-Lobbyisten von 1.672 Ende 2022 auf 6.110 im Jahr 2025 – ein Plus von 265 Prozent.

Dahinter stehen immense finanzielle Ressourcen. Allein elf führende Tech-Konzerne gaben 2025 über 105 Millionen Euro für Lobbyarbeit aus, bei der KI im Zentrum stand. Besonders stark wächst der Fokus auf die physische Infrastruktur: Die Zahl der Lobbyisten für Rechenzentren hat sich seit 2023 mehr als verfünffacht. Die Botschaft ist klar: Die Industrie will eine möglichst lasche Regulierung auf Bundesebene durchsetzen.

Der Kampf um das Regelwerk: Bundesrecht gegen Landesgesetze

Ein zentrales Motiv für den Lobby-Boom ist der Wunsch nach einem einheitlichen Bundesgesetz. Dieses soll die wachsende Zahl von KI-Regulierungen auf US-Bundesstaaten-Ebene ersetzen. Diese Strategie der „föderalen Präemption“ wurde bereits in einer Exekutivanordnung der Trump-Administration im Dezember 2025 festgeschrieben. Sie zielt darauf ab, einen „Flickenteppich aus 50 verschiedenen Regimen“ zu verhindern, der die Innovation behindere.

Die Front ist aktiv. Erst letzte Woche forderten republikanische Führungskräfte im Wissenschaftsausschuss des Repräsentantenhauses eine umfassende Prüfung aller KI-Gesetze durch den Government Accountability Office (GAO). Auch die American Hospital Association drängte am 23. Februar im Gesundheitssektor auf stärkere Bundesvorgaben, um die Datennutzung für KI zu erleichtern. Die Industrie einigt sich offenbar auf eine gemeinsame Linie: nationale Einheitlichkeit statt lokaler Schutzvorschriften.

Parallel startet politischer Aktionismus

Die Lobby-Offensive findet zeitgleich mit einer Flut politischer Initiativen statt. Das Weiße Haus kündigte am 23. Februar globale KI-Programme an, darunter ein Exportprogramm und ein „U.S. Tech Corps“. Ziel ist es, die amerikanische Technologieführerschaft zu zementieren und alternative Governance-Modelle zu kontern.

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Auch der Kongress ist in Aktion. Am heutigen 24. Februar finden gleich mehrere Anhörungen statt, etwa zur Infrastruktur für Rechenzentren und zu KI in der Bildung. Selbst Think-Tanks mischen mit: Das American Enterprise Institute (AEI) startete einen neuen Ethik-Rat für KI. Die Bdette ist in allen politischen Ebenen angekommen.

Worum es wirklich geht: Wer schreibt die Spielregeln?

Die Konvergenz aus massiver Lobby-Macht, einer empfänglichen Administration und einem aktiven Kongress markiert einen Wendepunkt. KI-Politik ist kein Nischenthema mehr, sondern ein Top-Wirtschaftsthema. 2025 waren mehr Lobbyisten für KI aktiv als für Verteidigung oder Energie.

Die Strategie der Industrie ist ein Rundumschlag. Sie will Grundgesetze so gestalten, dass Innovation priorisiert und regulatorische Lasten begrenzt werden. Der Fokus auf die Verdrängung von Landesgesetzen ist dabei ein Schlachtfeld. Soll das Recht der Bundesstaaten, eigene Verbraucher- und Arbeitnehmerschütze zu erlassen, zugunsten einer einheitlichen, industriefreundlichen Linie zurücktreten? Die aktuelle Dynamik deutet darauf hin, dass dieses Argument an Boden gewinnt.

Der Ausgang dieses Ringens wird die Entwicklung der KI in den USA und ihre Auswirkung auf die Gesellschaft für Jahre prägen. Mit Blick auf die Kongresswahlen 2026 rechnen Beobachter bereits mit weiteren Rekordausgaben der Tech-gesteuerten Super-PACs. Die Regulierung der Künstlichen Intelligenz wird eines der bestimmenden Themen des Jahres bleiben.

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