KI-Leistungsdruck, Büros

KI-Leistungsdruck erzeugt gefährlichen „Workslop“ in Büros

09.02.2026 - 18:43:11

Unreflektierter KI-Einsatz erzeugt fehlerhafte Ergebnisse und steigert den Korrekturaufwand, was Produktivität und Mitarbeitergesundheit gefährdet. Personalabteilungen müssen gegensteuern.

KI-Tools sollen effizienter machen, produzieren aber oft nur Schrottarbeit. Das neue Phänomen „Workslop“ belastet Mitarbeiter psychisch und senkt paradoxerweise die Produktivität. Personaler müssen gegensteuern.

Während die Debatte über Roboter-Haftung tobt, wächst in deutschen Büros eine subtilere Gefahr: „Workslop“. Dieser Begriff beschreibt die Flut an fehlerhafter und oberflächlicher Arbeit, die entsteht, wenn gestresste Mitarbeiter unter KI-getriebenem Leistungsdruck arbeiten. Personalabteilungen stehen vor der Aufgabe, diese Entwicklung zu stoppen – sonst leiden Qualität und Psyche der Belegschaft.

Wie KI-Tools zu Schrottproduzenten werden

„Workslop“ ist die direkte Folge eines unreflektierten KI-Einsatzes. Getrieben von Algorithmen, die nur auf Quantität achten, nutzen Mitarbeiter generative KI, um schneller mehr Output zu liefern. Das Ergebnis sind oft fehlerhafte Texte, lückenhafte Berichte oder mangelhafter Code. Die eigentliche Arbeit verlagert sich dann: Kollegen müssen den KI-generierten Entwurf mühsam korrigieren – ein versteckter Mehraufwand, der den angeblichen Effizienzgewinn zunichtemacht.

Eine Studie der Pronova BKK vom Januar 2026 bestätigt das Problem. Zwei von drei befragten KI-Nutzern gaben an, dass der Aufwand für Prüfung und Korrektur gestiegen ist. Mehr als die Hälfte empfindet ihre Arbeit durch KI als fehleranfälliger. Der vermeintliche Fortschritt kehrt sich so in sein Gegenteil.

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Psychischer Druck und neue rechtliche Hürden

Der KI-Leistungsdruck hat gravierende Folgen für die psychische Gesundheit. Ständige Überwachung durch Algorithmen führt zu „Techno-Stress“, Kontrollverlust und Unsicherheit. Die Angst, ersetzbar zu werden, verstärkt das Risiko für Burnout.

Gleichzeitig ziehen Gesetzgeber die Zügel an. Die schrittweise in Kraft tretende EU-KI-Verordnung (AI Act) will Hochrisiko-Anwendungen – auch im Personalwesen – sicherer und transparenter machen. In Deutschland bilden DSGVO und BDSG den Rahmen für den Umgang mit Mitarbeiterdaten. Betriebsräte haben bei KI-Überwachungssystemen ein klares Mitbestimmungsrecht, um Persönlichkeitsrechte zu wahren.

HR muss umdenken: Vom Kontrolleur zum Kompetenzvermittler

Die Bekämpfung von „Workslop“ erfordert einen Rollenwechsel der Personalabteilung. Statt KI primär als Kontrollinstrument zu sehen, muss HR KI-Kompetenz und kritisches Denken fördern. Die Prävention mentaler Belastung wird 2026 zur zentralen Führungsaufgabe.

Das bedeutet: Verantwortung für den KI-Einsatz muss in die Teams wandern, die die Abläufe am besten kennen. Schulungen sollten nicht nur die Bedienung, sondern auch die kritische Bewertung von KI-Ergebnissen lehren. Ziel ist ein Rahmen, in dem KI als unterstützendes Werkzeug und nicht als digitaler Peitschenschwinger wahrgenommen wird.

Das Produktivitätsparadoxon: Mehr Tempo, weniger Qualität

Die aktuelle Entwicklung offenbart ein tiefes Paradoxon: Der Versuch, Produktivität durch KI-Messungen zu maximieren, untergräbt sie durch systemische Qualitätsverluste. Qualifizierte Mitarbeiter binden ihre Expertise für die Korrektur maschineller Fehler – das demotiviert und schafft neue Engpässe.

Das Problem ist weniger technologisch als kulturell. Unternehmen, die nur auf Geschwindigkeit setzen, riskieren ihre Qualitätsstandards und die Gesundheit ihrer Belegschaft. Der Fokus muss sich vom puren Output zum qualitativen Zusammenspiel von Mensch und Maschine verschieben.

Ausblick: Erfolg durch Ethik und faire Bewertung

Die Zukunft erfordert klare ethische Richtlinien für KI im Personalwesen. Unternehmen müssen definieren, wie Leistung fair bewertet wird – ohne einen Überwachungsdruck, der „Workslop“ befeuert. Die nationale Gesetzgebung wird die Anforderungen an Transparenz weiter verschärfen.

Langfristig werden jene Unternehmen erfolgreich sein, die KI als Ergänzung menschlicher Fähigkeiten begreifen. Sie schaffen eine Arbeitsumgebung, die kritisches Denken und Qualität belohnt – anstatt sie durch blinden Effizienzdruck zu ersticken.

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