KI-Karikaturen: Spaß-Trend birgt ernste Datenschutz-Risiken
13.02.2026 - 08:26:11Ein neuer viraler Trend auf Instagram, LinkedIn und X verspricht lustige Karikaturen – doch Sicherheitsexperten warnen vor gravierenden Folgen für Privatsphäre und Berufsleben. Nutzer lassen KI-Tools wie ChatGPT Karikaturen aus Selfies und Job-Beschreibungen erstellen und geben dabei biometrische Daten preis, die nie wieder gelöscht werden können.
Biometrie für immer: Das unveränderliche digitales Ich
Der scheinbar harmlose Aufruf „Erstelle eine Karikatur von mir und meinem Job“ hat in den letzten Tagen Tausende Nutzer dazu gebracht, Selfies hochzuladen. „Das ist alles andere als unbedenklich“, warnt Shashank Karincheti, Mitgründer der Datenschutzplattform Redacto.ai. Mit jedem Upload trainieren Nutzer KI-Modelle mit persönlichen Informationen – darunter unveränderliche biometrische Daten wie Gesichtsgeometrie und Hauttextur.
Im Gegensatz zu einem Passwort könne dieses biometrische Material nie geändert werden. Viele Plattformen behalten sich in ihren Nutzungsbedingungen vor, die Bilder für zukünftiges Modell-Training zu speichern. Ein Gesicht wird so möglicherweise dauerhaft Teil riesiger Datensätze – ohne klaren Weg zum Widerruf.
Vom Spaß zum Betrug: Die eskalierenden Sicherheitslücken
Die gesammelten biometrischen Daten werden zum gefundenen Fressen für Kriminelle. Mohamed Mohsen Ramadan, Leiter der Einheit für Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit am Arab Center for Research and Studies, erklärt: „Diese Daten gelten als hochsensibel und können für ein permanentes digitales Profil genutzt werden.“
Selfies und App-Nutzung können Ihre digitale Identität gefährden – vor allem, wenn Sie Bilder in Online-Tools hochladen. Ein kostenloses Sicherheitspaket erklärt die 5 wichtigsten Schutzmaßnahmen für Android-Smartphones: sichere Kamera- und Berechtigungseinstellungen, Schutz vor Phishing-Links und einfache Checks, mit denen Sie sensible Bilder und Kontozugänge besser absichern. Gratis-Ratgeber: Die 5 Schutzmaßnahmen für Ihr Android-Smartphone herunterladen
Die Risiken sind vielfältig: Erstellung täuschend echter Deepfakes, Identitätsdiebstahl und gezielte KI-gestützte Betrugsversuche. Einmal hochgeladen, entgleitet die Kontrolle über das Bild. Betrüger könnten damit „bequeme Biometrie“ umgehen – also Systeme, die mit einfachem Gesichtsabgleich Zugang zu sensiblen Konten gewähren. Sogar Rekonstruktionen der Originalfotos aus den KI-generierten Bildern sind theoretisch möglich.
Berufliche Gefahren: Wenn der Job zum Risiko wird
Der Trend gefährdet nicht nur die Privatsphäre, sondern auch berufliche Existenzen. Karikaturen, die auf dem Job basieren, könnten unbeabsichtigt vertrauliche Firmeninformationen preisgeben. Hintergrunddetails in hochgeladenen Fotos verraten möglicherweise Bürolayouts, interne Systeme oder Kundendaten.
Solche Posts können Geheimhaltungsvereinbarungen oder IT-Richtlinien verletzen – und im Extremfall zur Kündigung führen. Für Angreifer bietet die Kombination aus visuellem Abbild und Berufsdetails perfektes Material für gezielte Phishing-Angriffe auf Kollegen. Allein die Teilnahme am Trend signalisiert: Dieser Mitarbeiter nutzt öffentliche KI-Tools möglicherweise für Arbeitsaufgaben – und hat dabei womöglich sensible Firmendaten eingegeben.
Gewohnheit der Datenpreisgabe: Ein gefährlicher Trend
Die KI-Karikatur-Welle ist nur der jüngste virale Trend, der persönliche Daten gegen Unterhaltung tauscht. Von Quizzen mit Sicherheitsfragen-Antworten bis zu Alterungs-Apps – solche Aktionen stumpfen das Risikobewusstsein für Datenteilung ab. Die einfache Bedienung und unterhaltsamen Ergebnisse sind oft gezielt darauf ausgelegt, zur schnellen Teilnahme zu verführen, während im Hintergrund Daten gesammelt werden.
Die rasante Verbreitung generativer KI-Technologien überholt dabei die Entwicklung rechtlicher Schutzrahmen. Trotz EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) bleibt die globale Landschaft ein Flickenteppich. Die Aufsichtsbehörden kämpfen damit, mit der Innovation Schritt zu halten.
Digitale Wachsamkeit: Wie sich Nutzer schützen können
Datenschutzexperten raten dringend zur Vorsicht. Empfohlene Maßnahmen umfassen das sorgfältige Lesen von Datenschutzrichtlinien, den Verzicht auf hochauflösende persönliche Bilder und die Option, sich von KI-Trainingsdaten sammeln auszutragen. Besonders kritisch: Fotos von Kindern sollten niemals hochgeladen werden – die langfristigen Folgen biometrischer Datenspeicherung sind unabsehbar.
Die Debatte um KI und Datenschutz wird sich weiter zuspitzen. Regulierungsbehörden stehen unter Druck, klarere Regeln für KI-Governance und Nutzerzustimmung zu schaffen. Bis dahin liegt die Verantwortung bei jedem Einzelnen: Ist ein Moment onlineer Belustigung den potenziellen langfristigen Preis für Privatsphäre und Sicherheit wert? Die digitale Identität, die solche Trends mitbauen, könnte für immer bestehen bleiben.
@ boerse-global.de
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