Firmen, Hohe

KI in deutschen Firmen: Hohe Nutzung, kaum Produktivitätseffekte

21.02.2026 - 16:42:11 | boerse-global.de

Eine internationale Studie zeigt, dass über 80 Prozent der Unternehmen trotz KI-Einsatz keine messbaren Vorteile wie höhere Produktivität sehen. Der Wandel erfordert neue Arbeitsprozesse und Qualifizierung.

Eine internationale Studie enthüllt ein Paradox: Zwei Drittel der Unternehmen setzen KI ein, doch über 80 Prozent sehen noch keine messbaren Vorteile. Die erhoffte Effizienz-Revolution lässt auf sich warten.

Eine am 19. Februar veröffentlichte Untersuchung des US-amerikanischen National Bureau of Economic Research (NBER) stellt gängige Annahmen infrage. Befragt wurden 6.000 Entscheider in den USA, Großbritannien, Australien und Deutschland. Die deutschen Ergebnisse sind besonders auffällig: 65 Prozent der Firmen nutzen aktiv KI-Technologien. Gleichzeitig berichten über 80 Prozent, dass dies weder die Produktivität steigerte noch die Mitarbeiterzahl beeinflusst habe. Wo bleibt also der große Wurf?

Das Produktivitäts-Paradoxon: Warum KI (noch) nicht zieht

Die Studie zeigt eine klare Lücke zwischen Anwendung und Nutzen. Die häufigsten Einsatzgebiete sind die Texterstellung mit Sprachmodellen (41 Prozent) und Datenverarbeitung durch maschinelles Lernen (30 Prozent). Doch die erhofften Effizienzsprünge bleiben aus.

Das steht im krassen Gegensatz zu den Zukunftserwartungen. Die meisten Entscheider glauben, KI werde die Produktivität in drei Jahren um durchschnittlich 1,4 Prozent steigern. Experten deuten die aktuellen Ergebnisse als Zeichen einer Experimentierphase. Die wahre Wirkung entfaltet sich nicht durch Tools allein, sondern erst durch die Anpassung ganzer Arbeitsprozesse und die Qualifizierung der Belegschaft. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) prognostiziert langfristig ein höheres Wirtschaftswachstum durch KI – doch der Weg dorthin ist komplexer als gedacht.

Arbeitsmarkt im Wandel: Neue Skills, weniger Junior-Jobs

Unabhängig von der Produktivität verändert KI den Arbeitsmarkt bereits heute grundlegend. Die wichtigste Währung wird KI-Kompetenz. Bewerber, die entsprechende Fähigkeiten im Lebenslauf nennen, haben eine 10 bis 13 Prozent höhere Chance auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Doch es gibt eine Schattenseite: die wachsende „Erfahrungslücke“. KI automatisiert zunehmend Routineaufgaben, die traditionell Berufseinsteigern vorbehalten waren. Junior-Stellen für Software-Entwickler oder Finanzanalysten werden weniger. Experten warnen: Fehlt dem Nachwuchs diese praktische Erfahrung, könnte sich der Fachkräftemangel langfristig verschärfen. Das IAB rechnet in den nächsten 15 Jahren mit dem Wegfall von rund 800.000 Jobs – aber auch mit der Entstehung einer ähnlichen Anzahl neuer Stellen.

HR im Umbruch: Vom Verwalter zum Strategen

Die Personalabteilungen stehen im Zentrum des Wandels. Sie müssen ihn nicht nur im Unternehmen moderieren, sondern erleben selbst eine fundamentale Transformation. Administrative Aufgaben wie die erste Bewerbungssichtung oder die Terminplanung werden automatisiert.

Anzeige

Die Personalabteilung wandelt sich – und oft müssen deswegen auch Arbeitsverträge und Rollenbeschreibungen überarbeitet werden. Ein kostenloses E‑Book erklärt aktuelle Pflichten (inkl. neuem Nachweisgesetz), liefert 19 fertige Musterformulierungen und zeigt, wie Sie teure Fehler vermeiden. Ideal für Personaler, Führungskräfte und Gründer, die jetzt neue Karrierepfade und Trainee-Modelle rechtssicher gestalten wollen. Jetzt kostenloses E-Book ‚Arbeitsvertrag‘ herunterladen

Dadurch entsteht für HR die Chance, sich von der verwaltenden zur strategisch gestaltenden Funktion zu entwickeln. Freiwerdende Kapazitäten können für wertschöpfende Aufgaben genutzt werden: strategische Personalentwicklung, Kulturförderung oder die Analyse von Fluktuationstrends. Voraussetzung ist eine solide Datenbasis – fragmentierte Systemlandschaften blockieren hier jede Innovation.

Langfristiger Wandel statt kurzfristiger Gewinne

Die Studienergebnisse sind kein Beleg für ein KI-Scheitern, sondern ein Indikator für die Tiefe des anstehenden Wandels. Die ausbleibenden Produktivitätsgewinne zeigen: Die wahre Herausforderung liegt nicht in der Technologie, sondern in der Organisation.

Unternehmen müssen Arbeitsabläufe grundlegend überdenken und massiv in Weiterbildung investieren. Die Personalabteilung wird dabei zum Schlüsselakteur. Sie muss Qualifizierungsoffensiven starten, neue Karrierepfade entwickeln und ethische Leitplanken für den Algorithmus-Einsatz setzen. Die Automatisierung von Einstiegspositionen erfordert neue Ausbildungs- und Traineekonzepte.

In den kommenden Jahren wird sich der Fokus von der Tool-Einführung hin zur intelligenten Integration in menschliche Prozesse verschieben. Unersetzbare menschliche Fähigkeiten wie kritisches Denken, Kreativität und Empathie gewinnen massiv an Bedeutung. Aus der einstigen Verwaltungsabteilung wird so der strategische Partner, der die wichtigste Ressource sichert: den kompetenten Menschen in einer KI-geprägten Arbeitswelt.

Anzeige

Die Kurse spielen verrückt – oder folgen sie nur Mustern, die du noch nicht kennst?

Emotionale Kurzschlussreaktionen auf unruhige Märkte kosten dich bares Geld. Vertraue bei deiner Geldanlage stattdessen auf kühle Analysen und harte Fakten. Seit 2005 navigiert 'trading-notes' Anleger mit präzisen Handlungsempfehlungen sicher durch jede Marktphase. Hol dir dreimal pro Woche unaufgeregte Experten-Strategien in dein Postfach.
100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Jetzt abonnieren.