KI-Chatbots, Datenschutz-Beschwerden

KI-Chatbots treiben Datenschutz-Beschwerden auf Rekordhoch

19.01.2026 - 18:16:12

Datenschutzbehörden in Berlin und Hamburg verzeichnen 2025 einen drastischen Anstieg von Beschwerden, der maßgeblich durch KI-generierte Eingaben verursacht wird. Die Tools demokratisieren Verbraucherrechte, binden aber auch Ressourcen durch fehlerhafte Angaben.

KI-Tools machen es einfacher, Datenschutzverstöße zu melden – doch sie überfordern die Behörden mit teils falschen Angaben. Berlin und Hamburg verzeichnen einen dramatischen Anstieg.

Berlin/Hamburg. Die Datenschutzbehörden in Berlin und Hamburg melden für 2025 einen beispiellosen Anstieg von Beschwerden. Ein Hauptgrund: Künstliche Intelligenz. KI-Chatbots helfen Bürgern, ihre datenschutzrechtlichen Bedenken zu formulieren und einzureichen. Diese Demokratisierung des Beschwerderechts stellt die Aufsichtsbehörden jedoch vor massive neue Herausforderungen.

Berlin: 50 Prozent mehr Eingaben durch KI-Hilfe

Die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (BlnBDI) verzeichnete von Januar bis November 2025 insgesamt 8.436 Eingaben. Das ist ein Plus von rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Darunter waren 2.644 förmliche Beschwerden und 5.772 Beratungsanfragen.

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„Die fortschreitende Digitalisierung und der Einsatz von KI-Anwendungen stehen in direktem Zusammenhang mit diesem Anstieg“, erklärt Datenschutzbeauftragte Meike Kamp. Viele Eingaben würden offenbar mit Hilfe von Chatbots erstellt. Diese Tools machten die Behörde sichtbarer und senkten die Hürde für eine Beschwerde.

Doch der Trend birgt Risiken. „Die von einer KI getroffenen Voraussagen können falsche Erwartungen wecken“, warnt Kamp. Die Behörde habe Fälle erlebt, in denen rechtliche Einschätzungen von Chatbots unvollständig, falsch oder mit erfundenen Gerichtsurteilen untermauert waren. Beschwerdeschwerpunkte lagen im Bankensektor, bei Inkassounternehmen, der erzwungenen Nutzung von Apps sowie bei Videoüberwachung.

Hamburg: Rekord seit DSGVO-Einführung – Meta im Visier

In Hamburg zeichnet sich ein ähnliches Bild. Die Zahl der förmlichen Beschwerden stieg 2025 um 62 Prozent auf 4.220. Insgesamt bearbeitete der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz (HmbBfDI), Thomas Fuchs, 6.729 Vorgänge – ein Rekord seit Einführung der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) 2018.

Besonders stark legten Beschwerden über soziale Netzwerke und Datingportale zu: Sie verdreifachten sich nahezu auf 1.052 Fälle. Im Fokus standen häufig die Meta-Plattformen Facebook und Instagram. Viele Bürger wehrten sich gegen die Verarbeitung ihrer Daten zum Training von KI-Modellen („Meta AI“) und das umstrittene „Bezahlen oder Einwilligen“-Modell. Dabei können Nutzer personalisierter Werbung nur entgehen, wenn sie ein kostenpflichtiges Abo abschließen.

KI als zweischneidiges Schwert für Verbraucherrechte

Die Entwicklung zeigt einen ambivalenten Trend. Einerseits stärken KI-Tools die Position der Verbraucher. Sie demokratisieren den Zugang zum Recht und erhöhen den Druck auf Unternehmen, datenschutzkonform zu handeln.

Andererseits binden fehlerhafte, KI-generierte Eingaben wertvolle Ressourcen der Behörden. Diese müssen nun nicht nur den Sachverhalt, sondern auch die KI-Argumentation auf Stichhaltigkeit prüfen. „Die Ergebnisse von KI-Anwendungen müssen stets kritisch hinterfragt werden“, mahnen Experten. Blindes Vertrauen sei gefährlich.

Ausblick: Mehr Regulierung und Unternehmenspflichten

Die Rekordzahlen in den Stadtstaaten sind ein Vorbote für ganz Deutschland und Europa. Mit der weiteren Verbreitung von KI werden die datenschutzrechtlichen Berührungspunkte steigen. Für Unternehmen rückt die DSGVO-Einhaltung im KI-Kontext noch stärker in den Fokus.

Neue Leitplanken setzt der EU AI Act. Seine Regelungen treten schrittweise in Kraft und verpflichten zu mehr Transparenz und Sorgfalt. Ab Februar 2025 müssen Firmen beispielsweise sicherstellen, dass ihre Mitarbeiter über ausreichende „KI-Kompetenz“ verfügen.

Die Aufsichtsbehörden intensivieren ihre Prüf- und Beratungstätigkeit bereits. Sie unterstützen Unternehmen mit Checklisten für den datenschutzkonformen KI-Einsatz. Der Beschwerde-Rekord ist ein klares Signal: Das KI-Zeitalter erfordert von allen Beteiligten eine neue Stufe der Wachsamkeit.

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