KI-Assistenten, Betriebsräte

KI-Assistenten: Betriebsräte vor Mammutaufgabe

05.02.2026 - 00:00:12

Die flächendeckende Einführung von KI-Tools wie Microsoft 365 Copilot stellt deutsche Betriebsräte vor eine ihrer größten Herausforderungen. Sie müssen klare Regeln schaffen, um Arbeitnehmerrechte zu wahren und das Potenzial der Technologie verantwortungsvoll zu nutzen.

KI dringt immer tiefer in den Büroalltag ein. Tools wie Copilot greifen in zentrale Arbeitsprozesse ein – von der E-Mail-Erstellung bis zur Besprechungszusammenfassung. Während Unternehmen auf Effizienzgewinne hoffen, müssen Betriebsräte drängende Fragen klären: Was passiert mit den Daten? Wird die Leistung überwacht? Wie verändern sich die Jobs?

Das Betriebsverfassungsgesetz als Machtinstrument

Die zentrale Waffe der Betriebsräte ist das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG). Vor allem Paragraph 87 ist entscheidend. Er regelt die Mitbestimmung bei technischen Einrichtungen, die zur Überwachung von Verhalten oder Leistung geeignet sind.

Schon die bloße Eignung von Copilot, Nutzerdaten zu verarbeiten, kann dieses Recht auslösen. Der Arbeitgeber ist daher verpflichtet, den Betriebsrat frühzeitig einzubeziehen – idealerweise schon in der Planungsphase.

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Die zentralen Aufgaben: Datenschutz und Kontrolle verhindern

Die To-Do-Liste für Betriebsräte ist lang. Ein Schwerpunkt ist der Datenschutz. Es muss geregelt werden, wie mit Anfragen und verarbeiteten Unternehmensdaten umgegangen wird. Die Eingabe sensibler Informationen ist ein Risiko und erfordert klare Nutzungsrichtlinien.

Ebenso kritisch: Die Verhinderung von Leistungskontrollen. Der Betriebsrat muss sicherstellen, dass Daten aus dem KI-System nicht zur Überwachung der Mitarbeiter missbraucht werden. Technische Sperren für entsprechende Auswertungen sind oft nötig.

Zudem hat der Betriebsrat bei der Gestaltung veränderter Arbeitsabläufe und bei Schulungsmaßnahmen mitzubestimmen. Die Qualifizierung der Belegschaft ist kein Nice-to-have, sondern eine rechtliche Pflicht.

Die Betriebsvereinbarung: Der verbindliche Regelungsrahmen

Das mächtigste Werkzeug ist eine umfassende Betriebsvereinbarung. Sie schafft Rechtssicherheit für beide Seiten. Kernelemente einer solchen Vereinbarung sind:

  • Zweckbindung: Was darf Copilot? Welche sensiblen Datenbereiche sind tabu?
  • Überwachungsverbot: Ein explizites Verbot, das System zur Leistungs- oder Verhaltenskontrolle zu nutzen.
  • Datenschutzkonzept: Klare Regeln für personenbezogene Daten, Protokollierung und Löschfristen.
  • Berechtigungen: Wer darf das Tool nutzen? Auf welche Datenquellen darf es zugreifen?
  • Schulungspflicht: Die Verpflichtung des Arbeitgebers, umfassende Schulungen anzubieten.

Spagat zwischen Innovation und Schutz

Betriebsräte bewegen sich in einem Spannungsfeld. Sie müssen die Belegschaft schützen, ohne notwendige Innovationen zu blockieren, die die Wettbewerbsfähigkeit sichern. Eine konstruktive, frühzeitige Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung ist daher der Schlüssel zum Erfolg.

Die Relevanz des Themas zeigt sich auch daran, dass Microsoft selbst gezielt Informationsangebote für Betriebsräte schafft. Die Art, wie die Governance für Copilot gestaltet wird, gilt als Blaupause für den künftigen Umgang mit KI am Arbeitsplatz.

Ausblick: Mitbestimmung wird zur Daueraufgabe

Die Verbreitung von KI wird weiter zunehmen. Für Betriebsräte wird die Auseinandersetzung mit der Technologie zur Daueraufgabe. Das Verständnis für Funktionsweise und Auswirkungen von KI-Systemen wird zur Kernkompetenz einer modernen Interessenvertretung.

Zukünftige Regulierungen wie der EU AI Act werden den rechtlichen Rahmen weiter verschärfen. Betriebsräte sind gut beraten, sich frühzeitig das nötige Know-how anzueignen. Nur so können sie die digitale Transformation aktiv im Sinne der Beschäftigten gestalten.

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