KI am Arbeitsplatz: Das Recht auf Abschalten wird zum Streitthema
17.01.2026 - 04:26:12KI-Systeme dringen immer tiefer in den Arbeitsalltag ein – und entfachen eine dringende Debatte. Gewerkschaften fordern jetzt klare Regeln für ein Recht auf Nichterreichbarkeit, um die psychische Gesundheit der Beschäftigten zu schützen. Der Grund: Intelligente Algorithmen kennen keinen Feierabend.
Der digitale Chef, der niemals schläft
Moderne KI steuert Arbeitsabläufe, verteilt Aufgaben und überwacht Leistung in Echtzeit. Diese Systeme können rund um die Uhr Anfragen und Benachrichtigungen generieren. Die Gefahr ist offensichtlich: Der Druck auf Mitarbeiter, ständig erreichbar zu sein, wächst. Experten warnen vor einer „algorithmischen Steuerung“, die zu Arbeitsverdichtung und einer Erosion der Erholungsphasen führt. Die Frage ist nicht mehr nur, ob man nach Feierabend E-Mails ignorieren darf, sondern wie KI-Prozesse grundsätzlich gestaltet werden müssen.
EU-KI-Gesetz setzt erste Leitplanken
Ab August 2026 gelten die zentralen Vorschriften des europäischen KI-Gesetzes verbindlich. Dieser weltweit erste umfassende Rechtsrahmen zielt auf vertrauenswürdige KI und den Schutz von Grundrechten.
* Hochrisiko-Systeme, zu denen viele KI-Anwendungen im Personalwesen zählen, unterliegen strengen Auflagen.
* Systeme zur Emotionserkennung am Arbeitsplatz sind grundsätzlich verboten.
* Nutzer müssen informiert werden, wenn sie mit einer KI interagieren.
Unternehmen und Entwickler stehen vor komplexen Pflichten durch die neue EU-KI-Verordnung – von Risikoklassen über Kennzeichnung bis zur umfassenden Dokumentation. Unser kostenfreier Umsetzungsleitfaden fasst die wichtigsten Anforderungen und Übergangsfristen kompakt zusammen und zeigt praxisnahe Schritte, um Bußgelder und Compliance-Risiken zu vermeiden. Enthalten sind Checklisten, Mustervorlagen und klare To‑dos für Personal- und IT-Verantwortliche. Kostenloser Download gegen Angabe Ihrer E‑Mail-Adresse. Jetzt kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen
Das explizite Recht auf Nichterreichbarkeit steht zwar nicht im Text, doch Gewerkschaften sehen im Gesetz eine wichtige Grundlage für nationale Schutzregelungen.
Ethische Richtlinien: Der Mensch im Mittelpunkt
Parallel zur Gesetzgebung gewinnen ethische Leitplanken an Bedeutung. Zentrale Grundsätze sind:
* Transparenz und Fairness bei algorithmischen Entscheidungen.
* Die menschliche Kontrolle über KI-Systeme muss gewahrt bleiben.
* Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers erstreckt sich auf die digitale Umgebung.
Unternehmen sind in der Pflicht, ihre Mitarbeiter vor einer durch KI verursachten Überlastung und permanentem Stress zu schützen.
Spannungsfeld: Mehr Produktivität, weniger Privatleben?
Die Diskussion bewegt sich in einem klassischen Dilemma. Einerseits kann KI monotone Aufgaben übernehmen und die körperliche Gesundheit entlasten. Andererseits droht die Schattenseite: die lückenlose Überwachung durch einen „digitalen Chef“. Die große Herausforderung wird sein, einen Rahmen zu schaffen, der Innovation fördert, ohne Arbeitnehmerrechte und menschliches Wohlbefinden zu opfern. Die Umsetzung des EU-Gesetzes gilt als erster großer Test für diesen Balanceakt.
Was kommt jetzt? Mitbestimmung wird entscheidend
In den kommenden Monaten wird die Debatte an Fahrt gewinnen. Nationale Gesetzgeber müssen die EU-Vorgaben in konkretes Arbeitsrecht übersetzen. Gewerkschaften pochen auf eine Stärkung der betrieblichen Mitbestimmung. Betriebsräte sollen ein klares Mitspracherecht bei der Einführung von KI erhalten, um Missbrauch zu verhindern. Die Unternehmen sind ihrerseits gefordert, proaktiv interne Richtlinien zu entwickeln und ihre Belegschaften zu schulen. Nur so lässt sich eine gesunde Arbeitskultur im KI-Zeitalter gestalten.


