Kassensysteme, Schonfrist

Kassensysteme: Heute endet die Schonfrist für Tausende Händler

31.12.2025 - 21:55:12

Zahlreiche deutsche Unternehmen müssen ab dem 1. Januar 2026 mit neuen Bußgeldern rechnen, da die Übergangsfristen für Kassensicherheitstechnik enden. Österreich ebnet derweil den Weg für den digitalen Kassenbon.

Für Tausende Einzelhändler und Dienstleister in Deutschland läuft heute eine entscheidende Frist ab. Am 31. Dezember 2025 endet die Gültigkeit der ersten Generation technischer Sicherheitseinrichtungen (TSE) und die Übergangsregelung für alte Taxameter. Gleichzeitig weist Österreich mit einem neuen Gesetzespaket den Weg für den digitalen Kassenbon ab 2026.

Hardware-TSE: Zertifikate laufen heute ab

Die dringendste Änderung betrifft deutsche Geschäfte mit hardwarebasierten TSE-Modulen. Die vor fünf Jahren eingeführten Sicherheitszertifikate für diese USB-Sticks oder SD-Karten laufen heute aus. Ein TSE mit abgelaufenem Zertifikat kann keine Transaktionen mehr rechtssicher erfassen. Das macht die angeschlossene Kasse nicht mehr konform mit der Kassensicherungsverordnung (KassenSichV).

„Wer eine Hardware-TSE nutzt, die vor fünf Jahren aktiviert wurde, muss sie sofort ersetzen“, warnt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Während Cloud-basierte TSE-Lösungen ihre Zertifikate automatisch aktualisieren, erfordern Hardware-Lösungen den physischen Austausch. Wer heute nicht handelt, riskiert ab dem 1. Januar 2026 hohe Bußgelder bei der nächsten Steuerprüfung.

Anzeige

Viele Händler unterschätzen die steuerlichen Folgen abgelaufener TSE‑Zertifikate — bei der nächsten Kassennachschau drohen Zurückweisung von Buchungsdaten und empfindliche Nachzahlungen. Ein kostenloser E‑Book‑Ratgeber erklärt praxisnah, wie Sie Umsatzsteuer‑Voranmeldungen und USt‑Erklärungen korrekt vorbereiten, welche Sofortmaßnahmen Bußgelder vermeiden und wie Sie Ihre Kassenprozesse steuerfest dokumentieren. Ideal für Einzelhändler, Steuerverantwortliche und Kassenbetreiber. Jetzt kostenlosen Umsatzsteuer-Ratgeber herunterladen

Taxigewerbe: Letzter Tag der Schonfrist

Parallel endet heute auch die Nichtbeanstandungsregelung für Taxi- und Mietwagenunternehmen mit älteren INSIKA-Systemen. Seit Mitternacht müssen alle elektronischen Aufzeichnungssysteme im Personentransport mit einer zertifizierten TSE ausgestattet sein. Diese Frist beendet eine mehrjährige Übergangsphase für die Branche. Branchenkenner vermuten, dass ein Teil des Markes ab morgen mit Compliance-Problemen kämpfen könnte, wenn Nachrüstungen nicht rechtzeitig abgeschlossen wurden.

Österreichs Reform: Digitaler Bon wird Standard

Während Deutschland mit Stichtagen kämpft, hat Österreich den Weg für das kommende Jahr geebnet. Die Regierung verabschiedete im Dezember das „Registrierkassenpaket“, das die Rolle des digitalen Kassenbons festschreibt.

Ab Oktober 2026 wird der digitale Beleg eine standardmäßige, rechtssichere Alternative. Kunden behalten aber das Recht auf einen Papierbon. Weitere Neuerungen sind die Anhebung der Umsatzgrenze für die „Kalte-Hände-Regelung“ von 30.000 auf 45.000 Euro und die dauerhafte Verankerung der „15-Warengruppen-Regelung“ zur Vereinfachung der Buchführung.

Trend zur Cloud: Vom Hardware- zum Software-Modell

Die gleichzeitigen Fristen verdeutlichen einen Branchentrend: den Wechsel von hardwareabhängiger zu cloudbasierter Compliance. Die logistische Bürde, alle fünf Jahre physische Module zu tauschen, beschleunigt die Adoption von Cloud-TSEs. Marktexperten sehen im Auslaufen der Zertifikate einen Katalysator. Unternehmen, die eine Migration verschleppt haben, müssen nun handeln – was im ersten Quartal 2026 zu einem Anstieg von SaaS-Abonnements für Kassensicherheit führen dürfte.

Diese Entwicklung passt zum europäischen Trend der „Fiscalization 2.0“, bei der Echtzeit-Meldungen und digitale Belege statische Hardware-Sicherheit ersetzen. Die strenge Durchsetzung ab Januar signalisiert zudem: Die Phase der Nachsicht bei technischen Umsetzungsproblemen ist vorbei. Die Finanzverwaltung tritt von der Bildungs- in die Durchsetzungsphase ein.

Ausblick 2026: Fokus auf praktische Umsetzung

Im ersten Quartal 2026 wird der Fokus auf der praktischen Durchsetzung der neuen Standards liegen. In Deutschland werden Steuerprüfer bei Kassennachschauen die Gültigkeitsdaten der TSE-Zertifikate überprüfen. Händler mit abgelaufenen Zertifikaten riskieren die Zurückweisung ihrer Buchungsdaten und geschätzte Steuerfestsetzungen.

In Österreich werden die Vorbereitungen für die Einführung des digitalen Bon im Oktober eine Welle von Software-Updates für Kassenterminals auslösen. Die Verschmelzung von Kassendaten mit der bereits 2025 gestarteten, verpflichtenden B2B-E-Rechnung zeichnet sich ab. Sie könnte einen vollständig digitalisierten Prüfpfad von der Kasse bis zum Finanzamt schaffen.

Anzeige

PS: Die Umstellung auf digitale Rechnungs- und Belegprozesse steht unmittelbar bevor — insbesondere die E‑Rechnungspflicht betrifft bald viele B2B‑Prozesse. Ein kostenloser Leitfaden erklärt Schritt für Schritt, wie Sie E‑Rechnungen rechtssicher einführen, welche Formate und Übermittlungswege funktionieren und wie Sie revisionssichere Archivierung und Kassenterminal‑Updates technisch umsetzen. E‑Rechnung‑Leitfaden jetzt downloaden

@ boerse-global.de