Kaspersky, Osten

Kaspersky sucht im Osten neue Partner – Westen bleibt skeptisch

03.04.2026 - 19:21:56 | boerse-global.de

Der russische Cybersicherheitsanbieter Kaspersky kooperiert nun mit der Digital Cooperation Organization, während die USA, Deutschland und Australien ihre Sicherheitsbedenken und Nutzungsverbote aufrechterhalten.

Kaspersky sucht im Osten neue Partner – Westen bleibt skeptisch - Foto: über boerse-global.de

Der russische Cybersicherheitsriese Kaspersky versucht mit einem neuen Bündnis, internationales Vertrauen zurückzugewinnen. Als Beobachter in der Digital Cooperation Organization (DCO) will das Unternehmen nun mit 16 Mitgliedsstaaten kooperieren. Doch in den USA, Deutschland und Australien bleiben die Sicherheitsbedenken und Verbote unverändert bestehen.

Strategischer Schwenk in den Osten

Kaspersky hat diese Woche offiziell Beobachterstatus in der Digital Cooperation Organization (DCO) erhalten. Diese zwischenstaatliche Organisation, gegründet 2020, fördert digitale Wirtschaft und Inklusion, vor allem in Schwellenländern. Für das Moskauer Unternehmen ist dies ein taktischer Schachzug.

Anzeige

Warum Cyberkriminelle gerade kleine und mittelständische Unternehmen ins Visier nehmen und welche neuen Bedrohungen auf Sie zukommen, erfahren Sie in diesem kostenlosen E-Book. Schützen Sie Ihre Firma proaktiv vor Angriffen und erfüllen Sie gleichzeitig neue gesetzliche Anforderungen ohne großes Budget. Gratis-E-Book: IT-Sicherheit für Unternehmen stärken

„Wir wollen unsere Expertise in Bedrohungsanalyse teilen und digitale Widerstandsfähigkeit stärken“, erklärte ein Unternehmenssprecher. Branchenbeobachter deuten den Schritt klar: Nach dem Rauswurf aus westlichen Regierungsnetzwerken sucht Kaspersky gezielt neue Partner in Regionen ohne solche Restriktionen.

Die Mitgliedschaft ist Teil der sogenannten „Global Transparency Initiative“. Mit ihr will Kaspersky die Integrität seines Quellcodes und seiner Datenverarbeitung beweisen. Die Botschaft ist eindeutig: Wo der Westen misstraut, bietet man dem „Globalen Süden“ Kooperation an.

Das unüberwindbare Erbe von 2024

Doch die diplomatischen Bemühungen stoßen im Westen auf taube Ohren. Der Grund: Das radikale Verbot der US-Regierung vom Juni 2024 wirkt unvermindert nach. Das US-Handelsministerium untersagte damals den Verkauf und die Nutzung von Kaspersky-Produkten. Seit dem 29. September 2024 ist das Verbot für Bundesbehörden und Privatunternehmen vollständig in Kraft.

Die Begründung war stets dieselbe: Die engen Verbindungen des Unternehmens zur russischen Regierung stellten ein unannehmbares Sicherheitsrisiko dar. Antivirensoftware habe privilegierten Systemzugriff – ein Einfallstor für Spionage oder Datendiebstahl durch staatliche Akteure.

Die Folgen sind drastisch. Seit dem Verbot ist die globale Nutzung von Kaspersky-Produkten um fast zwei Drittel eingebrochen. Zwar laufen in den USA noch vereinzelt alte Systeme, doch sie erhalten keine kritischen Sicherheitsupdates mehr. Das US-Vorbild wirkte wie ein Katalysator und führte zu einem fragmentierten globalen Cybersicherheitsmarkt.

Deutschland und Australien halten die Linie

In Europa bleibt die Lage angespannt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hält an seiner Warnung vor Kaspersky-Produkten fest, die bereits seit Anfang 2022 besteht. Der Konflikt eskalierte im Februar 2026: Kasperskys deutsche Tochtergesellschaft forderte das BSI schriftlich auf, die Warnung umgehend zurückzuziehen.

Das Unternehmen argumentiert, der vom BSI genannte „abstrakte Risikohinweis“ habe sich in vier Jahren in keiner dokumentierten technischen Schwachstelle materialisiert. Berichten zufolge prüft Kaspersky nun eine Schadensersatz klage in Millionenhöhe gegen die deutsche Behörde.

Anzeige

Angesichts steigender Cyberrisiken und komplexer Angriffsmethoden wie CEO-Fraud ist eine fundierte Prävention für Organisationen unerlässlich. Das kostenlose Anti-Phishing-Paket bietet eine detaillierte Risikoanalyse und zeigt in 4 Schritten, wie Sie Ihr Unternehmen wirksam gegen Hacker-Angriffe absichern. Kostenloses Anti-Phishing-Paket für Unternehmen anfordern

Parallel lief in Australien eine Frist ab. Seit dem 1. April 2025 müssen alle staatlichen Stellen Kaspersky-Software aus ihren Systemen entfernt haben. Eine Überprüfung 2024 hatte ähnliche Risiken ausländischer Einmischung identifiziert. Australische Behörden bestätigten Anfang 2026, dass die Umstellung weitgehend abgeschlossen sei. Man suche jedoch weiterhin nach „White-Label“-Software, die versteckt Kaspersky-Technologie nutzen könnte.

Zwischen technischer Exzellenz und geopolitischen Risiken

Trotz der politischen Gegenwinde gilt Kaspersky technisch weiter als führend. Erst am 2. April 2026 wurde das Unternehmen in der SPARK Matrix for Network Detection and Response (NDR) als Leader ausgezeichnet. Sein „Anti Targeted Attack“-Plattform (KATA) bleibt effektiv.

Ebenfalls am 1. April meldeten Kaspersky-Forscher die Entdeckung der „CrystalX RAT“. Dieses hochentwickelte Schadprogramm tarnt seine Datendiebstahl-Funktionen als harmlose „Streich“-Software.

Diese Zwiespalt prägt das Jahr 2026 für das Unternehmen. Für Entscheider in Behörden und Unternehmen ist die reine Wirksamkeit eines Tools nicht mehr ausschlaggebend. Regulatorische Compliance und geopolitische Herkunft der Entwickler wiegen mindestens genauso schwer.

Mit der verschärften Umsetzung der NIS-2-Richtlinie in der EU seit Ende 2025 werden die Anforderungen an die Sicherheit der Lieferkette immer strenger. Die Branche erwartet einen weiteren Schub hin zu „souveränen“ Cybersicherheitslösungen.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob Kaspersky vor deutschen Gerichten seinen Namen reinwaschen kann. Gleichzeitig ist die Rolle in der DCO ein Testfall: Kann sich ein vom Westen ausgeschlossenes Unternehmen erfolgreich als Partner des „Globalen Süden“ neu erfinden? Für westliche Regierungscomputer bleibt das Verbot vorerst in Stein gemeißelt. Hier zählt geopolitischer Vertrauensvorschuss genauso viel wie technische Leistung.

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis   Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
boerse | 69066261 |