Kaiser Permanente: Kliniker streiten mit Konzern um KI in der Therapie
07.02.2026 - 17:04:12
Künstliche Intelligenz soll administrative Aufgaben übernehmen – doch die Therapeuten fürchten um ihre Jobs und die Qualität der Behandlung. In einem der ersten großen Arbeitskämpfe um KI im Gesundheitswesen stehen sich bei Kaiser Permanente, einem der größten US-Krankenversorger, die Geschäftsführung und die Gewerkschaft NUHW unversöhnlich gegenüber. Die Psychologen und Therapeuten wehren sich mit Protesten und sogar Hungerstreiks gegen die zunehmende Integration von KI in die psychologische Versorgung.
Gewerkschaft warnt vor „schleichender Automatisierung“
Die National Union of Healthcare Workers (NUHW) schlägt Alarm. Sie vertritt Tausende psychologische Fachkräfte bei Kaiser Permanente und sieht in den KI-Plänen des Konzerns einen „schleichenden“ Prozess hin zur Automatisierung der Therapie. Fast die Hälfte der Beschäftigten in Nordkalifornien habe bereits Unbehagen geäußert. Die Kernforderung der Gewerkschaft ist eindeutig: Sie will vertraglich festschreiben lassen, dass KI nur als unterstützendes Werkzeug dient und niemals menschliche Therapeuten ersetzt.
Diese Forderung ist zum zentralen Streitpunkt in den seit Langem festgefahrenen Tarifverhandlungen für Nordkalifornien geworden. Während Kollegen in Südkalifornien bereits einen Vertrag haben, fehlt den nördlichen Beschäftigten genau diese Schutzklausel. Die Gewerkschaft fürchtet, dass ohne explizite Grenzen zunächst administrative Aufgaben und später womöglich auch klinische Tätigkeiten an KI übertragen werden. Das würde nicht nur Jobs gefährden, sondern auch das Wesen der therapeutischen Beziehung verändern.
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Konzern verspricht Entlastung, nicht Ersatz
Kaiser Permanente kontert mit dem Versprechen von mehr Effizienz und Entlastung. Das Ziel der KI-Einführung sei es, die Ärzte und Therapeuten von zeitraubender Bürokratie zu befreien. Durch die Automatisierung von Aufgaben wie dem Verfassen von Arztbriefen oder der Zusammenfassung von Sitzungen solle mehr Zeit für die direkte Patientenversorgung bleiben. Der Konzern betont, die menschliche Einschätzung und die therapeutische Beziehung stünden nicht zur Disposition.
Im Fokus der Diskussion steht die KI-Software Abridge, in die der eigene Venture-Capital-Arm von Kaiser investiert hat. Das Tool protokolliert Gespräche und erstellt automatisch Notizen. Der Konzern versichert, dass die KI-Protokolle stets von Fachpersonal überprüft und nur mit Einwilligung der Patienten genutzt werden. In den Verhandlungen hat die Geschäftsführung angeboten, bei durch KI verursachten Arbeitsplatzveränderungen erneut mit der Gewerkschaft zu verhandeln. Den geforderten generellen Ausschluss von Jobersatz durch KI lehnt sie jedoch ab.
Präzedenzfall für die gesamte Gesundheitsbranche
Der Konflikt bei Kaiser Permanente ist ein Präzedenzfall, der bundesweit aufmerksam verfolgt wird. Er spiegelt die grundsätzliche Debatte wider, wie sich technologischer Fortschritt und Arbeitnehmerschutz in sensiblen Bereichen vereinbaren lassen. In Kalifornien werden bereits Gesetze erwogen, die menschliche Aufsicht bei KI-Entscheidungen und Vorankündigungen bei KI-bedingten Entlassungen vorschreiben sollen.
Die Frage ist grundsätzlich: Können hochkomplexe, von Nuancen und Empathie geprägte menschliche Interaktionen wie eine Therapiesitzung durch Technologie ergänzt werden, ohne ihr Wesen zu verlieren? Das Ergebnis der Verhandlungen wird richtungsweisend sein für den Umgang mit KI in Kliniken und die Mitbestimmungsrechte von Gewerkschaften bei ihrer Einführung.
Hintergrund: Alte Konflikte, neue Technologie
Der Streit ist mehr als eine normale Tarifauseinandersetzung. Er ist ein Grundsatzkonflikt über die Zukunft der Arbeit im Gesundheitswesen. Auf der einen Seite steht der Druck eines großen Versorgers, ein angespanntes System durch Innovation effizienter zu machen. Auf der anderen Seite kämpfen die Beschäftigten, die bereits in der Vergangenheit für bessere Personalausstattung und kürzere Wartezeiten streiken mussten, um ihre Profession.
Experten weisen darauf hin, dass KI in der Psychiatrie besondere ethische Fallstricke birgt – von Datenschutz bis zur Wahrung der therapeutischen Allianz. Da es auf Bundesebene kaum Regulierung für KI im Gesundheitswesen gibt, müssen Arbeitgeber und Gewerkschaften diese schwierigen Fragen zunächst selbst aushandeln. Der Ausgang bei Kaiser Permanente wird zeigen, ob der Weg in eine digitalisierte Medizin auch sozial verträglich gestaltet werden kann.
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