Jungheinrich-Chef, Rückkehr

Jungheinrich-Chef fordert Rückkehr zur 40-Stunden-Woche

14.03.2026 - 00:00:26 | boerse-global.de

Der Vorstandsvorsitzende von Jungheinrich, Lars Brzoska, verlangt eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu sichern.

Jungheinrich-Chef fordert Rückkehr zur 40-Stunden-Woche - Foto: über boerse-global.de
Jungheinrich-Chef fordert Rückkehr zur 40-Stunden-Woche - Foto: über boerse-global.de

Lars Brzoska, Vorstandsvorsitzender des Gabelstapler-Herstellers Jungheinrich, fordert eine flächendeckende Rückkehr zur 40-Stunden-Woche in der Industrie – ohne Lohnausgleich. In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ warnt der Manager vor der schwindenden Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Seine Forderung markiert einen scharfen Kurswechsel in der Arbeitszeitdebatte.

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Schock-Diagnose für den Standort Deutschland

Brzoska begründet seinen Vorstoß mit der harten Realität des globalen Wettbewerbs. Sein Unternehmen steht in direkter Konkurrenz zu asiatischen Anbietern. „Eine Arbeitsstunde in Deutschland kostet mittlerweile sechsmal so viel wie in Indien“, so seine Analyse. Besonders gravierend sei der Unterschied in der Arbeitsintensität im Vergleich zu China, wo junge Absolventen in der Tech-Branche zeitweise bis zu 140 Stunden pro Woche arbeiteten.

Der Manager sieht industrielle Arbeitsplätze in akuter Gefahr. Diskussionen über zusätzliche Urlaubstage oder die Vier-Tage-Woche bezeichnete er als reine Symbolpolitik. Sie würden die tiefgreifenden strukturellen Probleme nicht lösen.

Politischer Rückenwind für längere Arbeitszeiten

Die Forderung aus der Wirtschaft trifft auf politische Unterstützung. Bereits im Februar hatte CSU-Chef Markus Söder eine zusätzliche Arbeitsstunde pro Woche ins Gespräch gebracht. Das signalisiert einen Paradigmenwechsel. Während Gewerkschaften wie die IG Metall an der 35-Stunden-Woche festhalten oder sogar weitere Verkürzungen fordern, formiert sich ein starker Gegenpol.

Doch ist mehr Arbeit automatisch besser? Arbeitsökonomen verweisen auf das Prinzip der abnehmenden Grenzerträge: Jede zusätzliche Stunde bringt irgendwann weniger Wertschöpfung, weil Konzentration und Fehleranfälligkeit leiden. Befürworter halten dagegen: Die aktuellen Tarifzeiten seien im internationalen Vergleich schlicht zu niedrig, um den Wohlstand zu sichern.

Das Problem heißt Ineffizienz

Nicht nur die Dauer, auch die Qualität der Arbeit steht auf dem Prüfstand. Immer mehr Stimmen fordern: Es muss vor allem effizienter gearbeitet werden. Eine aktuelle Erhebung der Jobplattform Stepstone liefert alarmierende Zahlen: Vollzeitbeschäftigte verbringen durchschnittlich 8,7 Stunden pro Woche mit unproduktiven Tätigkeiten.

Ein Fünftel der Arbeitszeit geht für ineffiziente Prozesse, redundante Aufgaben oder überflüssige Meetings drauf. Fast 60 Prozent der Befragten klagen, dass zu komplexe Abläufe ihre Leistung beeinträchtigen. Arbeitswissenschaftler sehen hier großes Potenzial: Der Abbau von Bürokratie und der Einsatz moderner Technologien könnten die Wertschöpfung pro Stunde deutlich erhöhen – ohne die Belastung zu steigern.

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Wendepunkt in der Arbeitszeit-Debatte

Die aktuelle Diskussion markiert einen klaren Bruch. Noch vor kurzem dominierten Pilotprojekte zur Vier-Tage-Woche die Schlagzeilen. Studien der Universität Münster hatten 2024 nahegelegt, dass eine reduzierte Arbeitszeit bei vollem Lohn zu zufriedeneren und gesünderen Mitarbeitern führen könnte.

Das Institut der deutschen Wirtschaft äußerte damals Bedenken an der Aussagekraft solcher Studien. Jetzt scheint die harte Realität des globalen Wettbewerbs die theoretischen Debatten einzuholen. Vor allem produzierende Unternehmen im internationalen Wettbewerb sehen keinen Spielraum mehr für weitere Verkürzungen. Der Konflikt zwischen Work-Life-Balance und ökonomischem Druck tritt offen zutage.

Kommt der große Showdown?

In den kommenden Monaten dürften die tarifpolitischen Auseinandersetzungen eskalieren. Die Forderung nach 40 Stunden ohne Lohnausgleich wird auf massiven Widerstand der Gewerkschaften stoßen. Experten erwarten eine zunehmende Polarisierung.

Unternehmen werden standortsichernde Maßnahmen wohl stärker an Flexibilisierungen der Arbeitszeit knüpfen. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Politik, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Ob die 40-Stunden-Woche flächendeckend zurückkehrt, ist ungewiss. Wahrscheinlicher ist eine stärkere Flexibilisierung, bei der Arbeitszeiten je nach Branche und Wettbewerbsdruck individueller gestaltet werden müssen. Die nächsten Tarifrunden werden zur Nagelprobe.

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