Japans, Smartphone-Gesetz

Japans Smartphone-Gesetz: Neue Regeln, alte Machtkämpfe

26.12.2025 - 00:00:12

Japans neues Smartphone-Gesetz zwingt Apple und Google, ihre geschlossenen Systeme zu öffnen. Doch die Tech-Giganten reagieren mit Gebührenmodellen, die Entwickler als „Blockade“ kritisieren.

Tokio – Ein neues Wettbewerbszeitalter für Smartphones sollte es werden. Seit dem 18. Dezember 2025 ist Japans „Gesetz zur Förderung des Wettbewerbs für spezifizierte Smartphone-Software“ in Kraft. Es verpflichtet die Plattformbetreiber Apple und Google, ihre mobilen Ökosysteme für alternative App-Stores und Zahlungssysteme zu öffnen. Doch nach der ersten Woche zeigt sich: Der Kampf um die Deutungshoheit ist voll entbrannt. Während die japanische Wettbewerbsbehörde (JFTC) von einem Durchbruch für mehr Wahlfreiheit spricht, boykottieren erste Großunternehmen wie Epic Games die neuen Regeln als „Farce“.

Das Gesetz stuft Apple und Google als „Designierte Anbieter“ ein und unterwirft sie strengen Pflichten. Die JFTC kann bei Verstößen Bußgelder von bis zu 20 Prozent des inländischen Umsatzes verhängen. Konkret müssen die Konzerne nun in Japan ermöglichen:
* Alternative App-Marktplätze: Nutzer können Apps auch außerhalb des Apple App Store oder Google Play Store installieren.
* Dritte Zahlungssysteme: Entwickler dürfen eigene Abrechnungssysteme für In-App-Käufe nutzen.
* Browser-Auswahl: Bei der Einrichtung eines Geräts muss eine klare Auswahl an Standard-Browsern und Suchmaschinen angeboten werden.

„Die Gesetzgebung soll ein wettbewerbliches Umfeld schaffen, in dem Innovation gedeiht und Verbraucher echte Wahlmöglichkeiten haben“, erklärte ein JFTC-Sprecher zum Start.

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Apples „Kern-Technologie-Gebühr“ erntet Sturm der Entrüstung

Apple kam der Aufforderung formal nach und veröffentlichte ein iOS-Update für japanische Nutzer. Doch das neue Gebührenmodell des Konzerns sorgt für massive Kritik. Für digitale Güter, die über alternative Kanäle verkauft werden, verlangt Apple eine „Core Technology Fee“ und Provisionen zwischen 10 und 21 Prozent. Besonders umstritten: In-App-Käufe über Drittsysteme werden mit 21 Prozent belegt.

Tim Sweeney, CEO von Epic Games, zog sofort die Notbremse. Er kündigte an, das populäre Spiel Fortnite nicht unter diesen Bedingungen auf iOS in Japan zurückzubringen. „Apple sollte iOS für konkurrierende Stores öffnen, aber statt dies ehrlich zu tun, haben sie eine weitere Farce der Behinderung lanciert“, schrieb Sweeney auf X. Er brandmarkte die Gebühren als „Junk Fees“, die den Betrieb eines konkurrierenden Stores unwirtschaftlich machten. Auch die von Apple eingeführten Sicherheitswarnungen („Scare Screens“) beim Download aus Drittquellen seien irreführend.

Googles bescheidener Schritt und die Android-Realität

Google, das auf Android historisch flexibler war, hat seine Richtlinien ebenfalls angepasst. Seit letzter Woche dürfen alle Apps – nicht nur Nicht-Spiele – in Japan eigene Abrechnungssysteme anbieten. Im Rahmen des „User Choice Billing“-Programms kassiert Google jedoch weiterhin eine Servicegebühr, die lediglich um 4 Prozentpunkte reduziert ist. Für viele Entwickler lohnt der Wechsel bei dieser marginalen Ersparnis kaum, da die Kosten für den Betrieb eines eigenen Zahlungssystems den Vorteil auffressen.

Sicherheitsargument vs. Wettbewerbsziel

Die zentrale Verteidigungslinie der Tech-Giganten bleibt die Sicherheit. Beide Unternehmen warnen davor, dass die Öffnung ihrer „walled gardens“ japanische Nutzer Malware und Datenschutzverletzungen aussetze. Das Gesetz erlaubt den Plattformbetreibern zwar „angemessene“ Sicherheitsmaßnahmen. Kritiker wie Sweeney sehen in den drastischen Nutzerwarnungen jedoch vor allem ein Mittel, um Kunden in den hauseigenen Store zurückzutreiben.

Der nächste Zug liegt bei der Aufsicht

Die erste Woche ist vorbei, doch der eigentliche Machtkampf beginnt erst. Die JFTC hat bereits angedeutet, sie werde „kreative Compliance“ – also eine formale Befolgung des Gesetzes, die seinen Nutzen praktisch zunichtemacht – genau prüfen. Mit Epic Games als prominentem Boykotteur und zögerlichen Entwicklern steht die Behörde nun unter Druck zu untersuchen, ob die neuen Gebührenstrukturen eine „unangemessene Diskriminierung“ darstellen.

„Das Inkrafttreten des Gesetzes war nur die Startlinie“, sagt Digitalmarkt-Analyst Kenjiro Tanaka. „Die wahre Schlacht wird darum geführt, ob die JFTC eine 21-Prozent-Provision für externe Transaktionen als faire Auslegung von ‚Marktöffnung‘ ansieht.“
Rechtlich haben japanische Verbraucher nun mehr Wahl. Praktisch aber bleibt der vielfältige App-Markt in weiter Ferne – solange der wirtschaftliche Graben zwischen Entwicklern und Plattformbetreibern nicht überwunden ist.

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