ITM Power Aktie: 46,5 Millionen Pfund CMA-Zuschuss erwartet
06.06.2026 - 19:36:26 | boerse-global.de
ITM Power erlebt eine Woche mit zwei Gesichtern. Operativ meldet der britische Elektrolyseur-Hersteller neue Partnerschaften, Projektfortschritte und eine klarere Produktionsstory. An der Börse dominiert trotzdem der Verkaufsdruck.
Die Aktie schloss am Freitag bei 1,68 Euro und verlor an einem Tag 14,45%; über sieben Handelstage summiert sich das Minus auf 26,75%. Trotz der Korrektur steht seit Jahresanfang noch ein Plus von 131,01% zu Buche.
Protium bringt Schottland ins Spiel
Der erste wichtige Punkt ist die neue strategische Partnerschaft mit Protium Green Solutions. Beide Unternehmen wollen industrielle Anlagen für grünen Wasserstoff in Großbritannien entwickeln, finanzieren und betreiben. Der Startpunkt ist das Cromarty-Projekt in Schottland.
Dort sind 15 Megawatt Elektrolysekapazität geplant. Die Anlage soll rund 7 Tonnen grünen Wasserstoff pro Tag liefern und etwa 30 lokale Arbeitsplätze schaffen. Für ITM Power ist das Projekt ein realer Testfall jenseits der reinen Wasserstoff-Fantasie.
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Protium übernimmt dabei Strombeschaffung, Genehmigungen, nachgelagerte Infrastruktur und die Verteilung des Wasserstoffs. Die finale Investitionsentscheidung ist derzeit für Dezember 2026 angepeilt.
Der Rahmen reicht allerdings weiter. Protium bringt unter anderem das South-Tees-Net-Zero-Projekt, HAR2-Vorhaben, HAR3-Projekte und nicht subventionierte Entwicklungen in Großbritannien ein. ITM könnte über Hydropulse, die eigene Build-own-operate-Tochter, stärker in Betriebsmodelle hineinwachsen.
Chronos bleibt der größere Hebel
Noch wichtiger ist das Chronos-Programm in Sheffield. Hier wartet ITM Power auf die Freigabe eines staatlichen Zuschusses über 46,5 Millionen Pfund durch die Wettbewerbsbehörde CMA. Das Geld ist Teil eines größeren Unterstützungspakets von 86,5 Millionen Pfund.
Chronos ist für ITM mehr als eine neue Produktgeneration. Das Programm soll die automatisierte Fertigung von PEM-Stacks industrialisieren und damit den Schritt aus der Pilotlogik in die Skalierung ermöglichen.
Die neuen Chronos-Einheiten liefern 2,5 Megawatt pro Stück, etwa dreimal so viel wie die Vorgängergeneration. Der Kapitalaufwand soll um 40% sinken, der Platzbedarf um 50%.
In Sheffield baut ITM eine eigene automatisierte Linie mit einer Zielkapazität von einem Gigawatt pro Jahr auf. Great British Energy hat bereits 40 Millionen Pfund Eigenkapital eingebracht und dafür knapp 72 Millionen Aktien erworben.
Damit ist Great British Energy zum zweitgrößten Aktionär aufgestiegen. ITM selbst hat insgesamt 120 Millionen Pfund für den Standort Sheffield zugesagt und peilt die Nennkapazität bis 2028 an.
Verteidigung als dritter Strang
Neben Industrie und staatlich geförderten Wasserstoffprojekten kommt ein weiterer Wachstumspfad hinzu: die Zusammenarbeit mit Rheinmetall. Im Kern steht das Giga-PtX-Projekt, das ein europäisches Netzwerk dezentraler Anlagen zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe für NATO-Streitkräfte vorsieht.
Geplant sind mehrere Hundert dezentrale Produktionsanlagen in Europa. Jede Anlage soll bis zu 50 Megawatt Elektrolysekapazität haben und jährlich etwa 5.000 bis 7.000 Tonnen E-Fuel produzieren können.
Für ITM eröffnet das eine zusätzliche Nachfragequelle außerhalb klassischer Industrieprojekte. Der Verteidigungsbezug kann helfen, politische Unterstützung und langfristige Beschaffungslogik zu verbinden. Noch ist daraus aber kein kurzfristiger Umsatzsprung ableitbar.
Zahlen verbessern sich, Verluste bleiben
Finanziell zeigt ITM Fortschritte. Der Umsatz im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 erreichte 18 Millionen Pfund, die Jahresprognose liegt nun bei 40 bis 43 Millionen Pfund und damit 35% über Vorjahr.
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Der Auftragsbestand beträgt 152 Millionen Pfund. Davon gelten 71% als profitabel, was für die Qualität des Orderbuchs wichtiger ist als reine Größe.
Der EBITDA-Verlust sank im ersten Halbjahr auf 11,9 Millionen Pfund, nach 16,8 Millionen Pfund zuvor. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen weiter einen Verlust zwischen 27 und 29 Millionen Pfund.
Nach dem Einstieg von Great British Energy erhöhte ITM die Prognose für die Nettoliquidität auf 210 bis 215 Millionen Pfund. Zuvor lag die Spanne bei 170 bis 175 Millionen Pfund.
Auch Analysten reagieren konstruktiver. Jefferies hob das Kursziel zuletzt auf 200 Pence an, Morgan Stanley stufte die Aktie auf „Overweight“ hoch.
Morgan Stanley rechnet mit dem EBITDA-Breakeven im Geschäftsjahr 2028, sofern ITM rund 200 Megawatt neue Aufträge verbucht. Bemerkenswert daran: Es ist die erste positive Einstufung für ein britisches Wasserstoffunternehmen seit 2021.
Im Juni stehen nun drei konkrete Punkte an: das CMA-Votum zum Chronos-Zuschuss, die HAR2-Zuteilung und die finale Investitionsentscheidung von Uniper. Spätestens vor den Jahreszahlen am 15. September 2026 dürfte klarer sein, ob ITM Power die strategische Dynamik schneller in Aufträge, Auslastung und Margen übersetzen kann.
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