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ITM Power Aktie: 185 Prozent Plus seit Jahresanfang

03.06.2026 - 21:12:54 | boerse-global.de

ITM Power verzeichnet starkes Handelsinteresse, während Analysten uneins sind. Entscheidungen zu Chronos-Fabrik und HAR2-Auktion stehen im Juni an.

ITM Power Aktie: 185 Prozent Plus seit Jahresanfang - Bild: über boerse-global.de
ITM Power Aktie: 185 Prozent Plus seit Jahresanfang - Bild: über boerse-global.de

ITM Power geht mit Rückenwind in einen entscheidenden Juni. Privatanleger greifen wieder zu, ein Großprojekt sammelt internationale Preise, und im Hintergrund stehen mehrere Investitionsentscheidungen an. Genau diese Mischung macht die Aktie spannend. Operativ muss das Unternehmen nun liefern.

Kaufwelle ohne neue Firmenmeldung

Am Montag kamen auf der Plattform Interactive Investor 68 Prozent aller ITM-Orders von der Käuferseite. Damit gehörte der Elektrolyseur-Hersteller am Vormittag zu den zehn meistgehandelten Werten. In der Liste standen auch easyJet, Aviva, Glencore und Rolls-Royce Holdings.

Eine neue Unternehmensmeldung gab es dafür nicht. Die Daten erfassen nur den Handel auf dieser Plattform vom Börsenstart bis zum späten Vormittag. Trotzdem zeigen sie, wie stark das Interesse im Wasserstoffsektor wieder angezogen hat.

Am Mittwoch notiert die Aktie bei 2,07 Euro und verliert 2,82 Prozent. Seit Jahresanfang steht dennoch ein Plus von 185,04 Prozent.

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In London hat ITM Power in den vergangenen Monaten 164 Prozent gewonnen. Ballard Power kam auf 163 Prozent, Plug Power auf 105 Prozent. NEL ASA legte um 70 Prozent zu.

Das ist eine Rally, aber keine ruhige. Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei 101,89 Prozent. Kein Wunder, dass schon kleinere Nachrichten starke Reaktionen auslösen können.

REFHYNE-2 bringt Glaubwürdigkeit

Abseits der Börse bekam ITM Power Rückenwind für ein wichtiges Industrieprojekt. Beim World Hydrogen Summit 2026 in Rotterdam gewann REFHYNE-2 zwei internationale Auszeichnungen. Das Projekt erhielt den Clean Hydrogen Project Award und den Industrial Application Award.

REFHYNE-2 umfasst einen 100-MW-PEM-Elektrolyseur für Shell im Energy and Chemicals Park Rheinland. Der Standort liegt in Deutschland und soll die Kraftstoffproduktion in Wesseling teilweise dekarbonisieren.

Ab 2027 soll die Anlage täglich bis zu 44.000 Kilogramm grünen Wasserstoff produzieren. Für ITM zählt dabei nicht nur der Preis. Der Markt prüft sehr genau, ob das Unternehmen große Anlagen verlässlich bauen kann.

Auch politisch versucht die Branche, bessere Bedingungen zu schaffen. Am 27. Mai veröffentlichte die Koalition „Electrolysers for Europe“ ein Positionspapier. Mitglieder sind ITM Power, John Cockerill, Nel Hydrogen, Sunfire, thyssenkrupp nucera und Topsoe.

Die Gruppe reagiert auf den Industrial Accelerator Act der EU-Kommission vom 4. März 2026. Sie hält die geplanten „Made in EU“-Vorgaben für öffentliche Beschaffung und Förderprogramme für zu schwach. Aus Sicht der Hersteller fehlt vor allem mehr Nachfrage nach grünem Wasserstoff.

Gefordert werden stärkere Präferenzen, klarere Kriterien und Leitmärkte für sauberen Wasserstoff. Damit bekommt die ITM-Story eine zweite Ebene. Neben Fabriken und Aufträgen zählt auch die Regulierung.

Analysten bleiben weit auseinander

Die Einschätzungen der Banken liegen ungewöhnlich weit auseinander. Das zeigt, wie unsicher die Bewertung nach der Rally geworden ist.

  • Jefferies: Buy mit Kursziel 200 Pence.
  • Morgan Stanley: Overweight mit Kursziel 170 Pence.
  • Berenberg: Buy mit Kursziel 110 Pence.
  • UBS: Neutral mit Kursziel 60 Pence.

Morgan Stanley hat ITM Power auf Overweight hochgestuft. Es war das erste positive Rating für eine britische Wasserstoffaktie seit 2021. Die Bank erwartet den EBITDA-Break-even im Geschäftsjahr 2028, ein Jahr früher als bisher.

Dafür braucht ITM laut Morgan Stanley rund 200 MW an neuen Aufträgen. Genau dort liegt der Kern der Bewertung. Der Auftragsbestand wächst, aber die Umsetzung entscheidet über die Margen.

Für das Geschäftsjahr 2026 stellt ITM Power einen Umsatz von 40 bis 43 Millionen Pfund in Aussicht. Das wäre ein Plus von rund 35 Prozent.

In der ersten Hälfte erreichte der Umsatz einen Rekordwert von 18 Millionen Pfund. Die Richtung stimmt, auch wenn das Unternehmen weiter Verluste schreibt.

Der bereinigte EBITDA-Verlust sank im ersten Halbjahr auf 11,9 Millionen Pfund. Ein Jahr zuvor lag das Minus noch bei 16,8 Millionen Pfund. Für das Gesamtjahr peilt ITM einen Verlust von 27 bis 29 Millionen Pfund an.

Wichtiger ist die Qualität der Aufträge. Der Auftragsbestand liegt bei 152 Millionen Pfund. Mittlerweile gelten 71 Prozent der Verträge als profitabel, nach nur 6 Prozent im Vorjahr.

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Drei Entscheidungen im Juni

Der nächste operative Prüfstein heißt Chronos. Die neue 1-GW-Fabrik in Sheffield soll die nächste Elektrolyseur-Generation in die Produktion bringen. Dafür hat ITM bereits einen Kapitalzuschuss von 46,5 Millionen Pfund erhalten.

Das Geld kommt vom britischen Department for Energy Security and Net Zero. Es fließt über die Geschäftsjahre 2026/27 und 2027/28. Die finale Investitionsentscheidung für die Chronos-Produktionslinie steht noch aus.

Jede Chronos-Einheit liefert zwei Megawatt und damit das Dreifache aktueller Systeme. ITM verspricht 40 Prozent niedrigere Kapitalkosten und halbierten Platzbedarf. Die Produktion soll 2028 starten.

Parallel wartet der Markt auf die zweite britische Wasserstoff-Auktionsrunde HAR2. Auf der Shortlist stehen 27 Projekte. Dazu gehört Unipers Humber H2ub, wo ITM sechs Poseidon-Module mit je 20 MW liefern könnte.

Diese Entscheidung hätte Signalwirkung. Ein Zuschlag würde nicht nur den Auftragsbestand stützen, sondern auch die Rolle von ITM im britischen Wasserstoffmarkt schärfen.

HAR2 zielt auf 875 MW Kapazität. Eingereicht wurden 87 Anträge mit zusammen 2,8 GW. Der Wettbewerb bleibt also hart.

Auch Unipers Projekt in Killingholme ist wichtig. Der FEED-Vertrag wurde im Juni 2025 unterzeichnet, die Baugenehmigung folgte im März 2026. Uniper strebt die finale Investitionsentscheidung noch 2026 an.

Am 15. September 2026 legt ITM Power die Jahreszahlen vor. Bis dahin dürften Chronos, HAR2 und Uniper deutlich mehr Klarheit bringen. Nach der starken Rally braucht die Aktie jetzt weniger Hoffnung und mehr belastbare Aufträge.

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