Ipsen, Aktie

Ipsen Aktie: Zweite Übernahme in einer Woche

01.07.2026 - 10:11:26 | boerse-global.de

Der französische Pharmakonzern kauft mit Potravitug eine Therapie gegen das BK-Polyomavirus bei Nierentransplantierten und baut sein Seltene-Erkrankungen-Portfolio aus.

Ipsen übernimmt Schweizer Biotech Memo Therapeutics
Ipsen - Abstrakte Darstellung des Pharmasektors mit Andeutungen von Wachstum und Marktaktivität. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ipsen kauft sich in ein bislang unbehandeltes Gebiet ein. Gerade erst hat der französische Pharmahersteller den Erwerb von Kartos Therapeutics für bis zu 1,75 Milliarden Dollar angekündigt — nun folgt der nächste Deal.

Ziel diesmal: Memo Therapeutics AG, ein Schweizer Biotechunternehmen aus Zürich. Ipsen zahlt 200 Millionen Euro als Vorabzahlung und kann bei Erreichen von Entwicklungs-, Zulassungs- und Umsatz-Meilensteinen deutlich mehr überweisen. Der Gesamtwert der Transaktion könnte 700 Millionen Euro übersteigen. Der Abschluss ist für das dritte Quartal 2026 geplant, vorbehaltlich üblicher Genehmigungsvoraussetzungen.

Was Ipsen hier kauft

Im Mittelpunkt steht Potravitug, ein monoklonaler Antikörper gegen das BK-Polyomavirus. Das Virus reaktiviert sich häufig bei Nierentransplantierten, deren Immunsystem durch Abstoßungsmedikamente geschwächt ist — rund 30 Prozent der Patienten zeigen im ersten Jahr nach Transplantation entsprechende Virämien. Bislang gibt es keine zugelassene gezielte Therapie. Kliniker müssen die Immunsuppression reduzieren, was das Abstoßungsrisiko erhöht — ein klassisches Dilemma.

Potravitug hat bereits FDA-Fast-Track-Status und EU-Orphan-Drug-Status. Die Phase-II-Studie SAFE KIDNEY II lieferte ermutigende Ergebnisse: Bei 40,3 Prozent der behandelten Patienten sank die Viruslast um mehr als zwei Log-Stufen, gegenüber 24,7 Prozent in der Placebogruppe. Biopsiebewiesene Nephropathie-Fälle gingen in der Verumgruppe von 51,2 auf 31,6 Prozent zurück. Das reicht Ipsen, um noch in diesem Jahr die pivotale Phase-II/III-Studie, SAFE KIDNEY III, zu starten.

Strategie mit Tempo

Zwei Übernahmen in einer Woche — das zeigt, dass Ipsen sein Portfolio in der Seltenen-Erkrankungen-Sparte zügig ausbauen will. Potravitug würde eine Nische bedienen, in der es schlicht keine Konkurrenzprodukte gibt.

Memo Therapeutics wird nach Abschluss der Transaktion nicht vollständig in Ipsen aufgehen. Die restlichen Assets — darunter die DROPZYLLA-Antikörper-Plattform und eine Kooperation mit CSL — werden in ein neues Unternehmen namens Memorises Bio ausgegliedert und verbleiben bei den bisherigen Memo-Aktionären. Ipsen konzentriert sich ausschließlich auf Potravitug.

Die finanziellen Auswirkungen beider Zukäufe sind nach Unternehmensangaben bereits in die aktuelle Jahresprognose eingerechnet. Für Anleger ist das ein relevantes Signal: Ipsen sieht die Bilanzbelastung als handhabbar — und setzt dennoch weiter auf externes Wachstum.

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