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Intertek-Analyse: US-Solarmodule werden teurer – Was das für deutsche Anleger bedeutet

17.03.2026 - 02:28:32 | ad-hoc-news.de

Intertek CEA prognostiziert steigende Preise für US-Solarmodule bis 2027. Neue Zölle und Kapazitätsengpässe treffen auch europäische Hersteller. Worauf Investoren jetzt achten sollten.

Intertek Group plc, GB0031638363 - Foto: THN
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Die US-Solarindustrie steht vor einem Strukturwandel. Der technische Beratungsdienstleister Intertek CEA hat in seinen Q4-2025-Marktberichten eine besorgniserregende Prognose veröffentlicht: Die Preise für Solarmodule in den USA werden mindestens bis 2027 erhöht bleiben. Ausgelöst wird diese Entwicklung durch neue Zölle der US-Handelsbehörde und eine Umstrukturierung der globalen Lieferketten – mit direkten Auswirkungen auf deutsche und europäische Solarunternehmen und Investoren.

Der Report zeigt eine paradoxe Situation: Während die USA ihre heimische Modulkapazität massiv ausbauen, entstehen gleichzeitig Engpässe bei Solarzellen. Das treibt die Kosten nach oben und könnte europäische Hersteller unter Druck setzen, die bislang auf US-Exporte setzen.

Neue Zölle machen Importe unrentabel

Das Kernproblem ist klar: Die Section-232-Zölle auf Polysilizium, Ingots, Wafer und Zellen werden nach Intertek-Berechnung Importe faktisch aus dem US-Markt verdrängen. Im Basis-Szenario kalkuliert Intertek mit einem Zoll von 20 Cent pro Watt auf fertige Module – ohne Ausnahmen. Das macht importierte Module für die meisten amerikanischen Käufer unrentabel.

Was bedeutet das konkret? Ein typisches TOPCon-Modul mit einer Leistung von 400 Watt würde allein durch Zölle um 80 Dollar teurer. Hinzu kommen bereits gestiegene Rohstoffkosten. Das Ergebnis: US-Solarinstallateur müssen zwischen deutlich höheren Modulpreisen oder Abhängigkeit von inländischer Produktion wählen – beides verteuert Solarprojekte.

Besonders betroffen sind asiatische und europäische Hersteller, die mit chinesischen Rohstoffen arbeiten. Nach Intertek-Analyse werden diese Hersteller ihre Gewinnmargen auf diesem Weg völlig aufzehren oder den US-Markt räumen müssen.

US-Modulkapazität wächst, Zellenfertigung hinkt hinterher

Intertek meldet allerdings auch positive Signale aus den USA: Die inländischen Modulhersteller haben ihre Kapazität bis Ende 2025 auf 45 Gigawatt jährlich hochgefahren – genug, um die 43 Gigawatt Kapazität zu versorgen, die 2025 in den USA installiert wurden. Für 2026 plant die Branche auf 60 Gigawatt, mit weiteren 16 bis 20 Gigawatt bis Anfang 2027.

Das klingt wie eine Erfolgsgeschichte des «Made in USA». Doch es gibt einen kritischen Schwachpunkt: Die Solarzellenfertigung in den USA ist nicht im gleichen Tempo gewachsen. Viele geplante Zellenfabriken sind verzögert oder starten erst spät 2026 in den Serienbetrieb. Das bedeutet, dass US-Modulhersteller mittelfristig noch auf Importe von Zellen angewiesen sind – und damit auch auf Zölle zahlen müssen.

Diese asymmetrische Entwicklung treibt die Modulpreise noch weiter nach oben, denn Zellimporte verteuern die Herstellung im Inland.

DACH-Anleger sollten den europäischen Kontext im Auge behalten

Für deutsche, österreichische und Schweizer Investoren stellt sich die Frage: Warum ist eine US-Solarmarktprognose relevant? Die Antwort liegt in der globalen Verflechtung. Mehrere DAX- und MDAX-Unternehmen exportieren Solarkomponenten, Wafer oder spezielle Fertigungstechnologie in die USA. Wenn US-Module teurer werden, sinkt die Nachfrage nach neuen Anlagen – und das bremst auch europäische Zulieferer.

Hinzu kommt: Die US-Zollpolitik unter Section 232 und Section 45X (Advanced Manufacturing Production Credit) schafft Marktverzerrungen, die auch auf Europa abfärben. Länder wie Deutschland, die ihre Solarindustrie wieder aufbauen wollen, konkurrieren jetzt mit massiven US-Subventionen und Schutzzöllen. Das erhöht den Druck auf europäische Regierungen, gegenzusteuern – sei es durch eigene Fördermittel oder durch handelspolitische Maßnahmen.

Auch der Energiemarkt in Europa könnte leiden: Wenn US-Solarprojekte wegen Zölle verlangsamt werden, könnte das globale Nachfrage nach Rohstoffen und speziellen Komponenten dämpfen, was Lieferketten und Preise für europäische Solaranlagen beeinflussen kann.

TOPCon-Module bleiben konkurrenzfähig – vorerst

Ein Hoffnungszeichen: TOPCon-Module von US-Herstellern, die den Advanced Manufacturing Production Credit (Section 45X) in Anspruch nehmen, sind im ersten Quartal 2026 noch preiskonkurrenzfähig zu Importen. Diese Technologie ermöglicht höhere Wirkungsgrade und niedrigere Produktionskosten.

Allerdings warnt Intertek: Diese Preisvorteile werden schwinden, sobald importierte Module durch Zölle vollständig aus dem Markt verdrängt werden. Dann können US-Hersteller ihre Preise anheben, weil es keine Konkurrenz mehr gibt.

Das ist ein klassisches Monopol-Szenario, das am Ende auch den US-Verbraucher schadet – und mittelbar europäische Exportchancen einschränkt.

Wichtige Termine: Commerce Department informiert im Frühling

Ein wichtiger Termin für Investoren: Im Laufe dieses Frühlings wird das US-Handelsministerium die genauen Details der Section-232-Zölle verkünden. Das ist das Signal, auf das der Markt wartet. Danach werden sich Solaraktien in den USA und weltweit neu positionieren.

Für europäische Anleger bedeutet das konkret: Beobachten Sie in den nächsten 8-12 Wochen, wie US-Solarunternehmen und europäische Zulieferer auf die neuen Zollsätze reagieren. Steigende Gewinnwarnungen europäischer Hersteller könnten folgen.

Chancen für deutsche Spezialistenhersteller

Es gibt auch Gewinner dieser Entwicklung. Deutsche und österreichische Unternehmen, die spezialisierte Fertigungsausrüstung, Dünnschicht-Technologie oder Hocheffizienz-Komponenten herstellen, könnten von der Neuausrichtung der US-Produktion profitieren. Wenn US-Hersteller ihre Kapazität schnell erweitern, brauchen sie modernste Maschinen und Technologie – und da sind europäische Hersteller führend.

Ähnliches gilt für Schweizer Spezialchemie und österreichische Maschinenbauer: Sie könnten von der US-Reindustrialisierung im Solarsektor profitieren, solange die geopolitischen Rahmenbedingungen stabil bleiben.

Fazit: Höhere Preise, neue Gewinner, neue Verlierer

Intertek CEA malt ein klares Bild: Die US-Solarindustrie wird bis 2027 mit höheren Modulpreisen leben müssen. Die Zölle sind der Haupttreiber, die fehlende Zellkapazität wirkt verstärkend. Für deutsche, österreichische und Schweizer Investoren ist das kein reines US-Problem – es beeinflusst globale Lieferketten, Rohstoffpreise und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Hersteller.

Wer in europäische Solarunternehmen investiert, sollte in den nächsten Monaten genau beobachten, wie diese auf die US-Marktverwerfungen reagieren. Gewinne werden bei Spezialisten realisiert, während breite Massenprodukteure unter Druck geraten könnten.

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