Intel 18A-Produktion läuft an – Aktie stürzt trotzdem ab
23.01.2026 - 12:13:12Intel schickt erste kommerzielle Chips vom neuen Spitzenprozess aus der Fabrik. Doch die Finanzprognose enttäuscht die Märkte.
Der US‑Chipriese Intel hat einen entscheidenden Meilenstein auf dem Weg zurück an die Technologie‑Spitze erreicht. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, hat die Auslieferung der ersten kommerziellen Produkte auf Basis des neuen 18A‑Fertigungsprozesses begonnen. Die Ausbeute (“Yield”) bei der Chipherstellung steige dabei monatlich um 7 bis 8 Prozent – ein klares Signal für die Funktionsfähigkeit der als “Zukunftswette” geltenden Technologie. Trotz dieses technischen Erfolgs reagierte die Börse mit einem Kursrutsch von rund 13 Prozent auf eine enttäuschende Quartalsprognose.
18A: Die Schlüsseltechnologie kommt in Fahrt
Die Details zur 18A‑Produktion waren der zentrale Punkt im Quartalsbericht. Nach Monaten der Spekulationen lieferte Intel konkrete Zahlen: Die Ausbeute verbessert sich kontinuierlich um bis zu 8 Prozent pro Monat. Diese Lernkurve entspricht branchenüblichen Mustern beim Hochfahren der Volumenproduktion.
“Dieser stetige Fortschritt ermöglicht es uns, unsere Auslieferungspläne einzuhalten”, sagte CEO Lip‑Bu Tan. Die ersten verkaufsfähigen Chips, die auf 18A gefertigt werden, sind bereits an Kunden gegangen. Dabei handelt es sich um Prozessoren der Intel Core Ultra Series 3, die zuvor unter dem Codenamen “Panther Lake” entwickelt wurden.
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Diese Chips sind die ersten, die Intels neue Transistor‑Architektur RibbonFET und die PowerVia‑Stromversorgung von der Chip‑Rückseite nutzen. Beide Innovationen versprechen eine deutlich bessere Energieeffizienz und höhere Packungsdichte.
Doch das Unternehmen räumt auch ein: Die absolute Ausbeute liegt noch nicht auf dem Niveau führender Wettbewerber. “Die monatlichen Zuwächse sind ermutigend und vorhersehbar, aber die absoluten Zahlen bleiben hinter unseren internen Profitabilitätszielen zurück”, so CFO David Zinsner. Eine deutliche Verbesserung wird für das erste Halbjahr 2026 erwartet, wenn die Fabriken in Arizona und Oregon die Volumenproduktion hochfahren.
Finanzieller Gegenwind trotz technischem Fortschritt
Während die Technik überzeugt, sorgt die finanzielle Aussicht für Ernüchterung. Für das vierte Quartal 2025 meldete Intel einen Umsatz von 13,7 Milliarden US‑Dollar und übertraf damit die Erwartungen. Der Gewinn pro Aktie lag bei 0,15 Dollar – fast doppelt so hoch wie von Analysten prognostiziert.
Der Ausblick für das erste Quartal 2026 fiel jedoch schwächer aus als erhofft. Intel erwartet einen Umsatz zwischen 11,7 und 12,7 Milliarden Dollar. Als Grund nannte das Management akute Lieferengpässe, insbesondere bei Verpackungskapazitäten (“Packaging”). Zudem drücken die hohen Anlaufkosten für die 18A‑Produktion vorübergehend die Gewinnmargen.
Die Intel Foundry‑Sparte, der eigene Auftragsfertigungsbereich, verbuchte im Quartal einen operativen Verlust von 2,5 Milliarden Dollar. Die Verluste haben sich leicht ausgeweitet, was das Management auf die hohen Investitionen für die Inbetriebnahme der 18A‑Produktionslinien zurückführt.
Strategischer Fokus unter neuer Führung
Der Quartalsbericht trägt deutlich die Handschrift von CEO Lip‑Bu Tan. Seit seinem Amtsantritt hat er die Exekution in den Vordergrund gestellt, den Produktplan gestrafft und den Fokus auf die Gewinnung externer Foundry‑Kunden verstärkt.
Tan bestätigte, dass die Entwicklung des Nachfolgeknotens 14A planmäßig verläuft. Kundenverhandlungen laufen bereits; feste Lieferantenentscheidungen werden für die zweite Hälfte 2026 bis Anfang 2027 erwartet. Dies deutet darauf hin, dass Intel zunächst die 18A‑Produktion stabilisieren will, bevor große Summen in die nächste Lithographie‑Generation fließen.
Eine wachsende Rolle spielt das ASIC‑Geschäft (Application‑Specific Integrated Circuits), dessen Umsatz 2025 um mehr als 50 Prozent gewachsen ist. Damit will Intel sich über traditionelle x86‑CPUs hinaus diversifizieren und vom Boom bei KI‑Beschleunigern profitieren. Als Beispiel nannte Tan die Zusammenarbeit mit NVIDIA an maßgeschneiderten Xeon‑Prozessoren mit NVLink‑Technologie.
Marktchance trotz kurzfristiger Schwierigkeiten
Branchenbeobachter sehen die Entwicklung mit vorsichtigem Optimismus. Analysten von KeyBanc Capital Markets und Bernstein betonen, dass die Validierung der 18A‑Ausbeute ein wichtiger langfristiger Katalysator sei. Die monatlichen Verbesserungen belegten die strukturelle Integrität des Fertigungsprozesses und reduzierten das Risiko von Verzögerungen, wie sie bei früheren Knoten wie 10nm und 7nm aufgetreten waren.
Die Marktlage könnte sich zu Intels Gunsten entwickeln. Da der Branchenprimus TSMC selbst mit Kapazitätsengpässen – besonders bei fortschrittlicher Verpackung für KI‑Chips – kämpft, könnte Intel Nachfrage auffangen. Sein “Systems Foundry”‑Ansatz, der Wafer‑Fertigung mit Verpackungsdienstleistungen kombiniert, macht ihn zur Alternative für fabless Chipdesigner, die ihre Lieferkette diversifizieren wollen.
Ein stabilisierender Faktor bleibt die Unterstützung der US‑Regierung. Nach der Finalisierung der CHIPS Act‑Förderung hält die Regierung eine passive Beteiligung von etwa 10 Prozent an Intel. Diese Partnerschaft zeigt sich auch in der beschleunigten Installation von High‑NA‑EUV‑Lithographiegeräten in Intels Entwicklungszentrum in Oregon – ein Schritt, der die amerikanische Führungsposition in künftigen Prozesstechnologien sichern soll.
Für 2026 bleibt der Fokus auf der Lernkurve der 18A‑Ausbeute. Kann Intel die monatlichen Steigerungen von 8 Prozent beibehalten, rechnet das Unternehmen damit, bis Ende 2026 Kostengleichheit mit den Wettbewerbern zu erreichen. Das wäre die Grundlage für eine Rückeroberung von Marktanteilen und Profitabilität.
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