Insolvenzen, Deutschland

Insolvenzen erreichen in Deutschland höchsten Stand seit über zehn Jahren

14.03.2026 - 00:00:26 | boerse-global.de

Die deutsche Wirtschaft verzeichnet 2025 den höchsten Insolvenzanstieg seit über zehn Jahren mit 24.064 Firmenpleiten und geschätzten Gläubigerverlusten von 57 Milliarden Euro.

Insolvenzen erreichen in Deutschland höchsten Stand seit über zehn Jahren - Foto: über boerse-global.de
Insolvenzen erreichen in Deutschland höchsten Stand seit über zehn Jahren - Foto: über boerse-global.de

Die deutsche Wirtschaft steckt in einer tiefen Krise. Offizielle Daten des Statistischen Bundesamtes belegen für 2025 einen dramatischen Anstieg der Unternehmenspleiten auf den höchsten Wert seit über einem Jahrzehnt. Mit 24.064 Insolvenzen und geschätzten Gläubigerverlusten von 57 Milliarden Euro zeichnet sich ein düsteres Bild für Europas größte Volkswirtschaft.

Rekordzahl an Firmenpleiten bestätigt

Die am Freitag veröffentlichten Zahlen sind ein Schock: 24.064 Unternehmen mussten 2025 Insolvenz anmelden. Das ist ein Plus von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Stand seit 2014. Der Negativtrend setzt sich damit ungebremst fort, nachdem die Zahlen bereits 2023 und 2024 um mehr als 20 Prozent gestiegen waren. Besonders alarmierend: Allein im Dezember 2025 schnellten die Insolvenzanträge im Vergleich zum Vorjahresmonat um fast 14 Prozent in die Höhe.

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Experten sehen darin keine vorübergehende Erscheinung, sondern das Ende einer künstlich verlängerten Phase. Die während der Pandemie durch staatliche Hilfen stark gedrückten Insolvenzzahlen normalisieren sich nun – und überschießen dabei deutlich. Anders als während der Finanzkrise 2009, als über 32.000 Firmen pleitegingen, liegen die Ursachen heute in hausgemachten, strukturellen Problemen.

Milliardenschäden und massive Jobverluste

Die wirtschaftlichen Folgen sind verheerend. Die geschätzten Gläubigerverlusten von rund 57 Milliarden Euro liegen fast auf dem hohen Niveau des Vorjahres (59,1 Mrd. Euro). Pro Insolvenzfall summiert sich die durchschnittliche Forderung auf über zwei Millionen Euro. Diese Summen bedrohen die Stabilität von Zulieferern, Banken und sogar kommunalen Haushalten.

Die menschlichen Kosten sind enorm: Schätzungen zufolge waren etwa 285.000 Arbeitnehmer direkt von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen. Jeder verlorene Job schwächt die regionale Kaufkraft und setzt einen Teufelskreis in Gang, der auch noch solvente Unternehmen unter Druck bringt.

Privatinsolvenzen ziehen kräftig an

Die Finanznot erfasst zunehmend auch private Haushalte. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen stieg 2025 um 6,5 Prozent auf 76.300 Fälle – so viele wie seit 2016 nicht mehr. Über 5,6 Millionen Bürger gelten deutschlandweit als überschuldet.

Die Gründe sind vielfältig: anhaltende Inflation, hohe Lebenshaltungskosten und die Entlassungswelle aus den Unternehmen treiben die Menschen in die Privatinsolvenz. Beide Entwicklungen verstärken sich gegenseitig. Firmenpleiten kosten Jobs, was zu privater Überschuldung führt. Geringere Konsumausgaben schaden dann wiederum dem Einzelhandel und weiteren Unternehmen.

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Mittelstand und Schlüsselbranchen unter Druck

Eine Branchenanalyse zeigt, wer besonders leidet. Die höchste Insolvenzquote verzeichnet der Transport- und Logistiksektor mit 133 Pleiten je 10.000 Unternehmen. Es folgen Gastgewerbe (108) und Bauwirtschaft (104). Gerade die Baukrise ist symptomatisch: Hohe Materialkosten, gestoppte Wohnprojekte und teure Kredite bringen viele Betriebe in existenzielle Liquiditätsengpässe.

Das Herzstück der deutschen Wirtschaft, der Mittelstand, ist extrem verwundbar. Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern stellen über 80 Prozent aller Insolvenzfälle. Ihnen fehlen die finanziellen Reserven, um lange Durststrecken zu überstehen. Sie sind besonders betroffen von der toxischen Mischung aus hohen Energiepreisen, steigenden Zinsen, gestiegenen Lohnkosten und wachsender Bürokratie. Im Gegensatz zu großen Konzernen können sie nicht einfach ins Ausland abwandern oder auf internationale Kapitalmärkte ausweichen.

Düstere Prognose für 2026

Experten sehen für das laufende Jahr keine schnelle Besserung. Eine Trendwende bei den Insolvenzzahlen in 2026 halten Analysten von Creditreform und Wirtschaftsinstituten für unwahrscheinlich. Die strukturellen Wettbewerbsnachteile Deutschlands – hohe Kosten und eine schleppende Digitalisierung – lassen sich nicht kurzfristig beheben.

Insolvenzverwalter betonen zwar, dass es sich teilweise um eine überfällige Marktbereinigung handelt. Doch die Aussichten bleiben trübe. Geplante staatliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung könnten zwar Impulse setzen, brauchen aber Zeit, bis sie wirken. Zusätzliche Risiken gehen von globalen geopolitischen Spannungen und Handelskonflikten für die exportabhängige deutsche Wirtschaft aus. Die Insolvenzzahlen dürften daher 2026 auf hohem Niveau verharren. Der Druck auf Politik und Wirtschaft, endlich umfassende Strukturreformen anzugehen, wächst von Tag zu Tag.

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