ING, NL0011821202

ING Groep N.V.-Aktie (NL0011821202): Bewertung und Fundamentaldaten im Fokus

15.06.2026 - 08:38:54 | ad-hoc-news.de

Die Aktie von ING Groep N.V. hat sich auf Jahressicht deutlich erholt. Ein Blick auf Kursentwicklung, Bewertung und Ertragsbasis zeigt, wie der Finanzkonzern aktuell dasteht und wo die wichtigsten Stellschrauben im Geschäftsmodell liegen.

ING, NL0011821202
ING, NL0011821202

Verantwortlich: ad hoc news Fachredaktion Märkte & Bewertung. Vor der Veröffentlichung am 15.06.2026, 08:37:07 Uhr geprüft. Details im Impressum.

Die Aktie von ING Groep N.V. zählt zu den europäischen Finanzwerten, die in den vergangenen zwölf Monaten deutlich an Wert gewonnen haben. Auf Sicht eines Jahres liegt die Performance bei etwas über 40 Prozent, ausgehend von rund 18 Euro auf etwa 23,6 Euro, womit der Titel klar im Plus notiert. Im Zentrum der aktuellen Betrachtung steht damit weniger eine einzelne Tagesmeldung als vielmehr die Frage, wie sich Bewertung und Fundamentaldaten des niederländischen Finanzkonzerns derzeit darstellen.

Fundamentale Ausgangslage: Erholung nach Zinswende

ING profitiert wie viele große europäische Banken von der Zinswende der Europäischen Zentralbank, da steigende Leitzinsen die Zinsmargen im klassischen Kredit- und Einlagengeschäft stützen. In der Folge verbessert sich in der Regel der Zinsüberschuss, also der Unterschied zwischen den Zinserträgen aus Krediten und Wertpapieren und den Zinsaufwendungen für Kundeneinlagen und Refinanzierung. Dieser Effekt war in den vergangenen Quartalen für zahlreiche Institute sichtbar und bildet auch bei ING einen zentralen Ertragstreiber.

Gleichzeitig bleibt das operative Umfeld für Banken anspruchsvoll: Aufsichtsrechtliche Kapitalanforderungen, Digitalisierung und intensiver Wettbewerb um Privat- und Firmenkunden drücken auf die Kostenbasis. ING hat in den vergangenen Jahren umfangreiche Programme zur Effizienzsteigerung und Vereinfachung der IT- und Filialstrukturen umgesetzt, um den Kostenertragssatz stabil zu halten. Solche Maßnahmen sollen sicherstellen, dass zusätzliche Zinserträge nicht vollständig von steigenden Aufwendungen aufgezehrt werden.

Aus Investorensicht ist zudem relevant, dass Banken im aktuellen Umfeld verstärkt auf stabile Provisions- und Gebühreneinnahmen setzen. Bei ING umfasst dies unter anderem Zahlungsverkehr, Anlageprodukte, Vermögensverwaltung für Privatkunden sowie Dienstleistungen für Firmenkunden und institutionelle Investoren. Ein ausgewogener Mix aus Zins- und Provisionsüberschüssen gilt im Sektor als wichtiger Faktor für die Ertragsqualität.

Die Bilanzstruktur klassischer Universalbanken wie ING ist stark von der Kreditvergabe an Privatkunden, kleinere und mittlere Unternehmen sowie Großkunden geprägt. Hinzu kommen Engagements im Kapitalmarktgeschäft, etwa im Handel mit Anleihen, Devisen und Derivaten. Abhängig von der Risikostrategie variiert der Anteil dieser Aktivitäten, typischerweise steht bei ING jedoch das Retail- und Commercial-Banking im Vordergrund.

Auf der regulatorischen Seite sind für Banken vor allem harte Kernkapitalquoten (CET1), Leverage Ratio und Liquiditätskennziffern maßgeblich. Sie bestimmen, wie viel Puffer eine Bank gegenüber Kreditausfällen, Marktstress oder Plötzlichen Einlagenabflüssen besitzt. Für große Institute wie ING gilt: Eine solide Kapitalausstattung erleichtert Dividendenzahlungen, Aktienrückkäufe und organisches Wachstum, während knappe Kapitalpolster die Ausschüttungsfähigkeit begrenzen können.

Hinzu kommt das Thema Kreditqualität: Die Entwicklung notleidender Kredite (Non-performing Loans, NPL) und Risikovorsorgeaufwendungen spielt bei der Ergebnisbetrachtung eine Schlüsselrolle. In einem Umfeld konjunktureller Unsicherheit können steigende Ausfallraten zu höheren Rückstellungen führen, was das Ergebnis belastet. Eine stabile oder sinkende NPL-Quote gilt dagegen als positives Signal für die Qualität des Kreditbuchs und die Risikosteuerung.

Im Kerngeschäft mit Privatkunden ist ING in mehreren europäischen Märkten präsent und tritt häufig mit einem stark digitalisierten Modell auf. Der Fokus liegt auf Online-Banking, effizienter Kontoführung und einfachen Spar- und Anlageprodukten. Diese Ausrichtung kann in Phasen steigender Zinsen zusätzliche Sparerträge generieren, verlangt aber zugleich hohe Investitionen in IT und Cybersicherheit.

Zusätzlich zum Retail-Geschäft deckt ING klassische Firmenkundenprodukte ab, von Betriebsmittelkrediten über Investitionsfinanzierungen bis hin zu strukturierten Finanzierungen. In der Summe entsteht so ein breit gefächertes Geschäftsmodell, das Konjunktur- und Zinszyklen abfedern kann, zugleich aber auch die Bank sensibel für Trends in der Realwirtschaft macht. Schwächen bestimmte Sektoren oder Regionen, können Wertberichtigungen und Risikokosten anziehen.

Kursentwicklung und längerfristige Performance

Ein Blick auf die Kursdaten zeigt, dass die ING-Aktie auf mittlere Sicht eine deutliche Erholung hinter sich hat. Auf Sicht von sechs Monaten legte der Titel um rund 8,7 Prozent zu, ausgehend von etwa 21,7 Euro auf gut 23,6 Euro. Im Dreijahreszeitraum summiert sich die Steigerung vom Niveau um 12,4 Euro auf über 23 Euro und damit auf deutlich mehr als 100 Prozent. Über fünf Jahre gesehen ergibt sich ausgehend von gut 11,3 Euro sogar ein Plus von über 120 Prozent.

Für Anleger ist diese Mehrjahresentwicklung vor allem vor dem Hintergrund des Zinsumfelds interessant. In der Phase sehr niedriger oder negativer Zinsen standen europäische Bankaktien lange unter Druck. Die Kehrtwende mit steigenden Leitzinsen hat das Bild geändert und die Ertragslage vieler Institute verbessert. Die Kursentwicklung der ING-Aktie spiegelt diese Neubewertung des Sektors wider, auch wenn Bewertungsniveaus und Risikoaufschläge von Bank zu Bank unterschiedlich ausfallen.

Mit Blick auf die Schwankungsbreite ist zu berücksichtigen, dass Finanzwerte traditionell sensibel auf Makronachrichten, geldpolitische Signale und regulatorische Entscheidungen reagieren. Nachrichten zu Zinspolitik, Konjunkturdaten oder Bankenregulierung können daher kurzfristig stärkere Kursbewegungen auslösen, selbst wenn sich an der langfristigen Ertragsperspektive wenig ändert. Für ING gilt hier keine Ausnahme: Der Titel bewegt sich im Rahmen des Sektortrends und reagiert auf entsprechende Nachrichtenlagen.

Über längere Zeiträume betrachtet, spielt neben der reinen Kursentwicklung auch die Dividendenkomponente eine wichtige Rolle. Banktitel werden von vielen Marktteilnehmern insbesondere wegen ihrer Dividendenausschüttungen gehalten. Für die Gesamtperformance zählt daher nicht nur, wie sich der Kurs entwickelt, sondern auch, welche Dividendenrendite sich aus dem Verhältnis von Ausschüttung je Aktie und aktuellem Kurs ergibt. Angaben von Finanzportalen zur langfristigen Entwicklung der ING-Aktie weisen darauf hin, dass Ausschüttungen einen substantiellen Beitrag zur Gesamtrendite leisten können.

Im Branchenvergleich werden Bankaktien häufig anhand von einfachen Bewertungskennziffern wie Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) eingeordnet. Da Banken bilanziell stark durch Kredit- und Wertpapierbestände geprägt sind, dient das KBV als grober Indikator dafür, wie der Markt den bilanziellen Eigenkapitalwert einschätzt. Liegt das KBV deutlich unter 1, bewertet der Markt den Titel unterhalb des Buchwerts, was je nach Perspektive auf Bewertungsabschläge oder Risikoerwartungen hinweisen kann.

Für ING liefern Datenplattformen vor allem einen Überblick über die historische Kursentwicklung, ohne dass in jeder Quelle detaillierte KGV- oder KBV-Angaben ausgewiesen werden. Dennoch lässt sich aus der Kombination aus Kursanstieg und den bekannten Ertragsgrößen ableiten, dass die Bewertung sich von sehr niedrigen Niveaus der Niedrigzinsphase in Richtung eines moderateren, an den verbesserten Gewinnen ausgerichteten Bereichs bewegt hat. Im Vergleich zu Nicht-Finanzwerten bleiben viele Banken, auch ING, jedoch häufig auf einem niedrigeren Multiplikator-Niveau, was die branchentypische Risikowahrnehmung widerspiegelt.

Die Kursentwicklung über verschiedene Zeiträume hinweg zeigt zudem, dass kurzfristige Rücksetzer in die längerfristige Betrachtung einzuordnen sind. Während es auf Monats- oder Quartalssicht immer wieder zu Korrekturen kommen kann, haben die letzten Jahre insgesamt eine klare Aufwärtsbewegung gebracht. Die Performancekennzahlen der vergangenen drei bis fünf Jahre dokumentieren diese Tendenz.

Ein weiterer Aspekt der Kursbetrachtung ist die relative Entwicklung im Vergleich zu breiten Marktindizes und Bankenindizes. Auch wenn einzelne Datenquellen hier für ING keine tagesaktuellen Indexvergleiche ausweisen, legt die Sektorentwicklung nahe, dass große europäische Banken im Zuge des Zinsanstiegs häufig besser abgeschnitten haben als der Gesamtmarkt. Der Grad dieser Outperformance hängt jedoch stark von individueller Ertragskraft, Kapitalausstattung und Risikoprofil ab.

Bewertungsschwerpunkte und Kennziffern im Bankenvergleich

Um die fundamentale Bewertung von ING einzuordnen, lohnt ein Blick auf typische Kennziffern, die für Banktitel herangezogen werden. Neben KGV und KBV stehen dabei auch die Eigenkapitalrendite (Return on Equity, RoE), die Ausschüttungsquote, die Nettozinsmarge und die Risikokostenquote im Fokus. Je nach Ausprägung dieser Kennzahlen bewerten Investoren Banken unterschiedlich und vergleichen sie mit direkten Wettbewerbern.

Die Eigenkapitalrendite ergibt sich aus dem Verhältnis von Jahresüberschuss zum durchschnittlichen Eigenkapital und dient als Maß für die Profitabilität. Werte deutlich oberhalb der Eigenkapitalkosten gelten als positiv, niedrige oder volatile RoE-Werte führen dagegen häufig zu Abschlägen in der Bewertung. Nach der Finanzkrise und während der Niedrigzinsphase lagen RoE-Werte vieler europäischer Banken lange unter den typischen Zielgrößen. Erst mit der Zinswende konnten einige Institute, darunter ING, ihre Profitabilität wieder deutlicher steigern.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis wird bei Banken ähnlich interpretiert wie in anderen Sektoren, allerdings unter Berücksichtigung des zyklischen und regulatorischen Umfelds. Ein niedriges KGV kann auf Unterbewertung hindeuten, aber auch auf erhöhte Risiken oder schwache Wachstumsperspektiven. Ein höheres KGV signalisiert umgekehrt größere Erwartungshaltung des Marktes an künftige Gewinne. Welche Spanne als angemessen gilt, variiert je nach Zinsniveau, Konjunktur und Sektortrend.

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis spielt insbesondere bei Finanzwerten eine größere Rolle. Liegt es deutlich unter 1, kann dies auf Zweifel an der Werthaltigkeit der Aktiva oder an der Ertragskraft der Bank hindeuten. Ein KBV um oder über 1 reflektiert in der Regel eine bessere Einschätzung der Bilanzqualität und Ertragsaussichten. Für ING und vergleichbare Institute ist daher entscheidend, wie der Markt die Nachhaltigkeit der Gewinne, die Stabilität des Kreditportfolios und die Kapitalpuffer einschätzt.

Ein Vergleich mit anderen Branchenwerten zeigt, dass Sektoren wie Technologie oder Luxusgüter oftmals höhere Bewertungsmultiplikatoren aufweisen. So wird die Ferrari-Aktie nach Daten von Börsenportalen etwa mit einem deutlich über 40 liegenden KGV gehandelt, was eine hohe Wachstums- und Qualitätsprämie widerspiegelt. Banktitel wie ING werden dagegen traditionell auf niedrigeren Multiplikatoren gehandelt, da sie stärker reguliert sind und einem anderen Risiko- und Wachstumsprofil unterliegen.

Für Anleger, die Bankaktien analysieren, zählt daher weniger ein direkter Vergleich mit hoch bewerteten Wachstumsunternehmen, sondern eher eine relative Einordnung innerhalb des Finanzsektors. Hierbei werden Kennziffern von ING mit denen anderer großer europäischer Banken verglichen. Faktoren wie Kostenstruktur, Kapitalausstattung, Ertragsdiversifikation und regionale Aufstellung bestimmen, ob ein Titel im Peer-Vergleich eher als günstig, fair oder ambitioniert bewertet gilt.

Zu berücksichtigen ist zudem, dass Banken durch regulatorische Vorgaben wie Basel III und Basel IV umfangreiche Kapitalanforderungen erfüllen müssen. Ein Teil der erwirtschafteten Gewinne verbleibt daher in der Bank, um Kapitalquoten zu stärken oder neue Vorschriften zu erfüllen. Dies beeinflusst direkt die Ausschüttungsquote und damit auch die Dividendenrendite, die sich aus der Relation von Dividende je Aktie und Kurs ergibt.

Die Nachhaltigkeit der Ausschüttungen ist ein weiterer Prüfstein. Stabil oder moderat steigende Dividenden werden am Markt häufig positiv gewertet, sofern sie durch wiederkehrende Erträge getragen werden. Vor dem Hintergrund der Zinswende ist im Bankensektor zu beobachten, dass Ausschüttungen teils wieder aufgestockt wurden. Ob und in welcher Form dies bei ING in den kommenden Jahren fortgesetzt werden kann, hängt von der weiteren Ergebnisentwicklung, der Risikolage und möglichen regulatorischen Entscheidungen ab.

Neben den genannten Kennzahlen spielen qualitative Aspekte in der Bewertung eine Rolle. Dazu zählen Geschäftsmodell, Marktstellung in den Kernregionen, Effizienz der IT-Struktur, Fortschritte bei Digitalisierung und Nachhaltigkeit, sowie der Umgang mit regulatorischen und rechtlichen Risiken. Für große Institute wie ING ist insbesondere die Fähigkeit wichtig, sich in einem dynamischen Wettbewerbsumfeld zu behaupten und gleichzeitig regulatorische Anforderungen zu erfüllen.

Auch geopolitische Entwicklungen können die Wahrnehmung des Finanzsektors beeinflussen. Spannungen in einzelnen Regionen, Handelskonflikte oder veränderte Rahmenbedingungen für internationale Kapitalflüsse schlagen sich oft zuerst in der Bewertung von Banken nieder. Als international tätiger Finanzdienstleister muss sich ING daher ständig an veränderte Rahmenbedingungen anpassen und Risikopositionen entsprechend steuern.

Geschäftsmodell und Ertragsquellen im Überblick

Das Geschäftsmodell von ING beruht auf einer Kombination aus Retail-Banking, Commercial-Banking und bestimmten Aktivitäten im Investment- und Wholesale-Bereich. Im Privatkundengeschäft bietet der Konzern in seinen Kernmärkten Giro- und Sparkonten, Verbraucherkredite, Hypothekendarlehen, Wertpapierdepots und einfache Anlageprodukte an. Ein stark digital geprägtes Angebot zielt darauf ab, Kunden über Online- und Mobile-Banking-Kanäle zu gewinnen und zu binden.

Im Firmenkundengeschäft stellt ING Finanzierungen für kleine und mittlere Unternehmen sowie für Großkunden bereit. Dazu gehören klassische Betriebsmittelkredite, Investitionsdarlehen, strukturierte Projektfinanzierungen und verschiedene Formen der Handelsfinanzierung. Ergänzt wird das Angebot durch Cash-Management-Lösungen, Devisen- und Zinsabsicherungsinstrumente sowie Beratungsleistungen bei Kapitalmarkttransaktionen.

Ein weiterer Baustein sind Dienstleistungen rund um Zahlungsverkehr und Karten. Hier profitiert ING von der fortschreitenden Umstellung auf bargeldlose Zahlungen und E-Commerce, die das Transaktionsvolumen erhöht. Gebühren aus Kartenzahlungen, Kontoführung und Zahlungsabwicklung tragen zu stabilen Erträgen bei, die weniger stark vom Zinsniveau abhängen.

Im Bereich Wertpapiergeschäft und Vermögensverwaltung bietet ING Privatkunden Zugang zu Fonds, ETFs und anderen Anlageprodukten. Je nach Marktentwicklung und Kundenaktivität können Provisions- und Gebühreneinnahmen schwanken. Langfristig wird in diesem Segment häufig das Ziel verfolgt, wiederkehrende Ertragsströme aufzubauen, etwa über laufende Verwaltungsgebühren für gemanagte Produkte.

Für institutionelle Kunden und Großunternehmen begleitet ING zudem Anleiheemissionen, strukturiert Finanzierungslösungen und bietet Dienstleistungen im Kapitalmarktgeschäft an. Diese Aktivitäten unterliegen naturgemäß stärkeren Schwankungen, da sie stark vom Kapitalmarktumfeld, der Transaktionspipeline und dem Risikohunger der Marktteilnehmer abhängen. Sie können in guten Marktphasen zusätzliche Erträge liefern, in schwierigen Phasen aber auch zurückgehen.

Ein elementarer Bestandteil der Geschäftsstrategie ist der Ausbau digitaler Angebote. ING zählt in mehreren Märkten zu den Anbietern mit starkem Online-Schwerpunkt, was nicht nur Kostenvorteile durch geringere Filialnetze verspricht, sondern auch Skaleneffekte beim Kundenwachstum ermöglichen kann. Die Kehrseite sind hohe Anforderungen an IT-Infrastruktur, Datensicherheit und kontinuierliche Innovation, um mit neuen Wettbewerbern wie Fintechs Schritt zu halten.

Aus Risikoperspektive spielen das Kreditrisiko, das Marktpreisrisiko und das operationelle Risiko eine zentrale Rolle. Kreditrisiken ergeben sich aus möglichen Ausfällen von Privat- oder Firmenkunden. Marktpreisrisiken betreffen beispielsweise Zins- und Währungsschwankungen, die sich auf Handels- und Anlagepositionen auswirken. Operationelle Risiken umfassen unter anderem IT-Ausfälle, Cyberangriffe, Prozessfehler oder Compliance-Verstöße.

Eine robuste Risikosteuerung ist für große Banken unerlässlich. Dazu gehören klare Kreditvergaberichtlinien, regelmäßige Stresstests, Diversifikation über Branchen und Regionen sowie der Einsatz von Sicherheiten. In regulatorischen Offenlegungsberichten und Geschäftsberichten legen Institute wie ING dar, wie sie diese Risiken überwachen und steuern. Für Marktteilnehmer sind diese Informationen Teil der fundamentalen Analyse.

Nachhaltigkeit und ESG-Kriterien haben in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Banken werden zunehmend daran gemessen, wie sie klimabezogene Risiken im Kreditbuch berücksichtigen, nachhaltige Finanzierungen fördern und interne Prozesse an Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards ausrichten. Für ING bedeutet dies beispielsweise, die Finanzierung besonders kohlenstoffintensiver Sektoren kritisch zu prüfen und gleichzeitig Finanzprodukte für nachhaltige Projekte auszubauen.

Makro- und Zinsumfeld als zentrale Stellschraube

Die Ertragslage von Banken wie ING hängt eng mit dem allgemeinen Zins- und Konjunkturumfeld zusammen. Steigende Leitzinsen können zwar kurzfristig die Zinsmargen verbessern, zugleich aber auch Kreditnachfrage und Immobilienmärkte dämpfen. Eine starke Verlangsamung der Konjunktur oder Rezession kann zu höheren Kreditausfällen führen und damit die Risikovorsorge erhöhen.

Für die Bewertung von ING ist daher relevant, wie sich Marktteilnehmer die künftige Zinsentwicklung vorstellen. Erwartet der Markt anhaltend höhere Leitzinsen, kann dies in den Kurs eingepreist sein. Gehen Investoren dagegen von sinkenden Zinsen aus, könnten die Margeneffekte perspektivisch nachlassen. Der Übergang von einem Zinsanstiegs- zu einem Zinsrückgangsszenario wird am Kapitalmarkt regelmäßig neu bewertet, was sich in den Kursen von Finanzwerten niederschlagen kann.

Daneben spielen Inflationsentwicklungen und Arbeitsmarktdaten eine Rolle. Hohe Inflation beeinflusst das Ausgabeverhalten von Privatkunden und kann bei Unternehmen die Margen drücken. Zugleich wirkt sie auf die Realverzinsung von Sparguthaben und Krediten. Für Banken bedeutet dies, dass sie die Konditionen für Einlagen und Kredite laufend anpassen müssen, um sowohl Kundenerwartungen zu adressieren als auch ihre Margen zu sichern.

Auch die Stabilität des Finanzsystems und das Vertrauen der Einleger sind zentrale Faktoren. Regulatoren und Zentralbanken achten genau darauf, dass Banken ausreichend Kapital und Liquidität vorhalten, um Belastungsphasen zu überstehen. Für Institute wie ING gelten umfangreiche Berichtspflichten und Stresstestszenarien, deren Ergebnisse Einfluss auf Kapitalpolitik und Risikostrategie haben können.

Wer Banktitel beobachtet, hat daher nicht nur das einzelne Unternehmen, sondern auch das Gesamtumfeld im Blick: Entscheidungen der Zentralbanken, Konjunkturindikatoren, Regulierungsschritte und Branchentrends fließen in die Einschätzung ein. ING als großer europäischer Finanzakteur ist von diesen Rahmenbedingungen naturgemäß stark betroffen, profitiert aber zugleich von Skaleneffekten und einer diversifizierten Aufstellung.

Ein spezieller Aspekt des aktuellen Umfelds ist der Wettbewerb durch Nicht-Banken, etwa Fintechs und BigTech-Unternehmen, die in Teilbereichen des Finanzgeschäfts aktiv sind. Sie greifen etablierte Banken mit innovativen Zahlungs-, Kredit- oder Anlageplattformen an. ING reagiert darauf mit eigenen Digitalinitiativen, Partnerschaften und Investitionen in neue Technologien, um Prozesse zu beschleunigen und Kundenerlebnis sowie Effizienz zu verbessern.

Gleichzeitig bleibt die klassische Stärke etablierter Institute ihre Erfahrung im Risikomanagement, die Fähigkeit zur Skalierung großer Geschäftsvolumina und ihre Rolle im regulatorischen Rahmen. Trotz neuer Konkurrenz sind Banken weiterhin zentrale Akteure bei Kreditvergabe, Zahlungsabwicklung und der Bereitstellung komplexer Finanzdienstleistungen, was auch für ING gilt.

Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Bewertung von ING immer auch als Spiegel der Markterwartungen an das Zusammenwirken dieser Faktoren zu verstehen. Eine solide Kursentwicklung der Vergangenheit bildet dabei lediglich den Ausgangspunkt, nicht aber eine Garantie für künftige Entwicklungen. Datenplattformen wie finanzen.net liefern mit ihren Kursreihen und Performancedaten eine Grundlage für die Historienbetrachtung, ersetzen aber keine eigene Analyse der Unternehmens- und Marktlage.

Für den Moment lässt sich festhalten, dass ING nach den Kursgewinnen der vergangenen Jahre als etablierter europäischer Banktitel mit solider Einbindung in das Zins- und Kreditgeschäft dasteht. Bewertung und Fundamentaldaten werden am Markt eng beobachtet, insbesondere mit Blick auf Zinsentwicklung, Kreditqualität, Kapitalausstattung und Dividendenpolitik.

Kurzprofil zur ING-Aktie

  • Name: ING Groep N.V.
  • Branche: Banken, Finanzdienstleistungen
  • Hauptsitz: Amsterdam, Niederlande
  • Kernmärkte: Niederlande, übriges Westeuropa, ausgewählte weitere internationale Märkte
  • Umsatztreiber: Zinsüberschuss aus Kredit- und Einlagengeschäft, Provisions- und Gebühreneinnahmen, Firmenkundengeschäft
  • Heimatbörse / Notierung: Euronext Amsterdam, zusätzliche Notierung an deutschen Handelsplätzen (z.B. Xetra); WKN: A2ANV3
  • Handelswährung: Euro

Weitere Infos zur ING Groep N.V.-Aktie

Vertiefende Kennzahlen, Nachrichten und Unternehmensangaben zur ING Groep N.V.-Aktie finden sich in den Spezialthemen und im Investor-Relations-Bereich des Konzerns.

Mehr ING Groep N.V.-News Investor Relations

Stimmungsbild rund um die ING-Aktie

YouTube X TikTok Instagram

Dieser Artikel wurde a.i.-gestützt erstellt und redaktionell geprüft. Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Börsengeschäfte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.

de | NL0011821202 | ING | boerse | 69542218 | bgmi