Indiens, Vorstoß

Indiens Vorstoß: Ein nationaler Lizenz-Pool für KI-Training

25.01.2026 - 03:33:12

Indien will mit einem einheitlichen Lizenzmodell für KI-Trainingsdaten weltweit Maßstäbe setzen. Das Land plant eine zentrale Vergütungsstelle für Urheber.

Die indische Regierung treibt ihre Pläne für eine umfassende Regulierung der Künstlichen Intelligenz entschlossen voran. In dieser Woche veröffentlichte das Büro des obersten wissenschaftlichen Beraters der Regierung ein neues Weißbuch. Es skizziert einen „techno-legalen“ Governance-Rahmen. Parallel dazu wird ein bahnbrechender Vorschlag diskutiert: ein zentralisiertes Lizenzsystem für die Nutzung urheberrechtlich geschützter indischer Inhalte zum Training von KI-Modellen. Damit könnte Indien zum globalen Vorbild für KI-Regulierung werden.

Der Kern des neuen Weißbuchs ist die Einrichtung einer hochrangigen KI-Governance-Gruppe (AIGG). Dieses Gremium soll die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Ministerien koordinieren und fragmentierte Regulierungsprozesse bündeln. Unterstützt werden soll es von einem Technologie- und Politik-Expertengremium (TPEC) im Elektronik- und IT-Ministerium (MeitY). Ziel ist ein robustes institutionelles Geflecht, das mit der rasanten Entwicklung der KI Schritt halten kann.

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Dieser institutionelle Rahmen bildet das Fundament für eine viel weitreichendere inhaltliche Debatte.

„One Nation, One Licence“: Das Lizenz-Modell

Im Zentrum der Kontroverse steht ein Vorschlag des Ministeriums für Industrie- und Binnenhandelsförderung (DPIIT). Es empfiehlt ein „hybrides Modell“, das einem verpflichtenden Pauschal-Lizenzsystem gleichkommt.

Das Prinzip: KI-Entwickler erhalten Zugang zu urheberrechtlich geschützten Inhalten für Trainingszwecke, ohne Einzellizenzen aushandeln zu müssen. Im Gegenzug werden Urheber und Rechteinhaber über ein zentrales Vergütungssystem entschädigt. Die Besonderheit: Royalties fallen erst an, wenn ein KI-System kommerzialisiert wird. Die Höhe der Sätze soll ein staatlich ernanntes Komitee festlegen.

Verwalten soll den Prozess eine neue Non-Profit-Organisation, vorläufig Copyright Royalties Collective for AI Training (CRCAT) genannt. Sie sammelt die Gebühren von KI-Firmen und verteilt sie an registrierte Inhalte-Schaffende. Diese „Ein Land, eine Lizenz“-Lösung soll Transaktionskosten senken, KI-Startups Rechtssicherheit geben und eine faire Vergütung für eine breite Masse an Kreativen garantieren.

Industrie warnt vor „Innovationssteuer“

Die ambitionierten Pläne lösen eine hitzige Debatte aus. Die Tech-Branche reagiert mit deutlicher Skepsis. Verbände wie Nasscom, der auch Google und Microsoft vertritt, sehen in der verpflichtenden Gebührenstruktur eine „Steuer auf Innovation“. Sie fürchten, die Entwicklung von KI in Indien könnte ausgebremst werden.

Stattdessen schlagen sie Ausnahmen für das Text- und Data-Mining vor – ähnlich wie in der Europäischen Union. Dort können Rechteinhaber ihr Material über einen Opt-out-Mechanismus vom Training ausschließen, was mehr Flexibilität bietet.

Rechtsexperten mahnen weitere Probleme an. Die vorgeschlagenen Lizenzvereinbarungen könnten große Tech-Plattformen strukturell bevorzugen und kleinere indische Verlage benachteiligen. Zudem könnte das Modell mit exklusiven Rechten aus dem bestehenden indischen Urheberrechtsgesetz kollidieren. Offen sind auch Fragen zum Schutz der Persönlichkeitsrechte vor KI-Deepfakes und einer klaren Vergütung für künstlerische und nicht-fiktionale literarische Werke.

Indiens Sonderweg in der globalen Regulierung

Indien beschreitet mit seinem Ansatz einen klaren Sonderweg. Während die USA weitgehend auf die „Fair Use“-Doktrin setzen und die EU ein Opt-out-System eingeführt hat, verfolgt Neu-Delhi einen interventionistischeren Kurs. Das geplante verpflichtende Lizenzsystem ist ein assertiver Schritt, um den Wert des riesigen und diversen indischen Daten-Ökosystems zu schützen.

Eingebettet ist diese Politik in die breitere Digitalstrategie des Landes. Dazu zählt das kürzlich in Kraft getretene Digital Personal Data Protection (DPDP) Gesetz, das neue Standards für den Datenschutz setzt. Für Tech-Unternehmen, die sich gerade auf die DPDP-Anforderungen einstellen, kommt mit den KI-Governance-Vorschlägen eine weitere regulatorische Ebene hinzu.

Was kommt als Nächstes?

Die Vorschläge sind bisher nur Weiß- und Arbeitspapiere. Es steht eine Phase der Konsultation und Verfeinerung bevor. Die geplante AIGG und das TPEC-Gremium sollen den Dialog mit der Industrie kanalisieren und den finalen Rahmen mitgestalten.

Ein Schlüsselereignis wird der für Februar 2026 in Neu-Delhi geplante India AI Impact Summit sein. Dort will Indien seine regulatorischen Pläne auf der globalen Bühne diskutieren. Der Ausgang dieser Debatten wird nicht nur die Zukunft der heimischen KI-Industrie prägen. Er könnte auch ein einflussreiches Vorbild für andere Schwellen- und Entwicklungsländer werden. Marktprognosen sehen das Volumen für KI-Inhalte-Lizenzen in Indien bereits bei mehreren hundert Millionen Euro bis 2026. Der finale regulatorische Rahmen wird entscheidend sein, ob dieses Potenzial ausgeschöpft wird.

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