Indien, Always-On-Kultur

Indien zieht gegen Always-On-Kultur in den Kampf

10.01.2026 - 15:55:12

Indien debattiert ein scharfes Anti-Burnout-Gesetz, während Australien positive Effekte auf Produktivität und Überstunden nach Einführung des Rechts auf Unerreichbarkeit meldet.

Indien debattiert ein radikales Gesetz für das Recht auf Unerreichbarkeit. Während London ähnliche Pläne bereits verwarf, liefert Australien überraschende Erfolgsdaten: Die Produktivität steigt.

London/Neu-Delhi/Canberra – Die globale Debatte um die ständige Erreichbarkeit erreicht eine neue Stufe. Indien erwägt ein scharfes Anti-Burnout-Gesetz, Großbritannien strich seine Pläne dafür. Gleichzeitig zeigen erste Zahlen aus Australien: Ein gesetzliches Recht auf Unerreichbarkeit kann tatsächlich die Produktivität ankurbeln.

Hinter den politischen Manövern steht eine weltweite Gesundheitskrise am Arbeitsplatz. Immer mehr Beschäftigte klagen über Erschöpfung – angetrieben durch die Erwartung, auch nach Feierabend ständig für den Job verfügbar zu sein.

Indiens Vorstoß: Digitale Fessel soll gesprengt werden

Im indischen Parlament wird diese Woche hitzig über den “Right to Disconnect Bill 2025” debattiert. Der Entwurf sieht ein klares Verbot vor: Arbeitgeber dürfen ihre Angestellten nicht bestrafen, wenn diese außerhalb der Arbeitszeit nicht auf Nachrichten reagieren.

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Der Gesetzesvorschlag geht sogar noch weiter. Er empfiehlt die Einrichtung staatlicher “Digital Detox Zentren” und spezieller Wohlfahrtsausschüsse zur Überwachung. Der Handlungsdruck ist enorm. Aktuelle Daten zeigen, dass über die Hälfte der indischen Arbeitnehmer mehr als 49 Stunden pro Woche arbeitet. Fast 80 Prozent berichten von Burnout-Symptomen.

Großbritanniens Kehrtwende: Freiwilligkeit statt Gesetz

Ganz anders der Kurs in Großbritannien. Die Regierung von Keir Starmer begrub ihre Pläne für ein gesetzliches “Right to Switch Off” bereits im Mai 2025. Offiziell will man so Bürokratie abbauen und das Land geschäftsfreundlicher machen.

Kritiker und Gewerkschaften sprechen von einer verpassten Chance und einem “zahnlosen Tiger”. Statt eines verbindlichen Gesetzes setzt London nun auf freiwillige Verhaltenskodizes der Unternehmen. Britische Arbeitnehmer sind damit deutlich schlechter geschützt als Kollegen in Frankreich oder Irland.

Australiens Erfolgsbilanz: Mehr Produktivität durch klare Grenzen

Während andernorts noch debattiert wird, liefert Australien handfeste Ergebnisse. Seit der gesetzlichen Einführung des Rechts auf Unerreichbarkeit im Jahr 2024 sank die Menge unbezahlter Überstunden um ein Drittel.

Noch überraschender ist die Reaktion der Arbeitgeber. Eine Umfrage des Australian HR Institute ergab: 58 Prozent der Unternehmen stellten eine Steigerung von Mitarbeiterengagement und Produktivität fest. Die gefürchtete Klagewelle blieb aus. Stattdessen etablierte sich ein kultureller Wandel, der auch Führungskräfte zum Umdenken brachte.

Drei Modelle, ein Ziel: Den digitalen Stress bekämpfen

  • Das harte Gesetz (Australien, Frankreich): Klare rechtliche Verbote schaffen Sicherheit für Arbeitnehmer.
  • Der freiwillige Kodex (Großbritannien): Unternehmen sollen sich aus eigenem Antrieb ändern – doch der Schutz für Angestellte bleibt lückenhaft.
  • Der Hybrid-Ansatz (überlegt in Kalifornien): Der Fokus liegt auf vertraglich klar definierten Arbeitszeiten statt pauschalen Verboten.

Experten betonen jedoch: Ein Gesetz allein reicht nicht aus. Entscheidend ist ein echter Wandel in den Köpfen der Führungskräfte. Solange Karrierechancen mit ständiger Verfügbarkeit verknüpft werden, bleiben viele Angestellte auch ohne Druck online.

Was 2026 bringt: Indien als Wendepunkt für Asien?

Das Jahr wird zeigen, ob Indiens radikaler Vorstoß Erfolg hat. Eine Verabschiedung des Gesetzes wäre ein starkes Signal für den gesamten asiatischen Arbeitsmarkt, der traditionell von hoher Präsenz geprägt ist.

Für Unternehmen weltweit wird das Thema digitale Gesundheit zum entscheidenden Faktor im Wettbewerb um Talente. Wer keine Strategie gegen die Überlastung durch ständige Erreichbarkeit vorweisen kann, riskiert, seine besten Mitarbeiter zu verlieren. Die australischen Daten geben dabei eine klare Richtung vor: Klare Grenzen nützen allen.

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