Indien und EU schließen historisches Freihandelsabkommen
27.01.2026 - 00:34:12Nach fast 20 Jahren Verhandlungen haben Indien und die Europäische Union ein bahnbrechendes Freihandelsabkommen vereinbart. Das Abkommen soll den bilateralen Handel ankurbeln und erstmals gemeinsame Standards für Künstliche Intelligenz und digitale Wirtschaft setzen.
Die Einigung fiel am Rande der Feierlichkeiten zum indischen Republik-Tag in Neu-Delhi, zu dem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa als Ehrengäste angereist waren. Nach Angaben der indischen Regierung steht der Vertragstext nun fest und geht in die juristische Überprüfung. Die Unterzeichnung soll noch 2026 erfolgen, das Inkrafttreten ist für Anfang 2027 geplant.
Das Abkommen gilt als eines der bedeutendsten bilateralen Handelsabkommen weltweit. Es soll das Handelsvolumen steigern, das 2024/25 bereits bei rund 136 Milliarden Euro lag. Die EU ist damit einer der wichtigsten Handelspartner Indiens. Besonders die Sektoren Technologie, Pharmazie, Automobil, Textilien und Dienstleistungen profitieren von verbessertem Marktzugang und vereinfachten Regulierungen.
Digitale Allianz mit gemeinsamen KI-Standards
Ein Kernstück des Vertrags ist die verstärkte Zusammenarbeit im digitalen Bereich. Gerade hier hatten unterschiedliche Auffassungen zu Datenschutz und -sicherheit die Gespräche 2013 zum Erliegen gebracht. Die 2022 wiederaufgenommenen Verhandlungen legten nun einen Schwerpunkt auf die digitale Wirtschaft.
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Das Abkommen schafft einen Rahmen für die Harmonisierung von Standards bei Zukunftstechnologien, insbesondere bei Künstlicher Intelligenz. Diese Angleichung soll Innovation fördern und die Interoperabilität zwischen den beiden großen Digitalwirtschaften sicherstellen. Der 2022 gegründete Indien-EU-Handels- und Technologierat hatte hier bereits Grundlagenarbeit geleistet.
Marktzugang für Tech-Unternehmen und Datenfluss
Der Vertrag regelt zentrale Aspekte des digitalen Handel und der Daten-Governance. Er soll grenzüberschreitende Datenströme erleichtern und für Unternehmen ein berechenbares regulatorisches Umfeld schaffen. Für Indiens starken IT- und Dienstleistungssektor könnte dies den lang geforderten “datensicheren” Status bei der EU bedeuten. Europäische Technologieunternehmen erhalten besseren Zugang zu Indiens wachsendem Digitalmarkt.
Neben dem digitalen Handel umfasst das Abkommen separate Vereinbarungen zum Investitionsschutz und zu geschützten geografischen Angaben. Strategisch bindet es Indien und die EU enger zusammen – gerade in Zeiten globaler Unsicherheiten und sich verlagernder Lieferketten. Beide Seiten diversifizieren ihre Handelsbeziehungen und bauen widerstandsfähige Wirtschaftsbande auf Basis demokratischer Werte auf.
Nächste Schritte: Juristische Prüfung und Ratifizierung
Nach Abschluss der Verhandlungen folgt nun die “juristische Bereinigung” des Vertragstextes. Anschließend wird das Dokument übersetzt und an alle 27 EU-Mitgliedstaaten übermittelt, bevor das Europäische Parlament zustimmen muss. In Indien muss das Unionskabinett das Abkommen formal billigen.
Wirtschaftsvertreter zeigen sich optimistisch. Das Abkommen gilt als Katalysator für verstärkten Technologietransfer, steigende Exporte und den Abbau von Handelsungleichgewichten. Durch den Abbau von Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen eröffnen sich neue Chancen für Unternehmen und Verbraucher auf beiden Seiten.
Strategische Partnerschaft mit globaler Strahlkraft
Die Einigung markiert einen Wendepunkt in den Indien-EU-Beziehungen, der über reine Wirtschaftsfragen hinausreicht. Die Vereinbarung zu Technologie- und Datenstandards positioniert die Partnerschaft als potenziellen Gestalter globaler Normen im digitalen Zeitalter. Während die Welt mit KI-Ethik, Datenschutz und digitaler Souveränität ringt, könnte der von Indien und der EU geschaffene Rahmen zum Maßstab internationaler Zusammenarbeit werden.
Indiens Handelsminister Piyush Goyal sprach vom “Mutter aller Abkommen”. Der erfolgreiche Abschluss zeigt einen pragmatischen Ansatz, bei dem beide Seiten unüberwindbare Differenzen zurückstellten, um sich auf gemeinsame Vorteile zu konzentrieren. Ein neues Kapitel in den langjährigen Beziehungen beginnt.
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