IHS-Chef warnt vor voreiligen Eingriffen bei Spritpreisen
16.03.2026 - 00:00:24 | boerse-global.deÖsterreichs Autofahrer erleben einen massiven Preisschock an der Zapfsäule. Die Benzin- und Dieselpreise sind seit Jahresbeginn um mehr als zwanzig Prozent gestiegen. In der aufgeheizten Debatte mahnte IHS-Direktor Holger Bonin am Sonntag in der ORF-Pressestunde jedoch zu Besonnenheit.
Der renommierte Wirtschaftsexperte warnt vor voreiligen staatlichen Markteingriffen. Zuerst müsse eine genaue, datenbasierte Analyse der Preisbildung erfolgen. Die Politik steckt in einem Dilemma: Sie muss die Inflation bekämpfen, gleichzeitig aber die Versorgungssicherheit gewährleisten.
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Fokus liegt auf den Raffinerien, nicht den Tankstellen
Woher kommt der Preissprung genau? Bonin drängt darauf, die Ursachen präzise zu identifizieren. Sein Institut für Höhere Studien (IHS) führt derzeit eine vertiefte Prüfung im Auftrag von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer durch. Die entscheidende Frage: Wie entwickeln sich die Gewinnmargen entlang der Wertschöpfungskette?
Der Fokus liegt nicht auf den Tankstellenbetreibern, sondern auf den großen Raffinerien. Wächst die Differenz zwischen ihren Verkaufspreisen und den Einkaufspreisen der Tankstellen überproportional, wäre das ein Indiz für mangelnden Wettbewerb. Erste Ergebnisse des IHS-Berichts werden für Ende März erwartet.
Bonin lehnt Preisdeckel klar ab
Die wirtschaftlichen Folgen der Krise sind weitreichend. Bonin warnt vor einem zusätzlichen Inflationsschub von etwa 0,4 Prozentpunkten allein durch die Treibstoffkosten. Droht eine gefährliche Kaskade, wenn auch Gas- und Strompreise explodieren?
Trotzdem erteilt der IHS-Direktor Forderungen nach einem staatlichen Preisdeckel eine klare Absage. Solche Eingriffe seien wenig treffsicher und könnten zu Versorgungsengpässen führen, wie Erfahrungen aus Ungarn zeigten. Statt flächendeckender Subventionen plädiert er für gezielte Hilfen. Der Staat nimmt durch die höhere Mehrwertsteuer aktuell mehr ein – diese Mittel könnten betroffene Haushalte gezielt entlasten.
Politik und Wirtschaft sind gespalten
Die Programmgestaltung spaltet die politischen Lager. Teile der Opposition fordern lautstark Preisbremsen und Steuersenkungen. Bundeskanzler Christian Stocker stellt sich hingegen hinter den besonnenen Kurs der Wirtschaftsforscher. Die Regierung will die Untersuchungsergebnisse abwarten.
Aus der Energiewirtschaft kommen andere Vorschläge. OMV-Chef Alfred Stern brachte eine temporäre Steuersenkung ins Spiel. Der Staat profitiere in der Mangellage primär von den hohen Preisen. Auch Wifo-Chef Gabriel Felbermayr hält sofortige Markteingriffe für verfrüht. Die Bundeswettbewerbsbehörde fordert derweil erweiterte Kompetenzen, um schneller gegen mögliche Preisabsprachen vorgehen zu können.
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Experten sehen Weckruf für Energiepolitik
Langfristig bewerten Experten die Krise als massiven Weckruf. Eine Rückkehr zur alten Normalität sei ausgeschlossen, betont Bonin. Österreich müsse seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und internationalen Krisenherden drastisch reduzieren.
Die Lösung liegt in einer beschleunigten Energiewende. Der Umstieg auf Elektromobilität wird als zentraler Entlastungsfaktor gesehen. Doch der Ausbau der Erneuerbaren und die Elektrifizierung der Industrie sind noch nicht weit genug fortgeschritten, um das Land umfassend vor externen Preisschocks zu schützen. Die Verzögerung notwendiger Maßnahmen rächt sich nun.
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