IG Metall startet Kampfansage – 2026 wird das Jahr der Tarifkonflikte
29.01.2026 - 22:43:12Deutschland steht ein heißes Tarifjahr bevor. Mit auslaufenden Verträgen für rund zehn Millionen Beschäftigten und ersten Streiks an Hochschulen zeichnen sich schwierige Verhandlungen ab. Betriebsräte bereiten sich auf eine zentrale Rolle in den kommenden Konflikten vor.
IG Metall stellt sich kämpferisch für Herbstverhandlungen auf
Die größte deutsche Industriegewerkschaft, IG Metall, geht mit deutlichen Ansagen in die anstehenden Tarifgespräche der Metall- und Elektroindustrie im Herbst. Trotz einer als „fragil“ beschriebenen Wirtschaftslage mit schwacher Investitionsbereitschaft kündigte die Gewerkschaft in Baden-Württemberg am 28. Januar einen selbstbewussten Kurs an. Die Beschäftigten hätten sich spürbare Verbesserungen verdient.
Dieser kämpferische Ton fällt in eine Zeit, in dem die IG Metall zum siebten Mal in Folge Mitglieder verliert. Durch Beitragsstrukturen, die an Lohnsteigerungen gekoppelt sind, bleibt die Finanzkraft jedoch stabil. Für die Betriebsräte in dem über 3,7 Millionen Beschäftigte starken Sektor beginnt nun eine intensive Phase. Sie müssen die Belegschaften auf mögliche Konflikte vorbereiten und Forderungen erarbeiten. Ein Zeichen der Entschlossenheit soll eine Großdemonstration am 28. Februar in Stuttgart setzen.
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Öffentlicher Dienst: Streiks an Hochschulen eskalieren TV-L-Verhandlungen
Auch im öffentlichen Dienst der Länder schaukeln sich die Konflikte hoch. Am 28. Januar legten tausende Beschäftigte an Universitäten und Forschungseinrichtungen im Rahmen eines bundesweiten „Campus-Streiks“ die Arbeit nieder. Die Gewerkschaften ver.di und GEW fordern im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes der Länder (TV-L) sieben Prozent mehr Lohn und einen eigenen Tarifvertrag für studentische Hilfskräfte.
Nach zwei erfolglosen Verhandlungsrunden ohne verbindliches Angebot der Arbeitgeberseite sehen sich die Personalräte – das Pendant zum Betriebsrat – in einer Schlüsselposition. Sie koordinieren die Streiks vor Ort und müssen die Stimmung in einer heterogenen Belegschaft aus Wissenschaft, Verwaltung und Studierenden hochhalten. Die dritte Verhandlungsrunde Mitte Februar könnte weitere Arbeitsniederlegungen nach sich ziehen.
Betriebsräte: Die Brücke zwischen Verhandlungstisch und Werkhalle
Während die Schlagzeilen von Streiks und Spitzengesprächen dominiert werden, entscheidet sich der Erfolg der Tarifrunden 2026 an der Basis: bei den Betriebsräten. Ihre Rolle ist doppelt. Vor den Verhandlungen sammeln sie die Forderungen der Belegschaft und mobilisieren für die Gewerkschaftslinie. Nach einem erfolgreichen Abschluss beginnt ihre eigentliche Kernaufgabe: die Umsetzung.
Ein Beispiel ist der neue Tarifvertrag für die sächsische Holz- und Kunststoffindustrie vom 29. Januar mit stufenweisen Lohnerhöhungen bis 2028. Sobald ein solcher Vertrag gilt, überwachen die Betriebsräte kraft Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) die korrekte Anwendung der neuen Lohn- und Arbeitszeitregelungen durch den Arbeitgeber. Diese Kontrollfunktion ist entscheidend, damit Vereinbarungen nicht zum Papiertiger werden und bei den Beschäftigten ankommen.
2026: Ein Schicksalsjahr für den deutschen Tariffrieden
Die aktuellen Streiks sind nur Vorboten. 2026 laufen in zahlreichen Schlüsselbranchen Tarifverträge aus: in der Chemieindustrie bereits im Februar, im Einzelhandel im Frühjahr und im privaten Bankgewerbe im September. Diese Verdichtung schafft ein explosives Klima.
Die Gewerkschaften stehen unter Druck, hohe Abschlüsse zur Kompensation vergangener Inflation zu erzielen. Arbeitgeberverbände verweisen auf die angespannte Konjunktur. Dieser Grundkonflikt zwingt jeden Betriebsrat, die Erwartungen der Belegschaft mit der wirtschaftlichen Lage des eigenen Unternehmens in Einklang zu bringen. Das Jahr wird zur Nagelprobe für das deutsche Modell der Sozialpartnerschaft. Ob es gelingt, tragfähige Kompromisse zu finden, hängt maßgeblich von der Vorarbeit und Kontrolle durch die Betriebsräte ab.
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