IFRS, Periodenerfolgsrechnung

IFRS 18 revolutioniert die Periodenerfolgsrechnung

23.02.2026 - 05:41:12 | boerse-global.de

Ab 2027 müssen börsennotierte Firmen ihre Gewinne neu gliedern. Die Umstellung erfordert massive Anpassungen in Buchhaltungssystemen und schafft mehr Vergleichbarkeit.

Die Darstellung des Unternehmenserfolgs steht vor einem historischen Umbruch. Grund ist die Einführung des neuen IFRS 18-Standards in der EU, der die Periodenerfolgsrechnung für kapitalmarktorientierte Unternehmen komplett neu strukturiert. Die jüngsten regulatorischen Schritte im Februar 2026 setzen Finanzabteilungen unter massiven Handlungsdruck.

Was die neue EU-Verordnung vorschreibt

Am 16. Februar 2026 trat die EU-Verordnung zur Übernahme von IFRS 18 in Kraft. Der neue Standard mit dem Titel „Darstellung und Angaben im Abschluss“ ersetzt den bisherigen IAS 1. Die Änderung ist fundamental: Künftig müssen alle Erträge und Aufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung zwingend drei Kategorien zugeordnet werden – operativ, investiv und finanzierend.

Das wichtigste neue Element ist der gesetzlich definierte Zwischenwert „Operating Profit“. Dieser standardisierte operative Gewinn soll es Anlegern ermöglichen, die Kerngeschäfte von Unternehmen branchenübergreifend besser zu vergleichen. Bislang konnten Konzerne ihre operative Performance durch geschickte Zuordnung von Finanz- oder Investitionsertragen verschleiern. Diese Spielräume fallen nun weg.

DRSC reagiert mit Nachbesserungen zu Investitionen

Kaum war der neue Standard veröffentlicht, folgten bereits technische Nachjustierungen. Das International Accounting Standards Board (IASB) legte am 19. Februar Änderungsvorschläge für IAS 28 vor. Sie betreffen die Bewertung von Beteiligungen und Joint Ventures zum beizulegenden Zeitwert.

Einen Tag später, am 20. Februar, leitete das Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) diese Vorschläge in eine öffentliche Konsultation. Der Hintergrund: Durch die neue Gliederung der Erfolgsrechnung muss klar definiert sein, welche Unternehmen die Fair-Value-Option für ihre Beteiligungen nutzen dürfen. Nur so lassen sich die daraus resultierenden Gewinne oder Verluste korrekt den neuen Kategorien zuordnen. Die Stellungnahmefrist endet am 20. April 2026 – ein Zeichen für die Dringlichkeit der Klärung.

Die Kluft zwischen HGB und internationalen Standards wächst

Die Entwicklung vertieft die ohnehin bestehende Spaltung im deutschen Rechnungswesen. Für den lokalen Mittelstand, der nach Handelsgesetzbuch (HGB) bilanziert, ändert sich formal nichts. Die traditionelle GuV nach § 275 HGB kennt die strenge Dreiteilung in operative, investive und finanzierende Bereiche nicht.

Anders sieht es für börsennotierte Konzerne aus: Sie müssen die neuen IFRS-Vorgaben für ihren Konzernabschluss ab dem 1. Januar 2027 anwenden. Die Prüfungsgesellschaft KPMG warnt in einer aktuellen Publikation vor erheblichem Aufwand. Unternehmen müssen ihre internen Berichtssysteme an die externen Vorgaben anpassen. Zudem müssen selbst definierte Managementkennzahlen künftig explizit mit den Zahlen der standardisierten Erfolgsrechnung abgeglichen werden. Das schafft Transparenz, erfordert aber tiefgreifende Anpassungen in der Buchhaltungssoftware.

Eine Mammutaufgabe für die Finanzabteilungen

Die Umstellung ist mehr als eine kosmetische Übung. Sie erfordert eine grundlegende Neuprogrammierung von ERP-Systemen und Buchhaltungssoftware. Jede Buchung muss automatisch den neuen Kategorien zugeordnet werden können. Da für das Geschäftsjahr 2027 auch Vergleichszahlen für 2026 nach der neuen Gliederung vorliegen müssen, laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren.

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Experten sehen in der Reform die wichtigste Neuerung bei der Erfolgsdarstellung seit Jahrzehnten. Die standardisierte Struktur soll die Vergleichbarkeit erhöhen und kreative Bilanzpolitik erschweren. Der schnelle Folgeprozess von IASB und DRSC zeigt, dass die Standard Setter letzte Unklarheiten noch vor der verbindlichen Einführung beseitigen wollen.

Langfristig könnte der international Trend zu mehr Transparenz auch Druck auf den deutschen Gesetzgeber ausüben. Eine Modernisierung der HGB-Erfolgsrechnung, um sie an globale Standards anzunähern, rückt damit näher. Für die Finanzchefs deutscher Konzerne beginnt jetzt eine anspruchsvolle Implementierungsphase.

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