iFLYTEK greift mit KI-Rekorder und Übersetzungs-Ohrhörern den US-Markt an
07.01.2026 - 09:52:12Der chinesische KI-Konzern iFLYTEK nutzt die CES 2026, um mit zwei neuen Hardware-Produkten im Westen Fuß zu fassen. Ein KI-Diktiergerät und Übersetzungs-Ohrhörer setzen auf Offline-Funktionen und Datenschutz – und treffen damit den Nerv der Zeit.
Auf der weltgrößten Elektronikmesse CES in Las Vegas zeigt sich ein klarer Trend: Künstliche Intelligenz verlässt die Rechenzentren und wandert in die Endgeräte. In diese Lücke stößt nun iFLYTEK, der weltweit führende Anbieter für Sprach-KI. Mit dem AI Recorder S6 und neuen AI Translation Earbuds präsentiert das Unternehmen zwei Geräte, die speziell für den professionellen Einsatz konzipiert sind. Sie sollen die größten Schwachstellen aktueller Lösungen beheben: Abhängigkeit von der Cloud, mangelnde Datensicherheit und Störanfälligkeit bei Lärm.
Der AI Recorder S6: Verschlüsselt und offline
Das Flaggschiff der Messe ist der AI Recorder S6. Das Gerät soll die Defizite herkömmlicher Diktiergeräte und Smartphone-Apps in Besprechungen beseitigen. Während Verbraucher-Produkte in großen Konferenzräumen oft versagen oder auf Cloud-Anbindung für Transkription angewiesen sind, arbeitet der S6 komplett autonom.
Kernstück ist ein ausgeklügeltes Mikrofon-Array aus zwei gerichteten und sechs omnidirektionalen Mikrofonen. Diese Hardware erlaubt es, Sprache noch in 20 Metern Entfernung klar aufzuzeichnen – ideal für große Konferenzräume oder Pressekonferenzen. Die eigentliche Intelligenz steckt jedoch in der Software: Das Gerät transkribiert und übersetzt vollständig offline. Ein entscheidendes Feature für Anwälte, Ärzte oder Regierungsmitarbeiter, die sensible Daten nicht in die Cloud laden dürfen.
Passend zum Thema Datenschutz und Edge‑KI: Die EU‑KI‑Verordnung bringt neue Pflichten für Anbieter und Nutzer intelligenter Systeme – von Risikoklassifizierung über Kennzeichnungspflichten bis hin zu Dokumentationsanforderungen. Wer Hardware mit on‑device KI entwickelt oder einsetzt, sollte die Vorgaben kennen, um Bußgelder und Nachbesserungen zu vermeiden. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden erklärt praxisnah die wichtigsten Schritte und liefert Vorlagen für die Einordnung. Kostenlosen KI‑Verordnungs‑Leitfaden herunterladen
Die Architektur „ein Gerät, ein Schlüssel“ stellt sicher, dass Aufnahmen und Transkripte nur für den autorisierten Nutzer zugänglich sind. Die KI erkennt und unterscheidet dabei mehrere Sprecher ohne Internetverbindung und erstellt automatisch strukturierte Besprechungsprotokolle. In einer klaren Kampfansage an abonnementbasierte Konkurrenten liefert iFLYTEK den S6 mit einer inkludierten Fünf-Jahres-Pro-Mitgliedschaft aus.
KI-Übersetzungs-Ohrhörer: Verstehen im Lärm
Die neuen Übersetzungs-Ohrhörer setzen auf akustische Robustheit. Denn gerade in lauten Umgebungen – auf Messen, in Bahnhöfen oder Restaurants – versagen viele Echtzeit-Übersetzer häufig.
iFLYTEK integriert ein Dual-Sensor-System, das Knochenleitung mit herkömmlicher Luftleitung kombiniert. Dieser hybride Ansatz soll die Stimme des Nutzers effektiver von Hintergrundlärm isolieren. Laut Herstellerangaben erreichen die Ohrhörer so eine Spracherkennungsgenauigkeit von bis zu 97 Prozent selbst bei hohem Geräuschpegel.
Die Ohrhörer sind für minimale Latenz optimiert und ermöglichen so flüssige, direkte Gespräche. Sie verarbeiten Sprache, wo immer möglich, lokal auf dem Gerät. Das reduziert Verzögerungen und die Abhängigkeit von instabilen Netzverbindungen – ein häufiges Ärgernis für internationale Reisende.
Der Trend: KI am „Edge“
Das gleichzeitige Launch beider Geräte unterstreicht einen strategischen Branchenwandel. Waren 2024 und 2025 noch von großen Cloud-Sprachmodellen dominiert, wird 2026 zum Jahr der „Edge AI“. Die komplexe Verarbeitung findet zunehmend direkt auf den lokalen Geräten statt.
Zwei Faktoren treiben diesen Trend an: Datenschutz und Zuverlässigkeit. Da Unternehmen KI immer tiefer in vertrauliche Arbeitsabläufe integrieren, sinkt die Bereitschaft, proprietäre Besprechungen auf Server Dritter zu laden. iFLYTEK adressiert mit der Offline-Funktionalität des S6 genau diese Bedenken. Gleichzeitig spiegelt der Fokus auf reale, laute Umgebungen eine branchenweite Erkenntnis wider: KI-Hardware muss unter widrigen Bedingungen funktionieren, um sich durchzusetzen.
Marktaussichten und Wettbewerb
Der Vorstoß markiert eine strategische Expansion für iFLYTEK. Bislang vor allem im asiatischen Markt dominant und als Zulieferer von Spracherkennungsalgorithmen bekannt, geht das Unternehmen nun offensiver direkt an westliche Kunden.
Der Wettbewerb in der Kategorie „KI-Wearables“ ist hart. Große Tech-Konzerne und spezialisierte Startups buhlen um die Vorherrschaft. iFLYTEKs Entscheidung, langfristige Professional-Services im Gerätepreis zu inkludieren, könnte jedoch die bei Wettbewerbern wie Otter.ai üblichen Abonnement-Modelle unter Druck setzen.
Der Erfolg wird nun von der Praxis abhängen. Erste Testberichte und Erfahrungen früher Nutzer werden noch dieses Quartal erwartet. Hält der S6, was seine Offline-Genauigkeit verspricht, könnte er zum Standardwerkzeug für Journalisten und Führungskräfte werden. Und schaffen es die Ohrhörer tatsächlich, in der Kakophonie einer U-Bahn-Station zu überzeugen, rückt der Science-Fiction-Traum des universellen Übersetzers ein Stück näher. iFLYTEK kündigte an, dass die beiden Produkte nur der Vorreiter einer ganzen Reihe von „embodied Intelligence“-Geräten sind, die noch in diesem Jahr folgen sollen.
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