IBM, Sovereign

IBM Sovereign Core: Neue Plattform für souveräne KI

15.01.2026 - 10:31:12

IBM stellt eine Software-Plattform vor, die Unternehmen vollständige Kontrolle über ihre KI-Infrastruktur gibt. Sie reagiert auf strengere EU-Regulierung und startet mit lokalen Partnern in Europa.

IBM stellt eine Software-Plattform vor, die Unternehmen und Regierungen die vollständige Kontrolle über ihre KI-Infrastruktur zurückgeben soll. Der Startschuss fällt in Europa.

IBM Sovereign Core soll die wachsende Nachfrage nach digitaler Souveränität bedienen. Die Plattform ermöglicht es Organisationen, KI-Workloads in einer abgeschotteten, selbst kontrollierten Umgebung zu betreiben. Damit reagiert der Tech-Konzern auf strengere Regulierung wie den EU AI Act und das Misstrauen gegenüber ausländischer Cloud-Infrastruktur.

Souveränität als Architekturprinzip

Anders als bisherige Ansätze, die Sicherheitskontrollen auf bestehende Cloud-Architekturen aufsetzen, ist die neue Plattform „sovereign-by-design“. Sie baut auf Red Hat OpenShift auf und bettet Kontrollmechanismen direkt in die Software ein.

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Ein zentrales Merkmal: Der Kunde betreibt die Steuerungsebene selbst. Kein externer Anbieter – auch nicht IBM – hat Zugriff auf Betrieb oder Bereitstellungsentscheidungen. Alle Authentifizierungs- und Verschlüsselungsschlüssel, Logs und Audit-Trails verbleiben innerhalb der eigenen Hoheitsgrenze.

„Es geht um ‚governed AI inference‘“, erklärt Sachin Prasad von IBM. KI-Modelle können lokal laufen, ohne dass Daten externe Anbieter verlassen. Das ist für Branchen mit sensiblen Daten wie Finanzen oder Gesundheitswesen entscheidend.

Mehr als nur Daten-Residenz

Die Debatte um digitale Souveränität hat sich gewandelt. Es reicht nicht mehr, Daten nur physisch im Land zu speichern. Gefragt ist die vollständige operative Kontrolle über die gesamte Infrastruktur, inklusive der KI-Modelle.

„Unternehmen stehen unter Druck, mit KI zu innovieren und gleichzeitig immer schärfere Vorgaben einzuhalten“, sagt Priya Srinivasan, General Manager bei IBM Software. Der Markt verlange Lösungen, die Offenheit mit strengen Compliance-Garantien verbinden.

Analyst Rick Villars von IDC sieht CIOs im Zwiespalt. IBMs Ansatz könne „Inseln der Isolation“ schaffen, die dennoch auf standardisierten, skalierbaren Grundlagen aufbauen und so Planungssicherheit bieten.

Partnerschaften für den europäischen Markt

Für den Rollout setzt IBM auf lokale IT-Dienstleister. Erste Partnerschaften gibt es mit Cegeka in Belgien und den Niederlanden sowie mit Computacenter in Deutschland.

„Kunden verlangen Plattformen, die sensible Daten in kontrollierten Grenzen halten“, sagt Gaetan Willems von Cegeka. Die vorkonfigurierte Lösung spare den Aufbau von Grund auf.

Christian Schreiner von Computacenter betont den Zeitvorteil. Integratoren könnten sich auf die Anpassung für konkrete Anwendungsfälle konzentrieren, statt monatelang Souveränitätskontrollen zu validieren. Das beschleunige die Einführung von KI in risikoaversen Unternehmen.

Ein strategischer Schritt in unsicheren Zeiten

Der Marktstart fällt in eine Phase geopolitischer Spannungen. Laut Gartner-Prognosen werden bis 2030 über 75 Prozent aller Unternehmen eine Digital-Sovereignty-Strategie verfolgen. Die Sorge vor ausländischer Jurisdiktion, etwa durch den US CLOUD Act, treibt die Nachfrage.

„Das Gespräch verschiebt sich vom Daten-Standort zur Systemkontrolle“, analysiert Sanjeev Mohan von SanjMo. IBMs ganzheitlicher Ansatz adressiere die Kernfrage: Wer kontrolliert das System wirklich – und kann man dies gegenüber Aufsichtsbehörden nachweisen?

Verfügbarkeit und Ausblick

IBM Sovereign Core wird ab Februar 2026 als Technical Preview verfügbar sein. Die allgemeine Verfügbarkeit ist für Mitte des Jahres geplant.

Frühe Anwender werden voraussichtlich aus hochregulierten Sektoren wie Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen und dem öffentlichen Dienst kommen. Ihre Erfahrungen könnten den globalen Standard für den Einsatz souveräner KI setzen. In einer Welt, in der KI zur zentralen Geschäftsstrategie wird, dürfte nachweisbare Kontrolle über die Infrastruktur zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.

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