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IBM Aktie: Mainframes brechen um 42 Prozent ein

Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 01:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

IBM-Aktie erholt sich leicht, bleibt aber nach Gewinnwarnung und gesenkter Jahresprognose unter Druck. Analysten uneins über Ursache des Mainframe-Einbruchs.

IBM Aktie: Erholung nach Crash mit ungelösten Fundamentalfragen
Dunkler Serverraum mit verschwommener technischer Infrastruktur, der eine angespannte Marktstimmung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Drei Prozent Plus an einem einzigen Tag klingen nach Trendwende. Bei IBM sind sie nur ein schwacher Pulsschlag nach einem der brutalsten Kurseinbrüche der Firmengeschichte. Wer jetzt über eine Bodenbildung spricht, blendet aus, was das Management selbst gerade zugegeben hat.

Am Freitag schloss die Aktie bei 188,38 Euro, ein Plus von 3,74 Prozent zum Vortag. Über die vergangene Woche steht ein mageres Plus von 1,33 Prozent zu Buche. Das ändert wenig am großen Bild: Seit Jahresbeginn hat das Papier 27,52 Prozent verloren, allein im letzten Monat waren es 18,63 Prozent.

Ein Crash, der noch nachwirkt

Auslöser war eine vorläufige Gewinnwarnung Mitte Juli, die den Kurs regelrecht einbrechen ließ. Es war einer der schwärzesten Handelstage in der Geschichte des Konzerns. CEO Arvind Krishna räumte in seinem Aktionärsbrief offen ein, dass die Umsetzung im Quartal nicht funktioniert hat.

Ein solches Eingeständnis verpufft selten folgenlos. IBM notiert derzeit 35,67 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 292,85 Euro, erreicht Anfang Juni. Zum 52-Wochen-Tief von 175,14 Euro, das erst vor zwei Tagen markiert wurde, sind es gerade einmal 7,56 Prozent Abstand. Sowohl der 50-Tage-Durchschnitt bei 228,64 Euro als auch der 200-Tage-Durchschnitt bei 233,84 Euro liegen weit über dem aktuellen Kurs. Das ist ein klassisches bärisches Setup, das Erholungen in der Regel früh abwürgt.

Die Kürzung, die den Verdacht bestätigt

Wer den Crash für eine Überreaktion hält, muss erklären, warum das Management am 22. Juli genau das Gegenteil einer Beruhigung getan hat. IBM senkte seine Umsatzwachstums-Prognose für das Gesamtjahr 2026 auf eine Spanne von 4 bis 5 Prozent, zuvor waren es noch über 5 Prozent. Grund war ein enttäuschendes zweites Quartal, das sowohl bei Umsatz als auch beim Gewinn hinter den Erwartungen der Analysten zurückblieb. Die Prognose für den freien Cashflow, ein Plus von rund einer Milliarde Dollar gegenüber dem Vorjahr, blieb dagegen unangetastet.

Der Einbruch konzentrierte sich auf einen einzigen Bereich, traf dort aber hart. Der Umsatz mit den Z-Mainframes, die täglich Millionen Transaktionen für Banken und Fluggesellschaften verarbeiten, brach im zweiten Quartal um 42 Prozent ein. Das zog den gesamten Infrastruktur-Umsatz um 7 Prozent auf 3,84 Milliarden Dollar nach unten.

CFO James Kavanaugh fand dafür klare Worte: Der Rückgang bei Mainframe-Hardware und Transaktionssoftware habe das Wachstum von IBM im Quartal um mehr als fünf Prozentpunkte gebremst. Reuters brachte die dahinterliegende Dynamik auf den Punkt: Unternehmen verlagern ihre IT-Budgets zunehmend in Richtung KI-Rechenzentren, auf Kosten klassischer Software- und Mainframe-Ausgaben.

Nicht jede Lesart der Zahlen fiel negativ aus. CFRA-Analyst Brooks Idlet argumentierte, für den breiteren Softwaresektor sei der Bericht eher positiv zu werten. Die Softwareprobleme bei IBM seien spezifisch hardwarebedingt, wie das Management im Investorenbrief selbst dargelegt habe. Tatsächlich hielt sich das Softwaresegment mit solidem Wachstum, während die Infrastruktursparte einbrach.

Die Wall Street ist sich uneinig — und genau das ist das Problem

Auffällig ist, wie gespalten die Analystenmeinungen nach dem Bericht ausfielen. Einige Häuser senkten Rating und Kursziel und verwiesen auf Bewertungsrisiken gegenüber dem Sektor. Andere hoben ihre Kursziele trotz der verfehlten Erwartungen an, mit dem Argument, der Ausverkauf sei übertrieben gewesen. Diese Spaltung erzählt ihre eigene Geschichte: Niemand hat volle Überzeugung, ob es sich um einen einmaligen Ausführungsfehler rund um das Mainframe-Timing handelt oder um den Beginn einer strukturellen Neubewertung, weil KI-Infrastrukturausgaben Budgets für klassische Hardware und Software verdrängen.

Genau diese Unsicherheit macht den aktuellen RSI von 35,5 relevant. Er signalisiert eine technisch überverkaufte Aktie, ein Bereich, in dem kurzfristige Erholungsbewegungen statistisch wahrscheinlicher werden, unabhängig davon, ob die fundamentale Debatte gelöst ist. Ein überverkaufter RSI ist allerdings ein Timing-Signal, kein Urteil über die Fundamentaldaten. Er ändert nichts daran, dass die Prognose gesenkt wurde, nicht angehoben.

Mein Fazit: charttechnisch überverkauft, fundamental ungeklärt

Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 231,06 Euro und impliziert ein Aufwärtspotenzial von 22,7 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Selbst nach der Prognosekürzung preist die Analystengemeinde also weiterhin ein spürbares Erholungsszenario ein. Zusammen mit dem tief überverkauften RSI spricht das technische Bild für zumindest eine teilweise Gegenbewegung von den aktuell gedrückten Kursen.

Das ist aber eine andere Aussage als die Behauptung, das Schlimmste liege hinter dem Konzern. Die Prognosekürzung bestätigt die härteste Lesart des Juli-Crashs, sie widerlegt sie nicht: Die Schwäche bei Mainframes und Hardware ist real, unmittelbar und groß genug, um das Management nur eine Woche nach der ersten Warnung zu einer Korrektur der eigenen Jahresprognose zu zwingen. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei fast 85 Prozent, ein Zeichen für die anhaltende Nervosität am Markt. Da die Aktie so deutlich unter beiden gleitenden Durchschnitten notiert, dürfte eine Erholung eher holprig verlaufen als geradlinig zurück zu den alten Höchstständen führen. Wer hier auf eine Rally setzt, wettet darauf, dass überverkaufte Technik und gespaltene Analystenstimmung ein Management übertrumpfen, das gerade selbst erklärt hat: Die eigenen Wachstumserwartungen sind gesunken.

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