Huntington Bancshares Aktie: Wachstum mit Kehrseite
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 13:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bilanz für das zweite Quartal zeigt zwei völlig unterschiedliche Geschichten. Auf der einen Seite ein Umsatzsprung, der jede Wachstumsstory übertrifft. Auf der anderen Seite ein Gewinn je Aktie, der praktisch stagniert. Bei Huntington Bancshares gehen Größe und Rentabilität derzeit nicht Hand in Hand.
Der Nettogewinn kletterte auf 727 Millionen Dollar, ein Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Umsatz sprang um 46,2 Prozent auf 2,857 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie blieb mit 33 Cent jedoch minimal unter dem Vorjahreswert von 34 Cent — verwässert durch die deutlich gestiegene Aktienzahl nach den Übernahmen von Cadence Bank und Veritex Holdings. Bereinigt um Sonderposten lag der Gewinn je Aktie bei 39 Cent und damit über der Analystenerwartung von 36 Cent.
Integration treibt Bilanz, kostet aber Kapital
Der eigentliche Wachstumsmotor ist die im Juni abgeschlossene Systemumstellung von Cadence. Das Zinsergebnis stieg um 40 Prozent zum Vorjahr, die durchschnittlichen Kredite legten um 42 Prozent auf 189,3 Milliarden Dollar zu. Auch die Einlagen wuchsen deutlich, angetrieben von den beiden Zukäufen.
Dieses Wachstum hat einen Preis. Die Kernkapitalquote (CET1) sank leicht auf 10,0 Prozent, nach 10,2 Prozent im Vorquartal. Die Quote notleidender Vermögenswerte kletterte um 13 Basispunkte auf 0,85 Prozent. Akquisitionsbedingte Sonderaufwendungen von 152 Millionen Dollar vor Steuern drückten zusätzlich auf das Ergebnis.
Analysten uneinig über Integrationsrisiko
Das Bild unter den Analysten bleibt gespalten. UBS, JPMorgan, RBC Capital und Morgan Stanley bestätigten zuletzt ihre Kaufempfehlungen und hoben ihre Kursziele an. Jefferies dagegen stufte die Aktie Anfang Juli von Kaufen auf Halten zurück und senkte das Kursziel von 21 auf 19 Dollar — mit Verweis auf einen anhaltenden Bewertungsabschlag, solange die Integration der Zukäufe nicht vollständig abgeschlossen ist und die Entwicklung der Einlagenkosten unklar bleibt.
Der durchschnittliche Kursziel-Konsens von 20,51 Dollar impliziert gegenüber dem zuletzt gehandelten Niveau von 18,17 Dollar spürbares Aufwärtspotenzial. Von 19 erfassten Analysten votieren 14 für Kaufen, fünf für Halten.
Parallel zur Integration treibt Huntington die geografische Expansion voran. Im Rahmen der geplanten Erweiterung um rund 55 neue Filialen in North und South Carolina eröffnete die Bank kürzlich ihren ersten Standort in Summerville. Im zweiten Quartal kaufte das Institut zudem eigene Aktien im Wert von 159 Millionen Dollar zurück, seit Jahresbeginn summiert sich das Volumen auf 309 Millionen Dollar.
Die kommenden Quartale werden zeigen, ob sich die Integrationskosten wie geplant abbauen und die Kapitalquote stabilisiert. Bis dahin bleibt der Bewertungsabschlag, den Jefferies anspricht, ein zentrales Thema für die Aktie.
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