Hormonpflaster, Hoffnung

Hormonpflaster: Neue Hoffnung bei Prostatakrebs

20.04.2026 - 12:21:29 | boerse-global.de

Eine große Studie zeigt, dass transdermale Östrogen-Pflaster bei lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs genauso wirksam wie Injektionen sind, aber mit deutlich weniger Nebenwirkungen wie Hitzewallungen und Knochenbrüchen einhergehen.

Hormonpflaster: Neue Hoffnung bei Prostatakrebs - Foto: über boerse-global.de
Hormonpflaster: Neue Hoffnung bei Prostatakrebs - Foto: über boerse-global.de

Eine großangelegte Studie zeigt: Einfache Östrogen-Pflaster sind bei lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs genauso wirksam wie herkömmliche Spritzen – und schonen dabei die Lebensqualität. Die im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlichten Ergebnisse könnten die Therapie grundlegend verändern.

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Wirksamkeit auf Augenhöhe mit Spritzen

Die sogenannte PATCH-Studie unter Leitung des University College London (UCL) verglich über 15 Jahre hinweg zwei Therapieformen. An der randomisierten Phase-3-Studie nahmen 1.360 Männer mit nicht streuendem, lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs teil.

Das zentrale Ergebnis: Die metastasenfreie Überlebensrate nach drei Jahren lag bei der Pflastergruppe bei 87,1 Prozent. In der Injektionsgruppe waren es 85,9 Prozent. Damit erfüllte das Pflaster die statistischen Kriterien für Gleichwertigkeit. Auch die Fünfjahres-Gesamtüberlebensraten waren vergleichbar (81,1 % vs. 79,2 %). Beide Methoden senkten den Testosteronspiegel bei etwa 85 Prozent der Patienten zuverlässig.

Weniger Hitzewallungen, bessere Knochen

Während die Wirkung gegen den Krebs gleich ist, unterscheiden sich die Nebenwirkungen deutlich. Herkömmliche Spritzen senken sowohl Testosteron als auch Östrogen. Da Östrogen aber Knochendichte und Temperaturregulation beeinflusst, führt sein Mangel oft zu schweren Hitzewallungen und Osteoporose.

Hier punktet das Pflaster: Es liefert Östrogen über die Haut und mildert so die Entzugserscheinungen. Nur 44 Prozent der Pflaster-Träger berichteten von Hitzewallungen – gegenüber 89 Prozent in der Spritzen-Gruppe. Schwere Fälle waren mit 8 versus 37 Prozent noch seltener.

Ein entscheidender Vorteil zeigt sich bei der Knochengesundheit. Die Rate von Knochenbrüchen nach fünf Jahren lag in der Pflaster-Gruppe bei nur 2,8 Prozent. In der Injektions-Gruppe war sie mit 5,8 Prozent mehr als doppelt so hoch. Als Nachteil tritt häufiger eine gutartige Brustvergrößerung (Gynäkomastie) auf, die jedoch als handhabbarer eingestuft wird.

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Praktische Vorteile für Patienten im Alltag

Neben den klinischen Vorteilen bietet die Pflaster-Therapie handfeste praktische Erleichterungen. Statt regelmäßiger Arztbesuche für Spritzen können Patienten die Pflaster – die gleichen wie in der Hormonersatztherapie für Frauen – einfach zu Hause anwenden.

„Diese Ergebnisse sollten Männer ermächtigen, die für ihren Lebensstil und ihre Nebenwirkungs-Toleranz passende Therapie zu wählen“, betont Studienleiterin Professor Ruth Langley vom MRC Clinical Trials Unit. Für Patienten, die unter extremen Hitzewallungen leiden, könne das Pflaster die Lebensqualität erheblich steigern. Zudem entlastet die Heim-Anwendung das Gesundheitssystem.

Altes Prinzip, sicherere Anwendung

Die Idee, Prostatakrebs mit Östrogen zu behandeln, ist nicht neu. In der Mitte des 20. Jahrhunderts war sie verbreitet, wurde aber wegen eines erhöhten Risikos für gefährliche Blutgerinnsel und Herz-Kreislauf-Probleme aufgegeben.

Das Pflaster umgeht dieses Problem: Da der Wirkstoff über die Haut aufgenommen wird, passiert er nicht die Leber und stimuliert dort nicht die Bildung von Gerinnungsfaktoren. Die Studiendaten zeigen keinen signifikanten Unterschied bei schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen zwischen Pflaster und Spritze. Ein altes Therapiekonzept kehrt damit in sichererer Form zurück.

Wann wird das Pflaster zum Standard?

Trotz der überzeugenden Daten ist transdermales Östradiol noch nicht die Standardtherapie. Die Pflaster sind für diese Indikation oft nur „off-label“ verschreibbar, da sie primär für Wechseljahresbeschwerden bei Frauen zugelassen sind.

Angesichts der im Frühjahr 2026 veröffentlichten Ergebnisse rechnen Onkologen jedoch mit baldigen Anpassungen internationaler Leitlinien, etwa der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU). Die Pflaster könnten dann als Erstlinien-Option für die Hormonentzugstherapie gelistet werden. Patientenvertreter fordern bereits regulatorische Anpassungen, um den Zugang zu erleichtern. In einer Zeit, die auf personalisierte Medizin setzt, dürfte diese wirksame, nebenwirkungsärmere und selbst anwendbare Therapie für viele Männer zur bevorzugten Wahl werden.

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