HOCHTIEF AG-Aktie (DE0006070006): DAX-Aufstieg und Milliardenprojekt als Kurstreiber
15.06.2026 - 10:16:12 | ad-hoc-news.deVerantwortlich: ad hoc news Fachredaktion Märkte & Bewertung. Vor der Veroeffentlichung am 15.06.2026, 10:13:42 Uhr geprueft. Details im Impressum.
Die HOCHTIEF AG-Aktie steht zum Wochenauftakt gleich aus mehreren Gründen im Blick: Zum einen steigt der Baukonzern zum 22. Juni in den DAX auf, zum anderen hat das Unternehmen ein bedeutendes Infrastrukturprojekt mit einem Volumen von rund 2,2 Milliarden Euro abgeschlossen. Auf Wochensicht bewegte sich der Kurs nur leicht und lag am Freitag bei etwa 487,00 Euro, was einem Minus von 1,30 Prozent entsprach. Damit notiert die Aktie weiterhin klar über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von rund 361 Euro und spiegelt die gestiegenen Erwartungen an die künftige Ertragskraft wider.
Bewertung im Fokus: DAX-Aufstieg und Gewinnziele als Richtschnur
Für die Freitagsbewertung lohnt zunächst der Blick auf die anstehenden Indexänderungen: Nach Übersichten zu den Anpassungen in den deutschen Auswahlindizes wird HOCHTIEF zum 22. Juni neu in den DAX einziehen, während Porsche SE den Leitindex verlassen wird. Indexaufstiege gehen erfahrungsgemäß mit zusätzlicher Nachfrage von Fonds einher, die den DAX abbilden, und erhöhen die Sichtbarkeit einer Aktie im internationalen Vergleich, was sich mittel- bis langfristig auf Liquidität und Bewertung auswirken kann.
Zusätzlichen Rückenwind für die fundamentale Einordnung liefern die mittelfristigen Gewinnziele: HOCHTIEF stellt für das Jahr 2026 einen operativen Konzerngewinn von 950 Millionen bis 1 Milliarde Euro in Aussicht. Bezogen auf eine Marktkapitalisierung im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Milliardenbereich, die sich grob aus dem zuletzt gehandelten Kurs von etwa 487 Euro und der Aktienanzahl ableiten lässt, signalisiert dies ein Kurs-Gewinn-Verhältnis im mittleren einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich – je nachdem, welchen Gewinnpunkt innerhalb der Spanne Anleger als Referenz ansetzen. Das Bewertungsniveau bewegt sich damit im Rahmen klassischer Infrastruktur- und Bauwerte, die häufig an ihrer Ausschüttungspolitik und Stabilität der Cashflows gemessen werden.
Ein weiterer Baustein für die Bewertung ist die Dividendenpolitik, die HOCHTIEF traditionell als wichtigen Bestandteil der Aktionärsrendite positioniert. Zwar stehen für die kommenden Jahre noch keine endgültigen Ausschüttungszahlen fest, doch ist in der Branche zu beobachten, dass etablierte Baukonzerne überdurchschnittliche Dividendenrenditen anstreben, um die zyklische Natur ihres Geschäfts auszugleichen. Für eine langfristige Bewertung spielen neben der absoluten Höhe vor allem die Kontinuität der Ausschüttungen und die Deckung durch operative Cashflows eine entscheidende Rolle.
Für das Gesamtbild nicht zu unterschätzen ist auch die Struktur des HOCHTIEF-Konzerns: Über die Mehrheitsbeteiligung ACS sind wesentliche Geschäfte in den Bereichen Bau, Umwelt und industrieller Service gebündelt, was zu einer breiten Diversifikation über verschiedene Märkte und Projektarten führt. Diese Aufstellung kann sich positiv auf die Risikoeinschätzung auswirken, da konjunkturelle Schwankungen in einzelnen Regionen oder Segmenten durch andere Bereiche abgefedert werden können.
Was die operative Entwicklung betrifft, signalisiert das Ziel eines nahezu milliardenschweren operativen Gewinns ab 2026, dass HOCHTIEF bei Projektqualität, Margenmanagement und Risikosteuerung ambitionierte Maßstäbe anlegt. Die Fertigstellung großer Infrastrukturprojekte ohne gravierende Kosten- oder Zeitüberschreitungen ist dabei ein zentraler Hebel für die realisierte Profitabilität. Insofern sind konkrete Projektmeilensteine – wie die aktuell gemeldete Bahnstrecke – nicht nur Nachrichten für die Öffentlichkeit, sondern Bausteine für die Bewertungsmodelle institutioneller Investoren.
Ein weiteres Element für die Bewertung ist die Einbindung in übergeordnete Infrastrukturprogramme. In vielen Ländern, darunter Deutschland, Indien und andere Wachstumsregionen, stehen in den nächsten Jahren erhebliche Investitionen in Verkehr, Energie und urbane Infrastruktur an. Unternehmen wie HOCHTIEF, die sowohl Planungskompetenz als auch Referenzprojekte vorweisen, können hier strukturell profitieren, was in Bewertungsansätzen häufig in Form eines Wachstumsaufschlags berücksichtigt wird.
Hinzu kommt die Rolle von ESG-Kriterien: Großprojekte im Bereich Transport und Energie müssen zunehmend Nachhaltigkeitsstandards erfüllen, etwa in Bezug auf Energieeffizienz, Klimaschutz oder Ressourceneinsatz. Für die Bewertung spielt dabei nicht nur die aktuelle Profitabilität eine Rolle, sondern auch die Fähigkeit, sich bei Ausschreibungen durch ESG-konforme Konzepte zu behaupten. Ein Unternehmen, das diesen Wandel früh und konsequent in seine Projektpraxis integriert, kann sich Wettbewerbsvorteile sichern.
Vor allem langfristig orientierte Investoren beobachten deshalb genau, wie HOCHTIEF seine Projektpipeline zusammensetzt, welche Regionen priorisiert werden und in welchen Segmenten die stärksten Margenpotenziale gesehen werden. Einschätzungen zu diesen Themen fließen in Discounted-Cashflow-Modelle, Multiplikatorenvergleiche und qualitative Ratings ein, die am Ende auch das Kursniveau beeinflussen.
Fertiggestellte 2,2-Milliarden-Bahnstrecke als Beleg für Projektstärke
Ein sichtbarer Beleg für die operative Leistungsfähigkeit ist die jüngst vollendete Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin, an der HOCHTIEF maßgeblich beteiligt war. Das Projektvolumen wird mit rund 2,2 Milliarden Euro angegeben, womit es sich um eines der bedeutendsten deutschen Infrastrukturvorhaben im Schienenbereich der vergangenen Jahre handelt. Seit dem 14. Juni 2026 ist die Strecke wieder in Betrieb und soll die Verbindung zwischen den beiden Metropolen deutlich beschleunigen. Solche Großprojekte gehen regelmäßig mit komplexen technischen Anforderungen, strikten Zeitplänen und strengen Budgetvorgaben einher.
Für die Einordnung an der Börse ist wichtig, dass HOCHTIEF mit dem Abschluss dieses Projekts nicht nur Umsatz und Ergebnisbeiträge realisiert, sondern auch seine Referenzliste im Bereich Transportinfrastruktur stärkt. Je größer und umfangreicher der Erfahrungsschatz bei ähnlichen Projekten, desto stärker kann das Unternehmen bei künftigen Ausschreibungen argumentieren, dass Termine, Budgets und Qualitätsstandards verlässlich eingehalten werden. Dies kann sich sowohl qualitativ auf die Zuschlagswahrscheinlichkeit als auch quantitativ auf die erzielbaren Margen auswirken.
Die Nachrichtenlage rund um die Bahnstrecke zeigt jedoch auch die andere Seite der Medaille: In Medienberichten wird darauf hingewiesen, dass politische Unsicherheiten die Vergabe zukünftiger Großaufträge beeinflussen könnten. Haushaltsdebatten, Prioritätenverschiebungen in der Infrastrukturplanung oder regulatorische Änderungen können dazu führen, dass Projekte verschoben, verkleinert oder neu ausgeschrieben werden. Für die Bewertung von Bauwerten wie HOCHTIEF ist deshalb nicht nur die aktuelle Auftragslage, sondern vor allem die Pipeline potenzieller Folgeaufträge entscheidend.
Gleichzeitig verdeutlicht das erfolgreich abgeschlossene Projekt, dass HOCHTIEF in der Lage ist, komplexe Infrastrukturmaßnahmen in einem anspruchsvollen Umfeld zu managen. Die Kombination aus Planung, Bauausführung und häufig auch Betrieb einzelner Infrastrukturkomponenten erfordert eine hohe Koordinationsleistung über verschiedene Gewerke hinweg. Für Investoren ist dies ein Indiz, dass das Unternehmen auch bei zukünftigen Projekten im Bereich Schiene, Straße oder Energie eine zentrale Rolle spielen kann.
Die Bahnstrecke Hamburg-Berlin fügt sich zudem in ein größeres Bild ein, das HOCHTIEF in den vergangenen Jahren aufgebaut hat: Über seine Infrastrukturgesellschaften ist der Konzern weltweit in den Segmenten Transport, Energie, soziale und urbane Infrastruktur aktiv. Dazu zählen neben Eisenbahn- und Straßenprojekten auch Brücken, Tunnel, Flughäfen oder Energieanlagen. Ein breiter Track-Record in diesen Bereichen erhöht die Widerstandsfähigkeit des Geschäfts, da Schwankungen in einzelnen Märkten durch laufende Projekte in anderen Regionen abgefedert werden können.
In der Praxis spielt auch die Fähigkeit zur Kooperation eine Rolle. Großprojekte werden häufig in Konsortien abgewickelt, in denen unterschiedliche Spezialisten zusammenarbeiten. HOCHTIEF kann dabei sowohl als führender Partner als auch als Teil einer größeren Projektgemeinschaft auftreten. Für die Risikosteuerung ist entscheidend, in welchem Umfang der Konzern Projekt-, Bau- und Finanzierungsrisiken übernimmt und wie diese vertraglich begrenzt werden.
Der Abschluss der 2,2-Milliarden-Bahnstrecke ist aus Bewertungssicht daher mehr als eine einzelne Erfolgsmeldung. Er dient als Referenz für das Projektmanagement, wirkt sich auf die Wahrnehmung bei Auftraggebern aus und kann gleichzeitig intern als Blaupause für zukünftige Großprojekte dienen. Je mehr Erfahrungen gesammelt werden, desto präziser lassen sich Aufwand, Zeitpläne und Kostenstrukturen kalkulieren, was wiederum die Sicherheit der Margenplanung erhöht.
DAX-Aufnahme: Signalwirkung für Liquidität und Investorenzugang
Die Aufnahme von HOCHTIEF in den DAX zum 22. Juni wird in Marktberichten ausdrücklich hervorgehoben und ist der zweite große Treiber der aktuellen Aufmerksamkeit. Im Zuge der Indexumstellung ersetzt HOCHTIEF die Porsche SE, die den Leitindex verlassen wird. Für den Baukonzern bedeutet dies eine Aufwertung, weil der DAX international als wichtigster deutscher Aktienindex gilt und als Referenz für zahlreiche institutionelle Anleger dient.
Ein praktischer Effekt: Zahlreiche Fonds und ETFs bilden den DAX 1:1 ab. Mit der Aufnahme von HOCHTIEF müssen diese Produkte die Aktie in einem bestimmten Umfang kaufen, um den Index nachbilden zu können. Dieser technische Nachfrageeffekt kann, insbesondere rund um den Stichtag der Umstellung, zusätzlichen Kaufdruck erzeugen. Gleichzeitig sinkt das Risiko, unbemerkt zu bleiben, denn DAX-Werte werden in internationalen Research-Publikationen, Indizes und Medienberichten stärker berücksichtigt als Werte aus Nebenindizes.
Neben der reinen Sichtbarkeit ist auch der Aspekt der Liquidität relevant. DAX-Mitglieder weisen in der Regel höhere durchschnittliche Handelsvolumina auf als Unternehmen aus MDAX oder SDAX. Für große institutionelle Investoren, die mit hohen Ticketgrößen operieren, kann dies ein entscheidendes Kriterium sein. Eine höhere Liquidität erleichtert es, größere Positionen aufzubauen oder abzubauen, ohne den Marktpreis zu stark zu beeinflussen.
Langfristig kann die DAX-Mitgliedschaft auch die interne Finanzierungsstrategie beeinflussen. Ein Unternehmen, das im Leitindex vertreten ist, hat potenziell besseren Zugang zu den Kapitalmärkten, etwa für Anleiheemissionen oder Kapitalerhöhungen, falls diese zur Finanzierung von Projekten oder zur Stärkung der Bilanzstruktur genutzt werden sollen. Für einen global agierenden Bau- und Infrastrukturkonzern, der regelmäßig in großvolumige Projekte investiert und Vorfinanzierungen stemmen muss, ist ein effizienter Zugang zu Kapital ein strategischer Vorteil.
Hinzu kommt, dass ein DAX-Aufstieg häufig ein Signal über die wirtschaftliche Bedeutung und Stabilität eines Unternehmens sendet. Die Auswahlkriterien beziehen sich neben der Marktkapitalisierung auch auf den Börsenumsatz, was eine gewisse Mindestgröße und Marktpräsenz voraussetzt. Insofern ist der Schritt in den Leitindex auch eine Bestätigung der Entwicklung der vergangenen Jahre, in denen HOCHTIEF seine Position im In- und Ausland ausgebaut hat.
Analysten und Investoren werden im Zuge des Indexaufstiegs verstärkt prüfen, wie der Konzern seine Position im DAX langfristig sichern kann. Im Fokus stehen neben der Profitabilität auch Faktoren wie Corporate Governance, Transparenz der Berichterstattung und die strategische Ausrichtung auf Wachstumsmärkte. Gerade im Wettbewerb mit anderen DAX-Werten muss HOCHTIEF zeigen, dass das Geschäftsmodell in der Lage ist, über Zyklen hinweg verlässliche Erträge zu generieren.
Internationale Projektpipeline: Leighton Asia als Wachstumstreiber
Für die mittelfristige Ertragsentwicklung spielt die internationale Projektpipeline eine Schlüsselrolle. Ein Beispiel dafür ist Leighton Asia, eine Gesellschaft aus dem CIMIC-Verbund, der wiederum mehrheitlich zu HOCHTIEF gehört. Leighton Asia wurde jüngst mit der Realisierung eines Luxuswohnprojekts in Mumbai, Indien, beauftragt. Auftraggeber ist Embassy Developments Limited, und der Auftrag umfasst Planung und Bau eines hochwertigen Wohnkomplexes in einer der dynamischsten Metropolen Indiens.
Solche Projekte in Wachstumsregionen ergänzen das Portfolio klassischer Infrastrukturvorhaben und eröffnen zusätzliche Ertragspotenziale. Indien investiert seit Jahren massiv in städtische Entwicklung, Wohnungsbau und Verkehrsinfrastruktur, um mit dem starken Bevölkerungswachstum und der Urbanisierung Schritt zu halten. Für HOCHTIEF und seine Tochtergesellschaften bieten sich damit kontinuierlich Chancen, Know-how im Hochbau, in der Projektsteuerung und im Qualitätsmanagement einzubringen.
Aus Bewertungssicht ist relevant, dass Projekte in Schwellenländern zwar höhere Renditechancen bieten können, gleichzeitig aber auch mit besonderen Risiken behaftet sind. Dazu zählen Währungsrisiken, regulatorische Unsicherheiten oder Verzögerungen bei Genehmigungen und Flächenbereitstellung. Entscheidend ist, wie gut diese Risiken vertraglich abgesichert und intern gesteuert werden. Unternehmen mit langjähriger Erfahrung in diesen Märkten können Skaleneffekte und eingespielte Prozesse nutzen, um die Balance zwischen Chance und Risiko zu halten.
Leighton Asia ist dabei nur ein Baustein einer breiten internationalen Präsenz. Über seine gebündelten Einheiten im Infrastrukturbereich plant und realisiert HOCHTIEF Projekte in den Segmenten Transport, Energie sowie sozialer und urbaner Infrastruktur rund um den Globus. Dazu gehören etwa Straßen und Brücken, Energieübertragungsleitungen, Kraftwerke, Krankenhäuser oder Bildungseinrichtungen. Diese Vielfalt ermöglicht es, Kapazitäten flexibel zwischen Regionen und Projektarten zu verschieben.
Mit Blick auf die kommenden Jahre wird wichtig sein, wie stark HOCHTIEF sein internationales Netzwerk zur Sicherung profitabler Aufträge nutzen kann. Neben Indien zählen auch Länder in Südostasien, dem Mittleren Osten, Nordamerika und Europa zu den relevanten Märkten. Die Fähigkeit, lokale Partner einzubinden, kulturelle Besonderheiten zu berücksichtigen und regulatorische Anforderungen zu erfüllen, ist ein wesentlicher Faktor für die Stabilität der Projektpipeline.
Insgesamt unterstreichen die jüngsten Aufträge von Leighton Asia, dass der Konzern in der Lage ist, über seine Beteiligungsstrukturen in unterschiedlichen Marktsegmenten zu wachsen. Für die Auftragslage bedeutet dies, dass nicht nur staatliche Infrastrukturprogramme in Europa und Australien zählen, sondern auch private und halböffentliche Projekte in dynamischen Schwellenländern. Damit erweitert sich die Basis, auf der die mittelfristigen Gewinnziele des Konzerns stehen.
Brancheneinordnung: Wettbewerb mit Porr, Strabag & Co.
Um HOCHTIEF besser einschätzen zu können, lohnt ein Blick auf den Wettbewerb. In Berichten wird HOCHTIEF im Vergleich mit anderen Bau- und Baustoffkonzernen wie Porr und Strabag betrachtet. Diese Unternehmen sind in ähnlichen Segmenten aktiv, etwa im Hoch- und Tiefbau, Infrastrukturprojekten und teilweise im Verkehrswegebau. Im Wettbewerbsvergleich spielen Kennzahlen wie Auftragsbestand, EBIT-Marge, Eigenkapitalquote und Dividendenpolitik eine zentrale Rolle.
Bei Strabag wird etwa für das Geschäftsjahr 2025 eine Dividende von 2,90 Euro je Aktie genannt, was einem Anstieg um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Jahresüberschuss liegt bei rund 342,8 Millionen Euro. Diese Zahlen verdeutlichen, dass auch andere große Baukonzerne auf stabile oder steigende Ausschüttungen setzen und damit versuchen, Anlegern die zyklische Natur des Geschäfts zu vergüten. HOCHTIEF bewegt sich in diesem Umfeld und muss seine eigene Dividenden- und Gewinnentwicklung daran messen lassen.
Porr als weiterer Wettbewerber ist stark in der DACH-Region und Osteuropa verankert und konkurriert in Bereichen wie Infrastruktur, Hoch- und Tiefbau sowie industriellen Projekten um Aufträge. Im direkten Vergleich kommt es für Investoren darauf an, welche Gesellschaft die bessere Kombination aus Wachstumsaussichten, Margenstärke, Risikosteuerung und Bilanzqualität bietet. Unterschiede bestehen oft in der regionalen Ausrichtung, der Projektstruktur (z.B. Anteil von PPP-Projekten) und der Finanzierungsstrategie.
Im Wettbewerbsvergleich wird HOCHTIEF zugutegehalten, dass das Unternehmen über seine Beteiligung an ACS und den CIMIC-Verbund Zugang zu einer breiten Palette internationaler Märkte hat. Dies ermöglicht eine größere Diversifikation, bringt aber gleichzeitig die Aufgabe mit sich, heterogene Regulierungs- und Marktbedingungen zu steuern. Wettbewerber mit stärkerem Fokus auf einzelne Regionen haben möglicherweise einen Informationsvorsprung in diesen Märkten, dafür aber weniger globale Diversifikation.
Ein weiterer Differenzierungsfaktor ist die Einbindung in Megathemen wie Energiewende, Digitalisierung und urbanes Wachstum. Unternehmen, die sich früh auf Projekte im Bereich erneuerbare Energien, Energieeffizienz oder digital vernetzte Infrastruktur spezialisieren, können sich in Ausschreibungen vorteilhaft positionieren. HOCHTIEF betont in seinen Infrastrukturaktivitäten die Segmente Energie und urbane Infrastruktur, was Chancen in diesen Zukunftsfeldern eröffnet.
Für Anleger, die den Bau- und Infrastruktursektor insgesamt betrachten, ist daher weniger entscheidend, ob ein einzelnes Projekt kurzzeitig besser oder schlechter verläuft. Wichtiger ist, wie sich ein Unternehmen im Branchenschnitt positioniert: Wer verfügt über eine robuste Bilanz, wer kann attraktiv finanzieren, wer hat die stärkste Pipeline an Großprojekten, und wo sind die Margen am stabilsten? In dieser Matrix zählt HOCHTIEF zu den größeren und internationaler diversifizierten Anbietern.
Makrofaktoren: Arbeitskräftemangel und Infrastrukturbedarf
Bei der Bewertung von Baukonzernen spielen auch makroökonomische Faktoren eine zentrale Rolle. In Analysen wird etwa auf den Arbeitskräftemangel hingewiesen: Allein im deutschsprachigen Raum fehlen mehreren Studien zufolge Millionen Fachkräfte, was Auswirkungen auf die Realisierbarkeit und Kostenstruktur großer Bauprojekte hat. Eine Zahl von 4,3 Millionen fehlenden Arbeitskräften wird dabei als Größenordnung genannt, die verdeutlichen soll, wie stark der Arbeitsmarkt unter Druck steht.
Für HOCHTIEF bedeutet dies, dass Lohnkosten, Verfügbarkeit von Spezialisten und Projektlaufzeiten zentrale Stellgrößen des Geschäftsmodells sind. Gelingt es, qualifizierte Fachkräfte zu binden und effizient einzusetzen, können Großprojekte trotz angespannter Arbeitsmärkte profitabel abgewickelt werden. Misslingt dies, drohen Verzögerungen und Kostensteigerungen, die Margen belasten.
Andererseits sorgt der hohe Infrastrukturbedarf in vielen Ländern dafür, dass der grundsätzliche Nachfragesog nach Bauleistungen weiterhin groß ist. Alternde Verkehrsinfrastruktur muss modernisiert, Energie- und Datennetze müssen ausgebaut und Städte an den Klimawandel angepasst werden. Für Unternehmen wie HOCHTIEF entsteht daraus ein langfristiger Markt, der weit über einzelne Konjunkturzyklen hinausreicht.
In diesem Spannungsfeld aus hoher Nachfrage und begrenzten Ressourcen entscheidet sich, welche Unternehmen in der Lage sind, ihre Kapazitäten so zu steuern, dass sie profitabel wachsen können. Digitale Planungs- und Steuerungsinstrumente, modulare Bauweisen und innovative Ausschreibungsmodelle (z.B. Allianzverträge) gewinnen an Bedeutung, um Effizienzreserven zu heben. HOCHTIEF positioniert sich mit seinen Infrastrukturgesellschaften genau an dieser Schnittstelle von Technik, Projektmanagement und Finanzierung.
Für den Moment lässt sich festhalten: Die HOCHTIEF AG-Aktie spiegelt mit ihrem erhöhten Kursniveau, der bevorstehenden DAX-Aufnahme und ambitionierten Gewinnzielen die Erwartung wider, dass der Konzern seine Rolle im globalen Infrastrukturmarkt weiter ausbauen kann. Wer den Wert beobachtet, wird daher insbesondere auf die Entwicklung der Projektpipeline, die Umsetzung großer Infrastrukturvorhaben und die Bestätigung der Zielspanne beim operativen Gewinn achten.
HOCHTIEF im Kurzcheck
- Name: Hochtief
- Branche: Bau, Infrastruktur, Projektentwicklung
- Hauptsitz: Essen, Deutschland
- Kernmaerkte: Europa, Nordamerika, Asien-Pazifik, Nahost
- Umsatztreiber: Infrastrukturprojekte (Transport und Energie), Hoch- und Tiefbau, PPP-Modelle, internationale Großaufträge
- Heimatboerse / Notierung: Xetra, Frankfurt; WKN 607000
- Handelswaehrung: Euro (EUR)
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