Ho-Chi-Minh-Stadt verschärft Sicherheitsvorschriften für Wohngebäude
16.04.2026 - 03:39:23 | boerse-global.deNach tödlichen Vorfällen verschärft Vietnames Metropole die Kontrollen für Wohnhäuser und setzt auf striktere Versicherungs- und Dichtevorgaben.
Ho-Chi-Minh-Stadt – Die vietnamesische Wirtschaftsmetropole reagiert auf eine Serie verheerender Brände: Mit einem umfassenden Maßnahmenpaket will die Stadtverwaltung die Sicherheit in Wohngebäuden drastisch erhöhen. Ein am 7. März 2026 erlassenes Dekret ordnet eine flächendeckende Überprüfung aller Wohnblocks an. Der Fokus liegt auf illegalen Umbauten, die Fluchtwege versperren. Verstöße werden nun streng geahndet. Diese Initiative ist Teil einer regulatorischen Kehrtwende, die auch erweiterte Versicherungspflichten und neue Mindestwohnflächen umfasst.
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Strengere Kontrollen und harte Strafen für Blockierer
Die Behörden setzen auf verschärfte Kontrollen. Lokale Verwaltungen müssen gemeinsam mit der Polizei Gemeinschaftsflächen, Flure und Balkons inspizieren. Im Visier stehen unbefugte Renovierungen oder Einbauten, die Rettungswege verengen. Solche Hindernisse hätten sich in der Vergangenheit als kritischer Risikofaktor erwiesen. Alle bei früheren Inspektionen festgestellten, aber nicht behobenen Verstöße werden nun mit administrativen Strafen belegt.
Die Stadt reagiert damit auf alarmierende Zahlen der Polizei. Im Jahr 2025 verzeichnete Ho-Chi-Minh-Stadt 331 Brände mit 27 Toten und 19 Verletzten. Der Sachschaden belief sich auf umgerechnet etwa 1,87 Millionen Euro. Untersuchungen zeigten, dass rund 80 Prozent dieser Brände auf Elektrodefekte in Privatwohnungen, Mietunterkünften und kleinen Gewerbebetrieben zurückgingen.
Versicherungspflicht wird ausgeweitet – Neue Gesetze greifen
Als Konsequenz hat sich die Rechtslage bereits im Sommer 2025 grundlegend geändert. Sedem 1. Juli 2025 gilt die neue Verordnung 105. Sie senkt die Schwellenwerte für die obligatorische Feuer- und Explosionsversicherung. Jetzt müssen bereits Wohngebäude mit fünf oder mehr Stockwerken oder einer Gesamtfläche von mindestens 1.000 Quadratmetern versichert sein. Bisher galt die Pflicht erst ab sieben Stockwerken.
Zusätzlich trat im Sommer 2025 das neue Feuerwehr- und Rettungsgesetz (Nr. 55/2024) in Kraft. Es verschärft die Vorgaben für gemischt genutzte Gebäude mit Wohn- und Geschäftsflächen. Diese müssen nun klar getrennte Fluchtwege und verbesserte Brandschutztrennungen zwischen den Nutzungsbereichen aufweisen.
Fokus auf Mini-Apartments und Wohnheime
Ein besonderes Problemfeld bleiben Mini-Apartments und stark belegte Wohnheime. Anfang 2025 hatten die Behörden über 1.000 Mietobjekte mit ungelösten Sicherheitsmängeln identifiziert, die mehr als 15.000 Mieter betrafen. Diese Objekte mussten bis Ende März 2025 ihren Betrieb einstellen, wenn sie grundlegende Kriterien – wie einen zweiten Notausgang – nicht erfüllten.
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Bis Mitte 2025 hatten Tausende Objekte mit Sicherheitsverbesserungen begonnen. Die Polizei meldet jedoch weiterhin Herausforderungen, vor allem mit veralteten Elektroleitungen in älteren Vierteln. Bei Inspektionen, wie Mitte April 2026 im Stadtteil Tam Phuoc, stehen leistungsstarke Geräte und alternde Stromsysteme im Fokus. Die Behörden betonen: Vermieter sind für die Instandhaltung der technischen Systeme – von Aufzügen bis zur Wasserversorgung – verantwortlich.
Neue Wohnflächen-Standards gegen Überbelegung
Um die Lebensbedingungen zu verbessern, führte die Stadt zum 1. Januar 2026 neue Bevölkerungsdichtestandards ein. Für Standardwohnungen gilt nun eine Pro-Kopf-Wohnfläche von 25 bis 32 Quadratmetern. Für Sozialwohnungen und Umsiedlungseinheiten gelten strikte Mindestflächen, um Überbelegung zu verhindern. Stadtplaner erhoffen sich davon eine Entlastung der Stromnetze und erleichterte Evakuierungen.
Pilotprojekt für Ferienwohnungen bringt Klarheit
Die Regulierungswelle erfasst auch die „Sharing Economy“. Nach einer Phase der Unsicherheit startete die Stadt am 1. September 2025 ein zwölfmonatiges Pilotprojekt für Kurzzeitvermietungen à la Airbnb. Das Programm erlaubt solche Vermietungen in Wohnanlagen unter strengen Auflagen.
Eigentümer müssen die Zustimmung der Wohnungseigentümerversammlung einholen, ihr Gewerbe bei den Behörden anmelden und alle Brandschutz- und Steuervorschriften einhalten. Der Pilot soll die Grundlage für dauerhafte Änderungen am Wohnungs- und Tourismusgesetz bis 2027 liefern.
Ausblick: Proaktives Stadtmanagement setzt auf Technologie
Die Vielzahl neuer Vorschriften markiert einen Übergang zu einem proaktiveren Stadtmanagement. Statt pauschaler Verbote setzt Ho-Chi-Minh-Stadt auf regulierte Rahmenbedingungen, um wirtschaftliche Potenziale mit öffentlicher Sicherheit in Einklang zu bringen.
Das Bauamt und die Polizei kündigten an, die Inspektionen als Daueraufgabe zu etablieren. Zukünftige Anstrengungen werden voraussichtlich auf den Einsatz von Technologie – einschließlich Big Data – zur Überwachung der Compliance setzen. Für Immobilienverwalter und Entwickler liegt die Priorität nun darauf, dass die technische Infrastruktur von Brandmeldern bis zu Lüftungssystemen den neuen gesetzlichen Standards entspricht. Mit dem Abschluss des Pilotprojekts für Kurzzeitvermietungen noch in diesem Jahr dürfte der regulatorische Rahmen weiter verschärft werden.
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