Bayer überrascht dank Agrarsparte positiv - Aktie legt deutlich zu
12.05.2026 - 09:53:06 | dpa.deZudem sank der operative Gewinn im Pharmageschäft weniger als von Analysten erwartet. Hier verkaufen sich noch recht neue Medikamente weiterhin sehr gut, Umsatzeinbrüche nach Patentabläufen wie beim Blutgerinnungshemmer Xarelto werden so aufgefangen. An der Börse kamen die aktuellen Geschäftszahlen gut an.
Der Bayer-Aktienkurs stieg kurz nach dem Handelsstart um gut vier Prozent auf 38,59 Euro. Nach einer Kursrally bis auf fast 50 Euro waren die Papiere unter Druck geraten und konsolidieren seither in einer Spanne von circa 36 bis etwa 42 Euro. Trotz des Kursrückschlags vom Jahreshoch kosten die Papiere immer noch rund 40 Prozent mehr als vor Beginn der Rally im November. Diese hatten starke Studiendaten zum Gerinnungshemmer Asundexian ausgelöst. Hinzu kamen dann Fortschritte in den US-Rechtsstreitigkeiten rund um den Unkrautvernichter Glyphosat sowie die seit Jahrzehnten verbotene Umweltchemikalie PCB.
Im abgelaufenen ersten Quartal steigerte Bayer das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Jahresvergleich um 9 Prozent auf 4,45 Milliarden Euro - Analysten hatten deutlich weniger auf dem Zettel. Der Gewinn unter dem Strich war mit 2,76 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch wie vor einem Jahr.
Angesichts dieser starken Entwicklung des operativen Gewinns dürften die Markterwartungen an Bayer nun etwas steigen, erklärte Branchenexperte Richard Vosser von JPMorgan in einer ersten Reaktion. Dabei habe der Konzern aus Leverkusen in der Agrarsparte Crop Science zwar auch von der Einigung auf eine Lizenzvereinbarung in einem Rechtsstreit mit der Konkurrentin Corteva profitiert, doch sei das bereits bekannt gewesen.
Im Pharmageschäft sank das operative Ergebnis zwar, allerdings steckt Bayer hier aktuell mehr Geld in den Vertrieb der noch jungen Medikamente Lynkuet - gegen Wechseljahresbeschwerden - Nubeqa sowie Kerendia.
Die Erlöse mit den Wachstumsmotoren Nubeqa gegen Prostatakrebs sowie mit Kerendia legten indes weiter stark zu. Kerendia wird zur Behandlung der chronischen Nierenerkrankung (CKD) in Verbindung mit Typ-2-Diabetes (T2D) sowie gegen Herzinsuffizienz eingesetzt. Nubeqa war im Quartal sogar das umsatzstärkste Medikament. Der Umsatz mit dem Gerinnungshemmer Xarelto brach indes wenig überraschend ein, und die Erlöse mit dem Augenmedikament Eylea sanken wegen der Konkurrenz durch Generika ebenfalls deutlich.
Alles in allem fiel der Konzernumsatz zum Jahresstart zwar etwas auf 13,4 Milliarden Euro, das lag aber an negativen Effekten aus Währungsumrechnungen. Diese ausgeklammert ergibt sich ein Erlösplus von gut 4 Prozent.
Den Jahresausblick für die um Wechselkurseffekte bereinigte Entwicklung von Umsatz- und operativem Gewinn bestätigte der im Dax DE0008469008 notierte Konzern. Hier stehen weiterhin ein Umsatz von 45 bis 47 Milliarden Euro sowie ein operatives Ergebnis (bereinigtes Ebitda) von 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro im Plan.
Auf die nominale Entwicklung blickt Bayer nun aber zuversichtlicher als bisher. Demnach soll der Umsatz 44,5 bis 46,5 Milliarden Euro erreichen und der operative Gewinn 9,4 bis 9,9 Milliarden Euro. Das sind beim Erlös jeweils 500 Millionen Euro und beim Gewinn jeweils 300 Millionen Euro mehr als bislang erwartet. "Das ist nur eine Momentaufnahme", sagte Finanzvorstand Wolfgang Nickl laut Mitteilung. "Wir erwarten für den Rest des Jahres weitere Volatilität in der Entwicklung der Wechselkurse."
Zum Glyphosat-Rechtsstreit gab es keine wesentlichen Neuigkeiten. Aktuell versucht Bayer, mit einem im Februar angekündigten, milliardenschweren Sammelvergleich das Thema weitgehend vom Tisch zu bekommen. Die Kläger müssen bis Anfang Juni entscheiden; die Anhörung zur finalen Genehmigung findet im Juli statt. Zudem setzte Bayer weiterhin auf eine Grundsatzentscheidung des obersten US-Gerichts, die Glyphosat-Klagen die Grundlage entziehen könnte. Vor dem US Supreme Court fand Ende April eine Anhörung statt. Eine Entscheidung der Richter könnte es bis Ende Juni geben - Ausgang offen.
Allerdings führten - bereits avisierte höhere Auszahlungen zur Beilegung von PCB- und Glyphosat-Verfahren - im ersten Quartal zu einem Abfluss freier Finanzmittel von 2,3 Milliarden Euro. Für 2026 stellt Bayer weiterhin einen Free Cashflow von minus 2,5 bis minus 1,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Darin sind Auszahlungen für Rechtsstreitigkeiten von rund 5 Milliarden Euro berücksichtigt.
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