Großbritannien, KI-generierte

Großbritannien kriminalisiert KI-generierte Nacktbilder ohne Einwilligung

16.01.2026 - 00:03:12

Die britische Regierung schließt ein Gesetzesloch und macht die Herstellung nicht einvernehmlicher KI-Pornografie strafbar. Dies ist eine direkte Reaktion auf den Missbrauch des Chatbots Grok auf X.

Die britische Regierung schließt ein gefährliches Gesetzesloch: Ab sofort ist die Erstellung nicht einvernehmlicher, pornografischer KI-Bilder ein Straftatbestand. Die Eilgesetzgebung ist eine direkte Reaktion auf den Missbrauch des KI-Chatbots Grok auf der Plattform X.

London. Mit einem Paukenschlag im Kampf gegen digitalen Missbrauch hat Großbritannien diese Woche ein neues Gesetz in Kraft gesetzt. Es macht die Erstellung nicht einvernehmlicher, pornografischer Bilder mit Künstlicher Intelligenz (KI) strafbar. Diese entschlossene Maßnahme schließt eine gravierende Lücke im Rechtssystem. Die Regierung beschleunigte das Verfahren nach einem Skandal um den KI-Chatbot Grok auf der Plattform X, dem früheren Twitter.

Die neue Regelung markiert einen Wendepunkt. Bislang war in Großbritannien vor allem die Verbreitung sogenannter Deepfakes strafbar. Jetzt wird bereits die Herstellung solcher missbräuchlichen Inhalte kriminalisiert. „Personen, die solche Inhalte erstellen oder auch nur versuchen, sie erstellen zu lassen, begehen nun eine Straftat“, verkündete Technologieministerin Liz Kendall im Unterhaus. Sie kündigte an, dass Täter mit der vollen Härte des Gesetzes rechnen müssten.

Für Kampagnen zur Online-Sicherheit ist das ein großer Sieg. Die Regelung zielt besonders auf den technologiefacilitierten Missbrauch von Frauen und Mädchen ab, die überproportional häufig Opfer dieser Angriffe werden. Großbritannien positioniert sich damit an der Spitze globaler Bemühungen, den böswilligen Einsatz generativer KI einzudämmen – direkt an der Quelle.

Direkte Folge des Grok-Skandals auf Plattform X

Der Eilbeschluss der Regierung folgt auf massive öffentliche Empörung. Auslöser war der Missbrauch des KI-Tools Grok, entwickelt von einem Unternehmen des Tech-Milliardärs Elon Musk. Auf X wurde der Chatbot genutzt, um massenhaft explizite und missbräuchliche Deepfake-Bilder zu generieren und zu teilen. Medienberichten zufolge wurden damit gewalttätige und erniedrigende Bilder von Frauen sowie sexualisierte Bilder von Kindern erstellt.

Als Reaktion hat die unabhängige Medienaufsicht Ofcom eine formelle Untersuchung gegen X eingeleitet. Geprüft wird, ob die Plattform ihre Pflichten aus dem Online Safety Act 2023 verletzt hat. Dieses Gesetz verpflichtet Plattformen, Nutzer vor illegalen Inhalten zu schützen. Technologieministerin Kendall sicherte Ofcom volle Unterstützung zu. Sollte die Aufsicht einen Zugangsstopp für X in Großbritannien fordern, werde die Regierung dies befürworten. Die Regierung prüfe zudem, ob sie X weiterhin für offizielle Kommunikation nutzen werde.

X hatte als Reaktion auf den Skandal lediglich die Bildgenerierungsfunktion auf zahlende Abonnenten beschränkt. Ministerin Kendall kritisierte diesen Schritt scharf: Er sei unzureichend, eine Beleidigung für die Opfer und gleiche einer „Kommerzialisierung von Missbrauch“. Die Plattform gab zudem an, Maßnahmen ergriffen zu haben, um zu verhindern, dass Grok Bilder realer Personen bearbeiten kann.

Das neue Gesetz: Herstellung wird zum Kern des Delikts

Bereits die Weitergabe nicht einvernehmlicher intimer Bilder, einschließlich Deepfakes, war im Vereinigten Königreich illegal. Die neuen Bestimmungen zielen nun spezifisch auf den Akt der Erstellung ab. Damit wird eine Lücke geschlossen: Bisher war die Generierung eines missbräuchlichen Bildes eines Erwachsenen in einer rechtlichen Grauzone, solange es nicht verbreitet wurde. Nun ist die Erstellung eines expliziten Deepfake ohne Einwilligung strafbar – selbst ohne Verbreitungsabsicht.

Das neue Delikt ist umfassend. Auch die Aufforderung an Dritte, ein nicht einvernehmliches intimes Bild zu erstellen, wird kriminalisiert. Die Regierung kündigte zudem an, spezielle „Nudifizierungs“-Apps über das geplante Crime and Policing Bill verbieten zu wollen. Ziel ist es, die Werkzeuge für digitalen Missbrauch an der Quelle auszutrocknen.

Verurteilte Täter müssen mit einem Eintrag ins Führungszeugnis und einer unbegrenzten Geldstrafe rechnen. Wird der Inhalt auch geteilt, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren. Plattformen, die gegen den Online Safety Act verstoßen, kann Ofcom mit Geldbußen von bis zu 10 Prozent ihres globalen Umsatzes belegen.

Analyse: Paradigmenwechsel für Tech-Konzerne

Die britische Gesetzesinitiative bedeutet eine deutliche Verschärfung im globalen Ringen um die Verantwortung von Technologieunternehmen. Indem sie sich auf die „Quelle“ des Problems konzentriert – die Erstellungswerkzeuge selbst – vollzieht Großbritannien einen Strategiewechsel. Statt des reaktiven „Notice-and-Takedown“-Modells setzt die Regierung nun auf eine proaktive, präventive Haltung.

Dies erhöht den Druck auf KI-Entwickler und die sie hostenden Plattformen erheblich. Sie müssen künftig von Beginn an Sicherheitsvorkehrungen in ihre Systeme integrieren. Für Unternehmen, die generative KI-Modelle entwickeln, bedeutet das eine erhebliche operative Umstellung. Sie sind nun gesetzlich gezwungen, robustere Filter und Schutzmechanismen zu implementieren, um die Erstellung illegaler Inhalte zu verhindern – eine komplexe technische Herausforderung.

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Kampagnengruppen wie die End Violence Against Women Coalition (EVAW) begrüßten den Schritt als großen Erfolg, mahnten aber weitere Schritte an. Technologieplattformen müssten Schaden aktiv verhindern, nicht nur darauf reagieren. Forschungen von Expertinnen wie Professorin Clare McGlynn von der Durham Law School hatten die neue Gesetzesgrundlage maßgeblich beeinflusst.

Was kommt als Nächstes?

Die kommenden Monate werden zur Nagelprobe für das neue Gesetz. Die Ofcom-Untersuchung gegen X wird zum Präzedenzfall. Ihr Ausgang könnte die Haftung von Plattformen in Großbritannien und darüber hinaus neu definieren. Die Regierung drängt auf ein schnelles Vorgehen der Aufsicht – in Wochen, nicht in Monaten.

Aktivisten fordern bereits die nächsten Schritte. Sie wollen, dass die Ofcom-Leitlinien zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu einem verbindlichen Verhaltenskodex mit strengen Sanktionen bei Nichteinhaltung ausgebaut werden.

Während sich die KI-Technologie weiter atemberaubend schnell entwickelt, markiert das britische Gesetz einen entschlossenen Versuch der Regulierung, mit den digitalen Gefahren Schritt zu halten. Die anhaltende Herausforderung wird sein, rechtliche Rahmenbedingungen agil genug zu halten, um neuen Formen KI-generierten Missbrauchs zu begegnen – ohne verantwortungsvolle Innovation auszubremsen.

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