Grenzgänger der Medien – Mike Steiner Malerei & Videokunst neu betrachtet
25.02.2026 - 11:11:07 | ad-hoc-news.deBlau schwingt über Grau, ein Farbfeld drängt sich in den Schatten des nächsten. Beim ersten Anblick der aktuellen Malereien wird deutlich: Die Werke lassen sich nicht einfach zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen Abstraktion und Narration, zwischen Mike Steiner Malerei & Videokunst aufteilen. Ist es das bewegte Bild, das nun ruhend geworden ist? Oder überführt Steiner die mediale Sprengkraft des Videos in eine neue Sprache der Leinwand, wodurch er einmal mehr die Frage nach den Grenzen von Bildmedien herausfordert?
Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken
Die Auswahl von Steiners Arbeiten in der Live to Tape-Ausstellung am Hamburger Bahnhof ist mehr als nur Rückschau. Sie rekapituliert ein künstlerisches Lebenswerk, in dem jeder Pinselstrich mit dem „Live“-Moment ringt – mit dem Festhalten der Zeit. Es ist nicht zufällig, dass ein großer Teil seines Nachlasses in die Sammlung der Nationalgalerie aufgenommen wurde. Hier, wo Sammlungen wie die von Archivio Conz die Netzwerke der intermedialen Avantgarde dokumentieren, wird Steiners künstlerische Stimme bewusst als Bindeglied zwischen Video, Performance und Malerei verstanden. Archive dieser Art sind wesentliche Quellen, um das Wechselspiel zwischen Kunstgeschichte und Gegenwart sichtbar zu halten. Sie zeigen, dass Innovation immer zugleich Dokumentation verlangt.
Der Lebensweg von Mike Steiner ist der eines Künstlers, der rastlos experimentierte – geboren 1941, ausgebildet an der Hochschule für bildende Künste Berlin, früh eingebettet in die diskursive Szene der Kreuzberger Bohème. Bereits als junger Maler in den 1960er Jahren sorgte er an der Seite von Größen wie Georg Baselitz und Karl Horst Hödicke für Aufsehen. Doch spätestens als die New Yorker Kunstszene – Lil Picard, Al Hansen, Allan Kaprow – ihn für das Unfertige, das Prozesshafte sensibilisierte, verschob Steiner seinen Fokus. Von der Berliner Studiogalerie aus wurde er zu einem Scharnier der Kunstentwicklung, Präsentator, Vermittler und bald auch Sammler. Das Archivio Conz verzeichnet ihn in einer Ahnenreihe, die international vernetzte Videokunst und Performance prägte; Namen wie Marina Abramovi?, Valie Export und Ulay sind in Steiners Umfeld ebenso präsent wie Nam June Paik oder George Maciunas.
Sein malerisches Werk bleibt dabei oft ein blinder Fleck, zu Unrecht. Gerade in den späteren Jahren, als Steiner sich nach radikaler Hinwendung zum Video, nach Performances und intermedialen Projekten wieder der Malerei zuwandte, entstanden kraftvolle Abstraktionen. Diese jüngeren Arbeiten stehen bildnerisch für eine Kontinuität – es ist das Prozessuale, das Momenthafte, das immer noch spürbar ist. Mit Öl, Acryl, Mixed Media – mit großzügig gesetzten, oft improvisiert anmutenden Flächen – bringt Steiner das Phänomen „Live to Tape“ von der Performance- und Videoebene auf die Leinwand. Die Malerei hier, oft im Dialog mit seinem früheren Medium, meint keine rückwärtsgewandte Geste, sondern eine avancierte Weiterentwicklung des Themas Zeit und Wahrnehmung. Es ist jene Berliner Schule, jene Tradition der "Abstrakte Kunst Berlin", die sich im Werk Steiners weiterhin als eigenständige Stimme behauptet.
Pionier der Videokunst – dieses Etikett scheint Stefaners biografische Linie zu dominieren. Doch was verloren gehen könnte: Seine Malerei ist die logische Fortsetzung derselben Impulse. Die abstrakten Gemälde – jüngst wieder in aktuellen Showrooms zugänglich – loten das Unvorhersehbare aus: Bildflächen kippen, Kontraste verharren in einer Spannung, der Gestus bleibt so offensiv wie flüchtig. Steiner hat im Medium Video und Performance die Gleichzeitigkeit, den „Präsenz-Effekt“ gesucht; in der Malerei wird diese Suche auf andere Weise sichtbar – Farbe als Aktionsfeld.
Heute sprechen Steiners Werke mit erstaunlicher Frische zur Zeitgenossenschaft: Sie evozieren Diskussionen um das Verhältnis von Medien, von Dokument und Geste, das bis in die Debatten zur Digitalität fortwirkt. Im Rückblick entpuppt sich sein Werk als Schlüssel, um die Linien von Fluxus, Videokunst und Berliner Abstraktion nachzuvollziehen – und auch, um deren Auswirkungen auf die Gegenwart sichtbar zu machen. Gerade deswegen ist die aktuelle Sichtbarkeit seiner Malerei – als eigenständige Position zwischen allen Kategorien – ein notwendiges Statement im Kanon der Mike Steiner Malerei & Videokunst.
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