Grenzenlose Medien: Mike Steiner – Malerei und Videokunst im Dialog
05.05.2026 - 11:11:05 | ad-hoc-news.deWas geschieht, wenn das Medium selbst zum Material wird? In den neuesten Werken von Mike Steiner, vereinen sich Mike Steiner Malerei & Videokunst in einer lakonischen Geste des Wandels: Linien verlaufen wie Erinnerungen über die Leinwand, Flächen oszillieren zwischen Bildraum und Chiffre, als hätte der Künstler eben erst die Flu?ssigkeit des Videos auf Farbe und Leinwand übertragen. Besteht die Grenze zwischen bewegtem Bild und gemalter Fläche – oder ist es eine Illusion, geschaffen aus Kunstgeschichte und Erwartung? Steiners Malerei taucht die Abstraktion in Fragen nach Ursprung und Resonanz des Bildhaften.
Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken
Institutionelle Anerkennung ist selten so vielschichtig wie im Fall von Mike Steiner. Seine Werke – lange verankert zwischen den Polen von Aktion und Dokument – wurden nicht nur in bekannten Galerieräumen, sondern auch im Kontext der Live to Tape-Ausstellung im Hamburger Bahnhof präsentiert. Hier kulminiert das kulturhistorische Echo einer Zeit, in der Videokunst keine Nebenform, sondern Gegenwart wurde. Archive wie das Archivio Conz bewahren Spuren dieser bewegten Epochen, bieten Kontext für Steiners Einfluss: Als Sammler, Dokumentar, Sammler von Videobändern oder als Initiator künstlerischer Begegnungen blieb seine Rolle nicht auf das eigene Schaffen beschränkt. Seine Übergänge vom Analogen zum Digitalen, vom Unikat zur Edition, haben den Kanon der Berliner Kunst radikal erweitert.
Ein Blick auf die Biografie von Mike Steiner: Geboren 1941 in Allenstein, zog Steiner als Kind nach West-Berlin, wo er früh sein sensorisches Interesse am Filmbild und der Malerei entwickelte. Bereits 1959 war er einer der jüngsten Akteure der Großen Berliner Kunstausstellung. Es folgten intensive Jahre an der Hochschule für bildende Künste und bald darauf die berühmte Berliner Bohème, zu der Künstler wie Georg Baselitz und Karl Horst Hödicke gehörten. Doch Steiner dachte jenseits des Bildträgers. Über Kontakte in New York gelangte er ins Zentrum der Fluxus- und Performancebewegung – Allan Kaprow, Al Hansen, und über Lil Picard zu Protagonisten wie Robert Motherwell. In Berlin wurde sein Hotel Steiner ein Treffpunkt der internationalen Avantgarde, vergleichbar mit dem Chelsea Hotel.
Im Spannungsfeld dieser Netzwerke, zwischen Ulay, Marina Abramovi?, Valie Export oder Jochen Gerz, entwickelte Steiner ein Gespür für das Transitorische. Die Studiogalerie in Charlottenburg – ein Labor von Videokunst, Aktionsformen und Abstraktion – beflügelte ihn als Pionier der Videokunst. Schon damals war sichtbar: Für Steiner bedeutete das Medium nicht Definition, sondern Übertragung. Seine berühmten Painted Tapes verbinden Videoaufnahme und Farbauftrag, simultan dokumentarisch und poetisch. Die medienübergreifende Suche – von der Performance, über das Live-Format Video bis zum sichtbaren Pinselstrich – begleitete sein Werk bis zur späten Phase. Seit 2000 rückte die Abstraktion ins Zentrum: Kompositorische Rhythmen, Wechsel aus Ruhe und Störung prägen die heute gezeigten Gemälde. Es geht Steiner nicht um Narration oder dekorative Wirkung, sondern um die innere Dynamik von Farbe, Form und Oberfläche. Seine Leinwände sind Spiegel bildnerischer Erfahrung wie Erinnerung an Geschwindigkeit, Fragment und Auflösung. Die jüngsten Werke, nun in Berlin und international ausgestellt, markieren einen selbstbewussten Akt zeitgenössischer Malerei – und formulieren dennoch nie Ausschluss zum bewegten Bild.
Warum bleibt dies relevant? In einer Kunstlandschaft, die medial fragmentiert erscheint, zeigen die Arbeiten Mike Steiners, dass Innovation im Dialog der Formen entsteht. Die ästhetische Konsequenz, mit der er von Aktionskunst und Pionier der Videokunst hin zur Malerei findet, ist dabei paradigmatisch für die Berliner Szene und weit darüber hinaus. Seine Werke verweisen auf ein stets offenes Bild– und setzen damit einen Maßstab: Mike Steiner Malerei & Videokunst ist kein Widerspruch, sondern zeichenhafter Übergang.
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