Grab, Roboter-Pionier

Grab übernimmt Roboter-Pionier Infermove für autonome Lieferungen

07.01.2026 - 06:06:12

Der südostasiatische Tech-Konzern Grab erwirbt den KI-Roboter-Entwickler Infermove, um die kostspielige letzte Meile der Lieferkette zu automatisieren und Personalkosten zu senken.

Der südostasiatische Tech-Riese Grab stärkt seine Logistik mit KI-Robotern. Die Übernahme des chinesischen Start-ups Infermove soll die teure “letzte Meile” der Lieferkette automatisieren.

SINGAPUR – Grab Holdings Ltd., Betreiber der gleichnamigen Super-App, übernimmt den Pekinger Roboter-Entwickler Infermove. Das gab das Unternehmen am Dienstag bekannt. Der Deal markiert einen strategischen Schwenk: Grab will künstliche Intelligenz nicht nur in Software, sondern auch in physische Lieferroboter integrieren. Hintergrund sind steigende Arbeitskosten und wachsender Lieferdruck in den Megastädten Südostasiens.

Strategischer Schachzug gegen Personalkosten

Die finanziellen Details der Transaktion wurden nicht offengelegt. Infermove wird als unabhängige Tochtergesellschaft weiterarbeiten, konzentriert seine Forschung und Entwicklung aber künftig auf die komplexen städtischen Umgebungen in Südostasien.

„Wir sehen die Chance, Infermoves Lösungen von Singapur aus weiterzuentwickeln, um Grabs Lieferfähigkeiten zu ergänzen”, erklärte Grab in einer Pressemitteilung. Die Übernahme geht über Pilotprojekte hinaus und zeigt den ernsthaften Willen, eigene Robotertechnologie im großen Stil einzusetzen. Branchenbeobachter werten den Schritt als logische Konsequenz, um die operative Effizienz zu steigern und die Kosten pro Lieferung zu senken – eine Schlüsselkennzahl im umkämpften Liefergeschäft.

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Roboter, die Aufzüge rufen und Türen öffnen

Das 2021 gegründete Infermove hat sich mit seiner proprietären „InferBrain“-Technologie einen Namen gemacht. Diese Vision-Language-Action (VLA)-Architektur ermöglicht es Robotern, visuelle Daten zu verarbeiten, Sprachbefehle zu interpretieren und komplexe physische Aktionen in Echtzeit auszuführen.

Herzstück der Übernahme ist die „Carri“-Serie von Lieferrobotern. Im Gegensatz zu herkömmlichen Fahrzeugen sind sie für „unstrukturierte“ Umgebungen konzipiert. Sie besitzen Greifarme und können Aufgaben bewältigen, die autonome Systeme normalerweise vor Rätsel stellen: Aufzugknöpfe drücken, Türen öffnen und über belebte Gehwege navigieren.

Laut Infermove nutzen die Systeme Imitations- und Bestärkendes Lernen, um sich an unvorhersehbaren Fußgängerverkehr anzupassen. Diese Fähigkeit gilt als essenziell für den Einsatz in dicht besiedelten Metropolen wie Singapur, Jakarta oder Bangkok, wo die Gehwegverhältnisse kaum mit westlichen Städten vergleichbar sind.

Börse reagiert positiv auf Zukunftsstrategie

Nach der Bekanntgabe stiegen die Aktien von Grab an der NASDAQ um rund 3,5 Prozent. Analysten sehen in der Übernahme einen langfristigen Plan, die Wirtschaftlichkeit pro Einheit zu stabilisieren.

„Automatisierung bietet den Weg zu vorhersehbareren Lieferzeiten und geringeren Grenzkosten”, kommentieren Logistik-Experten. „Indem Grab den Technologie-Stack selbst besitzt und nicht nur lizenziert, kann es seine Lieferkette besser kontrollieren und die Abhängigkeit von schwankenden Personalkosten reduzieren.”

Der Kauf folgt einer Reihe von Investitionen in Automatisierung. Ende 2025 beteiligte sich Grab bereits am autonomen Fahrdienstleister May Mobility. Infermove ergänzt dies nun auf der Logistikseite, insbesondere bei den kostspieligen „letzten 100 Metern“ bis zur Haustür.

Erster Testlauf in Singapur geplant

Die unmittelbaren Pläne nach der Übernahme konzentrieren sich auf Singapur als primären Testmarkt. Grab will dort ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum einrichten. Die kontrollierte, aber komplexe städtische Umgebung der Stadtstaates gilt als ideales Versuchsfeld für die Carri-Roboter vor einem Rollout in der gesamten Region.

Die Integration wird schrittweise erfolgen. Erste Einsätze wird es voraussichtlich in geschäftigen Geschäftsvierteln und großen Wohnkomplexen geben. Dort könnten die Roboter Lieferungen vom Foyer bis zur Wohnungstür übernehmen – und menschliche Zusteller für anspruchsvollere oder längere Strecken freispielen.

Der Zeitplan für den flächendeckenden Einsatz bleibt flexibel. Doch Grab positioniert sich mit diesem Zug klar im Kreis der Tech-Giganten, die auf eine Zukunft setzen, in der menschliche Kurier und autonome Roboter Hand in Hand arbeiten. In den kommenden Quartalen wird der Fokus auf regulatorischen Genehmigungen und der Infrastruktur in Grabs diversen Märkten liegen.

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