Gordon Dadds Aktie: Totalausfall
19.02.2026 - 18:57:08 | boerse-global.deDie Geschichte der Gordon Dadds Group, die sper als The Ince Group firmierte, dient heute als mahnendes Beispiel für die Risiken aggressiver Expansionsstrategien im Rechtssektor. Was als ambitioniertes Projekt eines multinationalen Dienstleisters begann, endete in Handelsaussetzungen, Insolvenz und schwerwiegenden Betrugsvorwürfen. Für Anleger bleibt von dem einstigen Hoffnungsträger heute nur noch ein wertloses, vom Handel ausgeschlossenes Papier.
Der Abstieg begann schleichend nach einer Phase des scheinbaren Erfolgs. Nach der Übernahme des britischen und chinesischen Geschäfts von Ince & Co im Jahr 2019 meldete die Gruppe für das Geschäftsjahr 2020 zunächst ein Umsatzplus von 87 Prozent. Doch das schnelle Wachstum kaschierte nur kurzzeitig die aufkommenden strukturellen Probleme. Wie konnte ein einstiger Branchenpionier derart schnell kollabieren?
Ein massiver Cyberangriff im März 2022 markierte den Wendepunkt. Die Attacke verursachte Kosten in Höhe von rund 5 Millionen Pfund und legte operative Schwächen offen. In der Folge gelang es dem Unternehmen nicht mehr, seine Finanzberichte für die Jahre 2021 und 2022 fristgerecht vorzulegen. Diese mangelnde Transparenz führte schließlich im Januar 2023 zur Suspendierung der Aktie an der London Stock Exchange.
Insolvenz und strafrechtliche Vorwürfe
Der finanzielle Druck wurde im Frühjahr 2023 unerträglich, woraufhin die Ince Group plc im April Insolvenz anmelden musste. Zwar übernahm Axiom DWFM Teile des Geschäfts, doch auch dieser Neuanfang war nicht von Dauer. Schwere Betrugsvorwürfe innerhalb der neuen Struktur führten dazu, dass die zuständige Aufsichtsbehörde (Solicitors Regulation Authority) einschritt und den Betrieb im Oktober 2023 endgültig schloss.
Das Scheitern verdeutlicht die extremen Risiken, wenn Kanzleien versuchen, durch komplexe Fusionen und Übernahmen an der Börse zu skalieren. Die Integration unterschiedlicher Unternehmenskulturen und die Aufrechterhaltung strenger Berichtsstandards erwiesen sich im Fall Gordon Dadds als unlösbare Hürden.
Fazit für den Sektor
Da die hinter der Aktie stehenden Unternehmen nicht mehr existieren, sind keine weiteren Finanzberichte oder Hauptversammlungen zu erwarten. Der Handel mit dem Papier bleibt dauerhaft eingestellt. Für den gesamten Sektor der börsennotierten Rechtsdienstleister bleibt der Fall eine Warnung: Operative Stabilität und regulatorische Compliance sind in dieser Branche weitaus wichtigere Kennzahlen als kurzfristiges Umsatzwachstum durch Zukäufe.
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